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In sich hinaus (Haltungen in der Hypnotherapie)

In sich hinaus
(Wege und Haltungen in der Hypnotherapie)

 

Hypnose – Klischees

 

Wer kennt sie nicht, die Szenen aus alten amerikanischen Krimis,
in denen ein bösartiger Hypnotiseur seine Kunden zur Verwirklichung eigener egoistischer und meist materieller Ziele missbraucht,
indem er seinen Opfern posthypnotische Aufträge erteilt …

Wer kennt nicht die alten Hypnose-Formeln, die Schlaf induzieren und Heilung „wie im Schlaf“ versprechen:
… und Ihre Augenlider werden immer schwerer, schwer wie Blei, und Sie haben jetzt schon das Bedürfnis, Ihre Augen zu schließen,
um in einen angenehmen schläfrigen Zustand hineinzugleiten … und wenn Sie wieder aufwachen, dann sind Ihre Probleme gelöst …
In meiner eigenen psychotherapeutischen Praxis begegne ich fast täglich den gängigen, alten Klischees von Hypnose.
Diese sind oft gepaart mit sehr hohen Erwartungen an ein Expertentum, das die volle Verantwortung für die Symptomatik übernimmt.

 

2 (Klienten)- Haltungen sind hierbei relevant:

  • Der Klient glaubt, dass er selbst für seine Heilung nichts tun kann.
    Das Problemerleben „geschieht ihm“ und wird als nicht beeinflussbar oder veränderbar wahrgenommen.
    Er sucht also einen Experten auf in der Hoffnung, dass dieser eine professionelle Verantwortung dafür übernimmt und das Problem beseitigt.
  • Der Klient glaubt, dass er selbst nichts zu tun braucht.
    Er hofft, dass nach einem vom Therapeuten erzeugten hypnotischen Schlaf die Probleme gelöst sind und
    er (wohlgemerkt ohne Probleme) sein Leben so weiterführen kann wie bisher.

Einen „Haken“ hat diese Einstellung allerdings:

Je mehr Verantwortung der Klient abgibt, um so mehr wächst auch seine Angst vor dem Unbekannten, vor dem, was während er „schläft“, eine andere Person mit ihm macht, und vor dem, was aus den Tiefen seiner Seele aufsteigen könnte, das ihn vielleicht nachhaltiger beschäftigt als das Ausgangsproblem.
Diese brisante Ambivalenz aus einem tiefen Wunsch, endlich mal keine Verantwortung mehr tragen zu müssen und der Angst vor Manipulation und den eigenen „Dämonen“ schafft eine Ausgangssituation, in der hypnotherapeutisches Arbeiten erst einmal erschwert ist.
Woher kommen nun diese Hypnose – Klischees ?

Tatsächlich ist es so, dass bis zum heutigen Tag in vielen Schulen und Praxen ein „autoritärer Ansatz“ praktiziert wird.
Charakteristisch für diesen Ansatz sind folgende Faktoren:

  • Der Therapeut ist „wissend“, der Klient ist „unwissend“
  • Der Therapeut als Hypnotiseur hat Macht über den Klienten
  • Das Unbewusste ist eine Art „tabula rasa“, in die Suggestionen von außen eingepflanzt werden
  • Die Heilung kommt von außen

Man muss wissen, dass dieses Denken ein altes Denken ist und seine Wurzeln in feudalistischen Zeiten hat.
Zu diesem Denken gehört auch der (Aber-) Glaube, dass nur der Therapeut in der Lage ist,
die Symptomatik des Klienten aufzuheben.
Dies tut er eben mit Suggestionen, die er an die Adresse des „Unterbewusstseins“ schickt, in der Hoffnung, dass sie dort ihre heilende Wirkung tun.
Eine kompetenzorientierte Sicht fehlt hier vollständig.
Die Einzigartigkeit des Klienten und die Fähigkeit, Veränderungsprozesse autonom gestalten zu können, werden nicht berücksichtigt.

Ein keineswegs zu unterschätzender Faktor für die Angst des Klienten vor Hypnose ist die weit verbreitete, auf Sigmund Freud zurückgehende Konzeption des „Unbewussten“:
Freud hat im Unbewussten den Sitz verdrängter neurotischer Triebhaftigkeit gesehen, eine Art
„Sondermülldeponie für seelische Auslagerungen“.
Die Frage sei hier erlaubt, wer sich freiwillig gerne auf eine mit Befürchtungen und von Angst besetzten „Unterwelt“ einlassen mag. Aus der heutigen modernen Sicht ist es allzu verständlich, dass es angesichts eines solchen Glaubens Widerstände beim Klienten gibt.

 

Hypnose aus heutiger Sicht

 

Orientiert an den Erfahrungswerten Milton Ericksons und seiner Schüler steht heute ein kooperativer Ansatz im Vordergrund, gekennzeichnet durch das Wissen, dass sowohl der Therapeut, als auch der Klient,
als auch die Beziehung zwischen beiden autonome Systeme sind,
die gemeinschaftlich in größtmöglicher Transparenz zusammenwirken.
In diesem Verständnis entwickelt sich Trance aus einem Erleben zwischenmenschlicher Begegnung,
auf der Basis von Vertrauen und entsprechend den getroffenen Vereinbarungen.

Erickson begründete durch seine Arbeit eine neue Sicht, die der von Freud widersprach:
Das „Unbewusste“ ist nun nicht mehr der Bereich für verdrängtes Material, sondern ein Bereich,
der dem „Bewusstsein“ weit überlegen ist und die Gesamtheit der Lernprozesse,
Ressourcen und persönlichen Kompetenzen beinhaltet.
„Wie eine liebevoll fürsorgliche Mutter“ steuert das „Unbewusste“ nicht nur alle unwillkürlichen physiologischen
Prozesse des Menschen, sondern auch die seelischen Prozesse und deren Wechselwirkung mit körperlichen Abläufen.

 

Einige Grundüberzeugungen von Milton Erickson:

  • Jede Person ist einzigartig. Darin liegt ihre Würde.
  • Jede Person hat Entwicklungsressourcen.
  • Trance stärkt und erweitert die Ressourcen.
  • Trance ist ein natürliches Phänomen.
  • Zukunftsimaginationen sind hilfreich, wenn sie in Bezug zu Bedürfnissen in der Gegenwart stehen.
  • Fokussierung von Aufmerksamkeit auf das gewünschte Erleben (Future Pace) unterstützt die Effektivität des Prozesses.
    Dabei hilft besonders die Aktivierung von unwillkürlichem Erleben.
  • Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrungen.
  • Der bewusste Verstand ist sehr klug und weise, doch das Unbewusste ist um ein vielfaches weiser.
  • Das Unbewusste ist ein Hersteller von Informationen, das Bewusstsein ist ein Verbraucher,
    Trance ist ein Vermittler zwischen ihnen.

Der kooperative Ansatz beruht auf der Flexibilität, sich auf jeden Menschen neu einstellen zu können und
therapeutische Intervention an den Bedürfnissen und Zielen des Klienten auszurichten.

Ein zentrales Prinzip der Erickson´schen Hypnotherapie ist das der „Utilisation“:
Man versteht darunter die zieldienliche Nutzbarmachung von hilfreichen Aspekten
aus dem subjektiven „Modell der Welt“ des Klienten.

 

Utilisation bezieht sich auf eine Vielzahl von Aspekten aus dem Bezugsrahmen des Klienten:

  • die Haltung
  • die Denk- und Fühlmuster
  • Die Lebens – Kontext – Bedingungen, die Beziehungen
  • Sternstunden, Stärken, Erfolgserlebnisse, Fähigkeiten, Qualitäten
  • Werte und Überzeugungen
  • Selbstbilder
  • Erfahrungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit

 

 

Was ist nun eigentlich Trance ?

Viele Bücher sind in den letzten Jahrzehnten darüber geschrieben worden, kontrovers oder sich ergänzend.
In den 90er Jahren hat der Amerikaner Beahrs vergleichende Studien in der Hypnose – Literatur angestellt.
Es ging ihm darum, herauszufinden,
welche Beschreibungen von Trance – Phänomenen in allen Ausführungen übereinstimmen.
Er kam zu dem Ergebnis, dass Trance – Phänomene sich dadurch auszeichnen, dass
„Es geschieht“ – ganz unwillkürlich, (im Gegensatz zu dem „Ich mache“ – willkürlich – auf der bewussten Ebene).

Trance ist also

  • ein Prozess der systematischen Fokussierung von Aufmerksamkeit, vor allem auf der unwillkürlichen Ebene.
  • ein aktiver Prozess unbewussten Lernens (im Gegensatz zu bestimmten Auffassungen der Hypnose als eines passiven und regressiven Zustands, in dem der Klient ein Automat unter
    der Kontrolle des Hypnotiseurs ist).

Das Sich – hinein – begeben in einen Trance – Zustand geschieht durch eine Veränderung der Wahrnehmung: von willkürlich zu unwillkürlich.

Das Ziel von hypnotherapeutischer Arbeit ist es, die als problematisch erlebten Verhaltens- und Erlebensmuster
(auch blockierende Programmierungen im Sinne von Überzeugungen, Zuschreibungen, Selbstverurteilungen usw.)
auf effektive Weise entsprechend den Bedürfnissen und Zielen des Klienten zu verändern.

Hierbei hat der Klient die Autorität für die Lösungsdefinition.
Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein reichhaltiges Repertoire von Denk-, Fühl- und
Verhaltensmöglichkeiten erlernt hat. Potentiale für Veränderung müssen nicht erst neu gelernt werden,
sondern sind bereits aufgrund vielfältiger Erfahrungen gespeichert.
Das Hauptaugenmerk einer lösungsorientierten hypnotherapeutischen Arbeit liegt nicht auf Diagnostik von
pathologischen Phänomenen, sondern auf der Frage,

  • wie Veränderung gelingen kann
  • wie vorhandene Ressourcen / Kompetenzen genutzt werden können und
  • wie Potentiale zieldienlich vernetzt werden können

Lösungserleben ist assoziiertes Erleben, also Erleben mit allen Sinnen.

Legt man die Vergleichsstudien von Beahrs den weiteren Betrachtungen zugrunde,
so stellt man fest, dass die gleichen Kriterien, die für Trance – Phänomene benannt sind,
auch für die Erlebnismuster gelten, die Klienten als problematisch beschreiben.

 

Symptome werden vom Klienten oft erlebt als nicht beeinflussbar und nicht steuerbar:

  • Es“ (das Problem) geschieht ganz unwillkürlich.
  • Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Problemerleben und seine Peripherie absorbiert so viel Energie,
    dass der Klient keine Möglichkeit sieht, aus eigener Kraft da raus zu kommen.
  • Und es gibt einen entscheidenden Eskalationsfaktor: das als „Problem“ identifizierte Erleben wird vom Klienten und
    auch von äußeren Instanzen (z.B. durch pathologiebezogene Diagnostik) interpretiert und beurteilt.
  • Diese Interpretationen sind meist wenig förderlich für einen Heilungsprozess.
  • Sie wirken eher problemstabilisierend, in dem sie die Aufmerksamkeit immer wieder auf das „Problematische“ und Ungelöste richten.
  • Sie wirken wie eine professionelle Trance – Induktion.

 

In den 80er Jahren haben die Erickson – Schüler Steven Gilligan und Gunter Schmidt den Begriff der „Problemtrance“ geprägt.
Danach werden Probleme als Trance – Phänomene beschrieben, da sie das Kriterium der unwillkürlich
Aufmerksamkeitsfokussierung und der Assoziation in das Problemerleben erfüllen.

 

 

„Problemtrancen“

Man kann davon ausgehen, dass im „Unbewussten“ alle biographischen Erfahrungen und die persönlichen Bewertungen
dieser Erfahrungen gespeichert sind.
Sie dienen dazu, die Gegenwart zu beurteilen, oder anders formuliert:
zur Interpretation gegenwärtiger Erfahrung werden die „Landkarten“ der Vergangenheit zu Hilfe genommen.
Das Unbewusste liefert mittels Innerer Filme und der entsprechenden Inneren Dialoge die notwendigen Zutaten für
das Erleben und dessen emotionaler Bewertung.

Man weiß heute, dass innere Bilder und Gedanken nicht nur emotionale Auswirkungen haben, sondern eine innere
physiologische Wirklichkeit schaffen.
Die Auswahl der inneren Bilder und Kommentierungen kann als eine Art selbsthypnotischer Prozess verstanden werden
und ist Bestandteil einer hoch – komplexen menschlichen Wahrnehmung.
In Bezug auf die Auswirkungen, hängt es davon ab, welche Bilder und welche Gedanken dominant sind.

 

2 Beispiele möchte ich an dieser Stelle anführen:

  • Wenn ein Klient sich innerlich eine katastrophale Zukunft ausmalt,
    ist die emotionale und physiologische Reaktion offensichtlich. Angst ist die Folge.
  • Ein Klient, der den Glauben in sich trägt, nichts wert zu sein, wird in unterschiedlichen Kontexten entsprechende innere Kommentierungen aktivieren, die den Glauben bestätigen.
    Es wird eine „Wirklichkeit“ mit weit reichenden persönlichen und sozialen Auswirkungen geschaffen.

 

 

Lösungsansätze

Die Klienten haben meist die Absicht, ihr Problem in den Griff zu kriegen, es zu beseitigen,
den inneren Automatismus von Problem – Sequenzen zu stoppen …
Dies wird versucht durch bewusste (und willkürliche) Einflussnahme, was selten gelingt.

 

Auf professioneller Ebene hat man jahrzehntelang die Haltung vertreten, dass die bewussten Instanzen mit all ihren exzellenten Beurteilungsmechanismen angesichts eines Lösungsprozesses eher störend wirken.

 

Man hat also Techniken entwickelt (z.B. „Konfusionstechniken“), die den bewussten Verstand beschäftigen sollten,
so dass ein „ungehinderter“ Kontakt zum „Unbewussten“ möglich wird.

 

Allerdings ist diese Vorgehensweise nicht gerade wertschätzend, da ja eine Instanz des Klienten (das „Bewusstsein“) ausgeschaltet wird, um mit einer anderen Instanz des Klienten (dem „Unbewussten“) kommunizieren zu können.

 

Das wäre ungefähr so, als wenn man in einer Paartherapie den einen Partner auffordert, Mathematikaufgaben zu lösen, und seine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten, während man mit dem anderen Partner „ungestört“ über die Beziehungsproblematik spricht. Hier ist Parteinahme am Werk.

 

Im hypnotherapeutischen Setting hat diese Arbeitsweise einen entscheidenden Nachteil.
Das „Ausschalten“ des Bewusstseins würde für den Klienten einen Kontrollverlust bedeuten,
was wiederum Widerstand hervorrufen könnte.
Man müsste also besonders trickreich und raffiniert vorgehen, so dass der Klient (und sein bewusster Verstand) es gar nicht merkt, dass er gerade „hintergangen“ wird.

 

In der systemischen Therapie wird der Grundsatz der „Allparteilichkeit“ propagiert.
Damit ist eine wertschätzende Haltung allen beteiligten Instanzen gegenüber gemeint.

 

Legt man diese Idee zu Grunde und sieht sowohl das „Bewusste“ als auch das „Unbewusste“
als innere Instanzen oder als Persönlichkeitsanteile an, so kommt man zu dem Schluss,
dass eine wertschätzende Kooperation zwischen dem bewussten Denken und Handeln und den
unwillkürlichen Prozessen sinnvoll ist.

 

Der „kooperative Ansatz“ beinhaltet somit die Kooperation zwischen Therapeut und Klient und
die Einladung zur Kooperation zwischen den inneren Anteilen.

 

Das „Unbewusste“ / der Organismus / die Intuition / die innere Weisheit … wird zum Kooperationspartner des bewussten Verstandes.

 

Angesichts von „Problemtrancen“ ist es für den Klienten sehr hilfreich, erst einmal aus diesem Erleben herauszukommen, einen emotionalen Abstand zu haben und eine Beobachter – Position einzunehmen. Eine Einladung zu einer solchen Dissoziation wirkt de – hypnotisierend.

 

Bei dem Prozess der De – Hypnotisierung ist der Weg von „unwillkürlich“ nach „willkürlich“.
Das kann ein Verstehen der Zusammenhänge, ein Anschauen von prägenden Erfahrungen und signifikanten Ereignissen bedeuten.
Entscheidend ist hierbei, dass dies in einer wertschätzenden Haltung geschieht,
in der sowohl die „Lernprozesse“, die zum Problemerleben geführt haben, als auch die dahinter stehenden Bedürfnisse und positiven Absichten berücksichtigt werden.
Auch ist die Erkundung der Frage von großem Interesse, wofür bzw. in Bezug worauf das Problem
einen Lösungsversuch darstellt.

 

Darüber hinaus ist die Dissoziation von der „Problemtrance“ eine wichtige Voraussetzung,
um wieder in Kontakt mit dem eigenen Entwicklungspotential zu kommen.

 

Das Nutzbarmachen (Utilisation) von Kompetenzen und Ressourcen des Klienten ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Entwicklungsprozesses.

 

Beim Entwurf von Lösungsszenarien sollte dann unbedingt darauf geachtet werden,
dass mögliche Lösungen auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft werden,
und welche Auswirkungen sie im sozialen Umfeld haben.

 

Aus diesen Erwägungen heraus wird die „Lösungstrance“ entwickelt, in dem der Klient zu assoziiertem Lösungserleben eingeladen wird.

 

Und wie Milton Erickson schon sagte:
Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrung.

Teil 2:

Im folgenden finden Sie eine Zusammenstellung von Problemtrance – Phänomenen,
die der amerikanische Psychotherapeut und Begründer der Quantenpsychologie Stephen Wolinsky in
seinem Buch „Die dunkle Seite des inneren Kindes“ beschreibt.

 

Die Altersregression

  • das Gefühl jünger zu sein, als man ist – bildet den Eckstein des verletzten inneren Kindes.
    Das Bild eines Vorfalls aus der Vergangenheit wird innerlich festgehalten und auf die Erfahrungen
    der Gegenwart trance-feriert.
    Bei Altersregression hat das innere Kind das Ruder übernommen und wird zum Hypnotiseur des Erwachsenen-Ich.
  • Wenn man als Kind, gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte zu unterdrücken, um den Eltern zu gefallen,
    weiß man später selbst nicht mehr, was man will. Es entsteht Ärger und Wut. In Folge dessen zwingt man andere dazu,
    ihre natürliche und emotionale Energie zu unterdrücken. (E-motion bedeutet: etwas hinausbewegen).
    Oder das Gefühl der Wut wird gegen die eigene Person gerichtet.
  • Die „Ich bin nicht klug“ – Trance ist weit verbreitet.
  • Bei der „Du bist schlecht“ – Trance wird die Stimme einer ehemals äußeren Person zur Stimme des inneren Kindes.
    Die Aufgabe des äußeren Hypnotiseurs übernimmt das innere Kind. Das daraus resultierende negative
    Selbstwertgefühl ist Bestandteil der Trance.

Fragen und Anregungen::

  • Wo im physischen Körper ist das innere Kind wahrnehmbar?
  • Welche Emotionen sind mit dem inneren Kind verbunden?
  • Gegen welche Erfahrung wehrt sich das innere Kind?
  • Geben Sie dem inneren Kind einen Namen, so daß Sie in der Beobachterrolle
    bleiben können.

Die Selbstbeobachtung darüber, wie das innere Kind funktioniert, führt zu Bewusstsein.
Es stehen jetzt die Ressourcen des Erwachsenen zur Verfügung, die dem Kind nicht zugänglich waren.
Die De-Hypnose rückt die Erinnerung in den Hintergrund, die Gegenwart in den Vordergrund.

 

Die Zukunftstrance

Drei Aspekte seien hier genannt:

  • Wenn der Geist in die Zukunft wandert, entsteht oft Angst vor imaginären Ereignissen (Siehe Beispiel oben).
    Charakteristisch für diese Zukunftstrance ist das assoziierte Erleben z.B. in den Schmerz angesichts einer
    katastrophalen Zukunft.
    Gedanken an die Zukunft beginnen oft mit „Was, wenn…“
    Wir unterstellen, daß es die Katastrophen der Vergangenheit sind, die hier auf die Zukunft projiziert werden.
  • Kinder schützen sich manchmal vor aktuellem Streß in der Familie dadurch,dass sie sich in ihre Phantasie zurückziehen,
    um sich dort ein angenehmes Erleben zu holen.
    Es ist der Versuch, äußeres Chaos durch eine Trance der Fantasie zu berichtigen. Die Fantasie hat dann den Charakter von
    „Weg von“ und bleibt ohne Feedback von der gegenwärtigen Wirklichkeit.
  • Viele Menschen hängen der „Gewinnen – durch – Verlieren – Trance“ an.
    Hier wird für die Zukunft Abrechnung, Rache usw. geplant.
    Wenn ein Kind glaubt, etwas Falsches getan zu haben, plant es für die Zukunft, als Vermeidung einer Strafe,
    eine Rechtfertigung.
    In der Trance sind nun sowohl die Vorstellung einer Katastrophe als auch die Maßnahmen gegen das
    drohende Verhängnis enthalten.

 

Die Trance der Trennung

  • Sie tritt auf, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, die familiäre Situation zu bewältigen, wenn man ihm verbietet, wütend zu sein,
    oder Zuneigung zu zeigen. Die Folge ist, daß dieser Teil abgespalten wird.
  • Die Trennungs – oder Dissoziations – Trance kann sich auf innere Persönlichkeitsanteile, auf Teile des physischen Körpers
    oder auf den ganzen Körper beziehen. Trennung tritt dann auf, wenn die äußere Wirklichkeit bedroht ist.
  • Um Trennung zu vermeiden, kann ein Kind auch die Trance der Verschmelzung nutzen.
    Verschmelzung ist ein Trancezustand, bei der sich das Kind mit einem Familienmitglied überidentifiziert und mit diesem verschmilzt, um diesem Familienmitglied zu helfen und selbst zu überleben.
    Diese beiden gegensätzlichen Trance – Zustände der Trennung und der Verschmelzung ergänzen sich oft.
    Ein Problem kann ohne eine Trance nicht existieren.
    Diese Art von Trancezuständen ist wie Leim, der die Probleme zusammenhält.

Fragen und Anregungen:

  • Identifizieren Sie die Art der Trance … Trennung oder Verschmelzung ?
  • Wo im Körper ist z. B. die Trennung fühlbar ?
  • Achten Sie darauf, daß Sie Beobachter dieser problematischen Zustände sind.
  • Wenn unterschiedliche Identitätsanteile existieren, z.B. ich bin wie Vater (Verschmelzung) und ich bin ich und muß Vater
    bekämpfen (Rebellion), bleibt der innere Konflikt hypnotisch erhalten.

 

Die „Du mußt – oder Du sollst – Trance“

 

„Du mußt – oder Du sollst“ gelten linguistisch als Modaloperatoren der Notwendigkeit im Inneren Dialog und sind die
verinnerlichten Stimmen ehemals äußerer Personen, wie Vater, Mutter …

Fragen und Anregungen:

  • Erkennen Sie die Sollte – Stimme.
  • Aus welcher Richtung kommt die Stimme?
  • Erkennen Sie, um wessen Stimme es sich handelt.
  • Spielen Sie mit der Stimme durch Submodalitäten – Veränderung (Veränderung des Klanges, der Tonhöhe usw.)
  • Die Schönheit des Beobachters besteht darin, daß er keine Urteile fällt.
  • Oft sind die Botschaften innerer Stimmen darüber, wer oder was wir sind, Introjektionen der elterlichen Stimmen,
    die im Inneren Kind gespeichert sind.
  • Der innere Dialog setzt sich zusammen aus einer Reihe von Interaktionen von Eltern zu Kind.
  • Aufgezeichnete Stimmen werden in die bestehenden Glaubenssysteme eingebaut. So werden Suggestionen
    als die eigenen angenommen.

 

Die Trance des Abblockens

 

Abblocken ist ein Trance – Zustand, der darin besteht, nicht zu hören, was auditiv hörbar ist und nicht zu sehen,
was visuell sichtbar ist.
So verschwinden z.B. Bilder eines sexuellen Mißbrauchs in einer Nebelwand.
In schweren traumatischen Fällen kann sogar der eigene Körper im Nebel verschwinden und dadurch abgeblockt werden.
Bei Alkohol- und Drogenkonsum hilft die jeweilige Substanz, das Abblocken zu verstärken.

 

Die Trance der Illusion

  • Wenn gegenwärtige Erfahrungen durch Bilder, Gefühle oder Stimmen aus der Vergangenheit gestört oder
    unterbrochen werden, sprechen wir von selektiven Trance – Zuständen.
    Vergangenes kann auf diese Weise über die Gegenwart oder über die Zukunft gestülpt werden.
  • Manchmal geschieht es auch, daß bestimmte Gedanken einfach größer gemacht werden.
    So wird z.B. auch in der Therapie aus einer problematischenErfahrung ein winziges positives Element
    herausgefiltert und dann größer gemacht.
  • Das selbe tun Klienten oft in umgekehrter Richtung. Sie filtern einennegativen Bestandteil einer Erfahrung heraus,
    machen diesen Teil größer und können so die Gesamterfahrung als negativ bewerten.
  • Im ersten Fall befinden sich Therapeut und Klient in einer Trance, die der Therapeut einsetzt, um sich produktiv zu fühlen.
    Im zweiten Fall liegt ebenfalls eine Trance im Sinne einer Illusion vor.
    Intensiviert wird die Trance noch, wenn das illusionäre Erleben verallgemeinert und dadurch auf zukünftige
    ähnliche Situationen übertragen wird.
  • Bei einer Illusion wird die Wirklichkeit auf einen kleinen Teil zusammengeschrumpft.
    Dieser Teil wird dann vergrößert oder enorm verzerrt.
  • Viele Menschen stellen sich vor, Stars zu sein. Problematisch wird es, wenn sich die Illusion verfestigt, und
    interpersonelles Feedback unterbrochen wird. Das führt zwangsläufig zu Depressionen.
  • Beim Prozeß des Gedankenlesens werden die Vermutungen darüber, was ein Mensch fühlt oder denkt,
    als Wirklichkeit angenommen.

 

Die Trance des Positiven Denkens

  • Viele Menschen, die dem Phänomen des Positiven Denkens anhängen, investieren enorm viel Energie,
    täglich ihre Übungen zu machen, sich per positiver Gedankenkraft in einen künstlichen Zustand zu manövrieren,
    um das, was dahinter an Problemen in Bezug auf Selbstwert, Identität und Zugehörigkeit lauert,
    nicht mehr fühlen zu müssen.
  • Diese Art des konstruiert positiven Denkens ist der klägliche Versuch, mit Hilfe massiver auditiver
    Einflüsterungspropaganda eine Heile – Welt – Trance zu erschaffen, um die Trance der Depression und des
    Versagens zu überlagern.
    Leider gelingt das nicht all zu häufig.
  • Die lebensgeschichtlichen Themen, die nach Bearbeitung und De-Hypnotisierung drängen,
    nehmen sich früher oder später wieder ihren Raum und zeigen sich z.B. als Konversionssymptome
    auf der körperlichen Ebene.
    Oder die Person gibt irgendwann auf und fällt wieder zurück in den alten depressiven Zustand.

 

Die Trance der Identitätsträume

  • Träume haben manchmal den Zweck, eine bessere Welt im Innern zu schaffen, um den Schmerz der
    Außenwelt zu bewältigen.
    Sobald dieser Traum auf Automatik geschaltet ist, läuft der Traum weiter, als ob er real wäre.
  • In Paarsitzungen ist es häufig ein Problem, wenn einer von beiden den Traum des inneren Kindes träumt.
    So ist es nur konsequent, den Erwachsenen zu bitten, den Traum des inneren Kindes anzuschauen,
    anstatt den Partner ändern zu wollen.
  • Der idealisierte Traum wird über das, was ist, übergestülpt. Bei den meisten Menschen sind Trance – Träume
    auf Automatik geschaltet und Versionen von unerfüllten Kindheitsthemen.

 

Die Trance der Amnesie

  • Amnesie ist ein Verteidigungsmittel, eine Möglichkeit, wie der Beobachter dem Kind helfen konnte,
    die Umstände zu überleben,
    unter denen es aufwuchs.
  • Entsprechende Muster werden im Körper und im Atem festgehalten.
    Körperarbeit hilft, die vergessene oder verleugnete Erinnerung freizulegen.
  • Auch die Hypermnesie ist eine Verteidigungshaltung. Sich an alles erinnern zu können, ist gekennzeichnet
    durch Über – wachsamkeit. Amnesie und Hypermnesie sind Reaktionen auf familiäre Bedingungen.

 

Die Trance der Taubheit und Abgestumpftheit

Hier geht es um emotionale Wahrnehmungsverzerrung.
Sie ist ein Verteidigungsmittel, bei dem der Beobachter im Kind Taubheit und Abgestumpftheit verursacht,
so daß der Erwachsene nur schwerlich Zugang zu seinen Gefühlen hat.

Fragen an das innere Kind:

  • Was bist du bereit zu fühlen, was nicht?
  • Wann hast du dich entschlossen zu fühlen, oder nicht zu fühlen?
  • Vor welchen Erfahrungen schützt dich die Taubheit?

 

Die Trance der Hypersensitivität

 

Es geht um eine Überempfindlichkeit, die sich bis hin zu der Neigung entwickeln kann, alles um sich herum
persönlich zu nehmen.
(Personalisierung)

 

Allen genannten hypnotischen Zuständen ist gemeinsam, daß ihnen prägende Erfahrungen zugrunde liegen,
die auf persönliche Weise interpretiert und bewertet werden. Die Bewertung von Erfahrung ist kein Akt logischer
und vernünftiger Gedankenprozesse, sondern die kinästhetische, d.h. körperliche und emotionale
Reaktion auf das Erleben. Das Korrelat dieser Bewertungen sind die inneren Überzeugungen,
die durch die Verallgemeinerung der Bewertungen entstehen, und maßgeblich Verhalten, Denken und Fühlen bestimmen.

Da die meisten „eingefleischten“ Überzeugungen außerhalb der bewußten Wahrnehmung angesiedelt sind,
wirken sie wie innere Hypnose – Programme und sorgen dafür, dass sie ständig durch Erfahrungen neu gespeist werden.
Alle Werturteile bezüglich der eigenen Person, bezüglich anderer Personen oder Situationen basieren auf Überzeugungen.

Den stärksten Einfluß auf die Persönlichkeit haben Überzeugungen auf der Identitätsebene.
Hier geht es um Selbstbild, Selbstbeurteilung und Selbstwert, aber auch um Selbstverachtung, Verzweiflung
und Wertlosigkeit.

Einschränkende, negative Überzeugungen lassen sich grob in 3 Kategorien einteilen:

  • Wertlosigkeit
    (die Überzeugung, daß man selbst nichts wert ist, und es nicht
    anders verdient hat)
  • Hilflosigkeit (die Überzeugung, daß man selbst nicht in der Lage ist,
    Veränderung zu erreichen)
  • Hoffnungslosigkeit (die Überzeugung, daß „alles“ keinen Sinn hat)

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Die therapeutische Intervention setzt da an, wo es um die ganz individuelle innere Repräsentation des Problems geht.
Die entsprechenden Informationen aus dem visuell – räumlichen, dem kinästhetisch – emotionalen,
und dem auditiven Bereich sind die Bausteine, aus denen sich das Problemerleben zusammensetzt (Komposition).

Wie bei einer musikalischen Komposition beeinflussen sich die Bestandteile gegenseitig und reagieren aufeinander.
Durch ihr Zusammen – Klingen bilden sie ein komplexes System individueller Wahrnehmung.

Um eine Lösung herbeizuführen, um etwas zu lösen, ist es sinnvoll da anzusetzen,
wo etwas auf unangenehme Weise verbunden oder verstrickt ist.
Das bedeutet auch eine Würdigung dessen, wie die Person auf „kunstvolle“ Weise ihre Bausteine der Wahrnehmung angeordnet hat.
Von da aus ist ein Gestaltungsraum offen, der Veränderung im Sinne einer Neustrukturierung einzelner Wahrnehmungsbausteine ermöglicht.

Entsprechend geht es nach dem Prozess der De – hypnotisierung darum, tieferliegende Ressourcen für die Lösung zu aktivieren.

Durch ressourcevolles Verändern des grundlegenden hypnotischen Zustandes entsteht eine Neu – komposition von Wahrnehmungselementen.
Und dadurch können sich wieder neue unterstützende, lebensbejahende und konstruktive Überzeugungen bilden.

So gesehen geht es in der Hypno – Dehypnotherapie darum, internale Rituale zu gestalten,
die das Konstruktive zum Inhalt haben.

Jenseits der Individualität

Jenseits der Individualität

 

Seit vielen Jahren führe ich ein Tagebuch, notiere wichtige Ereignisse, schreibe auf, was mich beschäftigt, denke Gedanken über den Tellerrand des Alltäglichen hinaus weiter, erkunde die emotionalen Auswirkungen des einen oder des anderen Gedankenganges …

Seit Jahren übe ich mich in der Praxis der Meditation, beobachte die Impulse meines Körpers und meiner Seele. Hin und wieder kommentiere ich, setze Bausteine gedanklich zusammen, stelle Fragen in mich hinein. Natalie Knapp hat diese Haltung wunderbar beschrieben, indem sie formulierte, dass es um die Fähigkeit geht, sich in den Bereich des aufmerksamen Nichtverstehens hinein zu entspannen.

Seit Jahren (mit all dem Selbsterfahrungs- und Therapie- Hintergrund) gehe ich aufmerksam und wachsam mit den eigenen Themen um und arbeite an mir.

 

Und doch … erlebe ich einen Mangel, den ich lange nicht fassen konnte.

 

Als junger Mensch hatte ich oft das Gefühl, dass ich nicht in diese Gesellschaft passe.

Ich fühlte mich wie ein Fremder im eigenen Land.

Tief in meiner Seele war ich ein Indianer, der (auf nicht nachvollziehbare Weise in die Fremde katapultiert) sich nach seiner Heimat sehnt, seinen angestammten Platz in seinem Stamm und seinem Dorf auf schmerzhafte Weise vermisst. Ich sehnte mich nach einem selbstverständlichen Zuhause, nach einem Angekommensein in einer Umgebung und bei Menschen, denen ich mich zugehörig fühle.

 

Dann kamen die Familienjahre: ich war Vater und Ehemann. Die Familie wurde meine Heimat.

Jetzt ist auch diese Phase vorbei: die Kinder sind längst erwachsen und führen ihr eigenes Leben; die Ehe bot kein stabiles Fundament, auf der man hätte Zukunft bauen können.

 

Jetzt bin ich also wieder an dem Punkt:

Ich fühle diese tiefe Sehnsucht nach einem ZUHAUSE, das mehr ist, als eine Adresse, bei der ich gemeldet bin, bei der ich meine Arbeit und meine Selbsthygiene verrichte.

Ich sehne mich nach Verbundenheit, nach Solidarität, nach synergetischem Austausch, nach einem öffentlichen Raum des miteinander Denkens, Fühlens und Handelns. Es fühlt sich so an, als hätte ich all das schon einmal gehabt und als wäre es verloren gegangen.

Wenn ich mit Freunden zusammen bin und wir eine spannende und bereichernde Zeit miteinander verbringen, spüre ich, dass das ein guter Anfang ist.

Aber dann geht jeder wieder in sein privates Umfeld zurück und der kreative Fluss ist unterbrochen.

 

Seit 25 Jahren arbeite ich mit Einzelpersonen und Paaren im psychotherapeutischen und supervisorischen Kontext. Die Arbeit ist nach wie vor spannend und bereichernd.

Menschen darin zu unterstützen, sich ihren persönlichen Themen zu stellen, Selbstakzeptanz und Selbstwert zu stärken, sich von den moralischen Postulaten einer restriktiven Erziehung zu befreien … all das ist lohnenswert, sinnvoll und wichtig.

Und doch hat diese Begleitung bei der Gestaltung persönlicher Entwicklungsprozesse immer mal wieder einen faden Geschmack: geht es doch letztendlich um Selbstoptimierung, um ein Mehr an Erfolg, um die Manifestierung eines persönlichen Glücks im Sinne einer Anhäufung von emotionalem Kapital im privaten Raum.

Mit dieser privaten Glückssuche wird eine Einsamkeit kompensiert, die ihre Ursache in einer sozialen und globalen Entfremdung hat.

Die Erde ist ein lebendiger Organismus und wir sind alle Teil davon, ohne uns bewusst zu sein, dass wir mit unserem Denken, Fühlen und Handeln auch eine Verantwortung für das Ganze tragen.

 

Wir schaffen derzeit, ganz im Konsens mit dem alles beherrschenden Konsumdenken und  analog zum geforderten permanenten Wirtschaftswachstum, eine Kultur der Selbstverherrlichung. Wir sollen wachsen und wachsen und wachsen, um immer besser und effektiver zu werden.

 

Ein wirtschaftlich gewünschter Effekt dieser privaten Glückssuche ist es, dass Gefühle jeglicher Couleur auf den Altären der medialen Vermarktung zelebriert und geopfert werden.

Gefühle sind zur Ware verkommen. Sie werden von den Werbestrategen der Industrie geschickt verkoppelt mit dem Erwerb von Produkten. Sind Gefühle auf diese Weise durch den Kauf von Produkten angeeignet worden, werden sie auf dem Marktplatz der Eitelkeiten zur Schau gestellt. Der Wert des Selbst steigt in dem Maße, wie die Identifikation mit dem Konsumverhalten wächst und er sinkt augenfällig, wenn die Produkte, deren Besitz Glück, Zufriedenheit, Freiheit usw. verheißen, für den sehnsüchtigen Konsumenten unerreichbar sind.

Die öffentliche Selbstdarstellung ist Teil des medialen Alltags geworden. Das „Performen“ und Posieren, das den Anschein von Stärke, Kompetenz und Durchsetzungskraft vermitteln soll, ist lediglich eine Marketing- Strategie. Was in der Welt der Waren zählt, ist eine den gesellschaftlichen Schablonen entsprechende attraktive Fassade. Und Fassade ist machbar, wenn wir uns nur genügend anstrengen und mehr Leistung zeigen als unsere Mitbewerber.

Ein amerikanischer Kollege hat einmal formuliert, dass wir immer mehr zu „Human Doings“ mutieren und vom „Human Being“ entfernen.

 

Und während die Wirtschaft wächst, und mit ihr der Anspruch, immer schöner, besser und erfolgreicher zu sein, zeigt sich mit einem Blick hinter die Fassade das wahre Ausmaß des Elends: die persönlichen emotionalen Abgründe aufgrund der konsequent betriebenen Entfremdung vom eigenen Selbst. Infolgedessen setzt sich die innere Realität – hinter der Fassade des wohlmeinenden Funktionierens – meist aus folgenden Aspekten zusammen:

 

  • Gefühle von Einsamkeit und Verlassen sein
  • Ein Erleben des Mangels an Zuwendung, Anerkennung und Liebe
  • Der Druck, die Erwartungen der Anderen und die Perfektheitsansprüche an sich selbst erfüllen zu müssen
  • Und über allem die Gefahr des Versagens und der daraus resultierenden Angst.

 

Immer mehr Menschen in den Industrieländern gelten als psychisch krank. Schätzungen gehen davon aus, dass mittlerweile jeder 3. erwachsene Bundesbürger irgendwelche chemischen Substanzen in Form von Pillen zu sich nimmt, um die inneren Qualen nicht mehr ertragen zu müssen. Die Devise lautet: bloß weg von diesem inneren Elend und hin zu den Fleischtöpfen der Hochglanzkultur. Die Industrie profitiert von dieser Haltung; mit dem Verkauf von Psychopharmaka werden Milliarden umgesetzt. Und die Ärzte und Psychiater zeigen einmal mehr, wie sehr sie im Dienste dieser Industrie stehen.

Obwohl ich seit 25 Jahren psychotherapeutisch arbeite, haut es mich immer wieder aus den Socken, wenn ich von Klienten höre, wie schnell und eilfertig Ärzte Antidepressiva verschreiben, ohne darüber zu informieren, wie sehr diese Mittel die Selbstregulierung des Organismus beeinflussen oder außer Kraft setzen und wie groß die Gefahr der Abhängigkeit ist.

Diese gängige Praxis hat zur Folge, dass jeder in seinem stillen Kämmerlein zu Hause oder in einer der zahlreichen Kliniken für „psychisch Kranke“ ganz individuell leiden kann.

Das Elend wird aus der Öffentlichkeit verbannt (es existiert dort lediglich noch in Form von Zahlen und Statistiken) und auf geschickte Weise individualisiert.

 

Dem Einzelnen, der vor sich hin leidet, und dadurch sowohl vom eigenen Selbst als auch von der Öffentlichkeit getrennt ist, wird der Status des „Index- Patienten“ abgesprochen.

Als solcher würde er nämlich sehr deutlich anzeigen, dass in dieser Gesellschaft und in dieser Welt vieles nicht in Ordnung ist.

 

Und genau das ist doch dringend notwendig:

dass das isolierte Leid als Symptom einer kranken Gesellschaft gesehen wird.

Würde man diese Erkenntnis zu Grunde legen, könnte man mit vereinten Kräften daran arbeiten, wie eine Gesellschaft jenseits von Umweltzerstörung, Konsumzwang und Statusgier beschaffen sein müsste, damit die Menschen sich als aktiven Teil wahrnehmen und sich in ihr wohl fühlen könnten.

Vieles wäre gewonnen, wenn das persönliche Leid in einen öffentlichen Raum gestellt werden würde, in dem man sich gegenseitig respektvoll zuhört und wohlwollend, unterstützend und solidarisch gewünschte Veränderungen erarbeiten kann. Voraussetzung für Veränderung ist die Akzeptanz dessen, was ist.

 

Ein Gesundungsprozess auf seelischer Ebene kann sich dann entwickeln, wenn das Getrenntsein vom eigenen Selbst und das Getrenntsein von der Welt als zusammenhängende Symptomatik erkannt wird. Aus dieser Erkenntnis entsteht dann womöglich der Wunsch, sich verbunden und zugehörig zu fühlen.

 

Psychotherapie kann einen sinnvollen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten, indem sie darin unterstützt, alte Denk- und Fühl- Muster, emotionale Abgründe, destruktive Zuschreibungen und Überzeugungen aufzuspüren, die Selbstregulierung in Bezug auf die Wahrnehmung und Realisierung eigener Bedürfnisse zu stärken und eine innere Stärke kennenzulernen, die aus einem liebevollen Kontakt zu sich selbst erwächst.

 

Darüber hinaus braucht die Seele auch Begegnung, damit sie heilen kann. Diese Begegnung muss nach Martin Buber eine „Ich-Du-Beziehung“ sein, die wertschätzenden und respektvollen Kontakt ermöglicht.

 

Ich plädiere hier für die Einrichtung von offenen, öffentlichen Räumen, in denen man gemeinsam und solidarisch die innerpsychischen, die gesellschaftlichen und die weltpolitischen Themen zusammenhängend im Lichte der Erkenntnis anschauen und bearbeiten kann.

Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist ein freier Geist, der sich von den einengenden Schablonen der Gesellschaft befreit hat und der die Dinge unvoreingenommen analytisch betrachten, durchdenken und sinnvolle Schlüsse ziehen kann.

 

In der indischen Philosophie werden 3 Stufen des Denkens beschrieben:

Die unterste Stufe, das Tama- Denken beinhaltet die Gedanken, die sich um die Erfüllung von Alltagsbedürfnissen drehen. Die 2. Stufe des Raja beschreibt ein Denken, das durch rastlose Suche, Unruhe und Getriebensein charakterisiert ist. Auf der 3. Stufe (Satva- Denken) geht es um ein tiefes Verständnis der Dinge aus einer Haltung der Klarheit und Ruhe heraus.

Die Grundlage für dieses Denken ist die Vernunft, die wahrnehmen und erkennen kann, die Fähigkeiten zu einer differenzierten Betrachtung und zur klaren Entscheidung hat und mit einem starken Willen gestalten kann.

Um diese 3. Stufe des Denkens geht es, wenn hier von einem freien Geist die Rede ist, der das innere und äußere Geschehen in einen sinnvollen Zusammenhang setzen, analysieren und auswerten kann. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollten dann ein klarer Gestaltungswille, eine Solidarisierung mit anderen Frei- Denkern und gemeinsam durchdachte Handlungsschritte erwachsen.

Um den Geist zu befähigen, ein FREIER GEIST zu werden, gibt es sicher viele Wege. Eines haben sie wahrscheinlich gemeinsam: es geht um eine innere friedliche Revolution … ein sich befreiender Geist, der sich erlaubt, über die Grenzen moralischer Vorgaben und stereotyper Denkmuster hinweg zu denken, so dass die nachweislich schädlichen Prägungen durch die Gesellschaft entlarvt, überarbeitet, verändert oder losgelassen werden können.

In der alternativen Szene gibt es 2 sich unterscheidende Haltungen: die Einen sind politisch aktiv, arbeiten engagiert für Menschen- und Tier- Rechte, ziehen in ihrem eigenen Verhalten Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen und gehen nach draußen, um Missstände offen zu legen. Die Anderen haben sich der Befreiung der Gefühle gewidmet und sich in Schönfühl- Nischen eingerichtet, leben „gesund“ und mit sich im Einklang.

Beide Bestrebungen enthalten wichtige Aspekte von Autonomie und Gestaltung von Freiräumen.

Wenn diese beiden Seiten koordiniert werden durch eine innere Instanz, die reflektiv sowohl die inneren als auch die äußeren Prozesse durchdringt, Zusammenhänge herstellt und verbindet, kann daraus eine Kraft entstehen, die eine nicht zu übersehende Wirkung in der Welt haben wird.

 

Auf diese Weise kann die Welt zu einer besseren gemacht werden. Und gleichzeitig werden 2 elementare menschliche Grundbedürfnisse erfüllt:

das Bedürfnis nach persönlicher Reifung und Ich- Werdung und das Bedürfnis nach Verbundenheit und Zugehörigkeit.

Beide Elemente verharren in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation in einem Zustand der Unerfülltheit oder befinden sich in einem Spannungsfeld, in dem sie sich nahezu gegenseitig ausschließen. Oft habe ich von Klienten gehört:

 

  • ich darf nicht so sein, wie ich bin
  • Wenn ich mich so zeige, wie ich bin, werde ich nicht geliebt
  • Um Zuwendung, Anerkennung und Liebe zu bekommen, muss ich so sein, wie die Anderen mich haben wollen
  • Ich muss die Erwartungen der Anderen erfüllen
  • Ich muss eine Rolle spielen, damit ich mich zugehörig fühlen kann

 

Das entspricht dem Bild eines brav konsumierenden, genormten, ängstlichen und sich ständig kontrollierenden Bürgers, der seine angepasste Fassade pflegt, sein wahres Selbst aber entweder gar nicht kennt oder glaubt, es versteckt halten zu müssen.

 

Der von sich selbst entfremdete Mensch ist das ideale Zielobjekt für die Aufrechterhaltung der Wachstumsideologie und für die Gier der Profitmaximierer.

Die Selbstdarstellungs- und Fassaden- Kultur fängt die Menschen mit einem Überangebot an Ersatzbefriedigungen und Wellness- Versprechen.

Allerdings hat die Selbstverleugnung bzw. die Flucht in die Erwartungen der Anderen ihren Preis: der Körper rebelliert und die Seele rebelliert.

Aber das System ist pfiffig: denn schon warten die Angebote der Medizin und Pharmaindustrie auf ihren Einsatz.

Nur ein geringer Teil der Menschen, die sich für einen therapeutischen Prozess entscheiden, nähern sich schrittweise der Erkenntnis an, wie groß das Ausmaß der Selbstverleugnung ist. Denn auch die gängigen Therapieangebote sind Teil des Systems …

Wer sich einlässt, steht dann meist vor schmerzhaften Erfahrungen und Ängsten. Da ist die Verführung wieder sehr groß, doch lieber eine Glückspille einzuwerfen, anstatt sich dem Schmerz zu stellen.

Und wer sich ohne Pille einlässt, wird merken, dass substanzielle Bedürfnisse lange nicht mehr wahrgenommen wurden. Danach kann die Arbeit und die kritische Auseinandersetzung mit den einschränkenden Prägungen aus Familie und Gesellschaft erfolgen.

 

Für eine fundamentale Neuorientierung sind 2 Aspekte wichtig …, dass persönliche Reifung und Gefühle tiefer Verbundenheit Hand in Hand gehen und sich in einer Atmosphäre von Vertrauen, Transparenz und Offenheit gegenseitig befruchten.

 

Ein weiterführender Schritt wäre die Einrichtung von Gemeinschaften des Zusammenlebens, die eine gewisse psychische und soziale Autarkie entwickeln.

Solche Gemeinschaften könnten dem Einzelnen vielseitige Möglichkeiten zu Kontakt, Austausch  und schöpferischer Verwirklichung bieten, reale Heilungsmöglichkeiten für die innere Ökologie der menschlichen Beziehungen schaffen und solidarisches Handeln nach außen zeigen.

Die Bedeutung der Kommunikation

Die Bedeutung der Kommunikation in menschlichen Systemen

 

Indem Menschen miteinander Kommunizieren, stellen sie durch den Austausch von Informationen Beziehung her.

In menschlichen Beziehungen geht es darum, Freiräume für das Teilen und Entwickeln von Gedanken, Visionen und Gefühlen zu schaffen, in denen respektvolle und wertschätzende Begegnung und Erweiterung der persönlichen Horizonte stattfinden kann.

 

Das aus dem lateinischen stammende Wort communicare bedeutet:

teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen.

Mit dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Handlung in einem sozialen System gemeint,

in dem Menschen miteinander interagieren. Wesentliche Aspekte dieser sozialen Handlung sind zum einen Anregung durch Signalsetzung und zum anderen Teilhabe. Aus beidem kann etwas Gemeinsames entstehen. (lateinisch communio: „Gemeinschaft“, communis: „gemeinsam“).

 

Ein soziales System setzt sich aus Personen zusammen, die durch eine spezifische Interaktion miteinander in Beziehung treten und auf diese Weise soziale Strukturen und Gruppen- Dynamik schaffen. Diese Dynamik in der Beziehungsgestaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Persönlichkeit.

Je nach Qualität und Ausrichtung der Beziehungen und zirkulären Verknüpfungen entstehen aus dieser Dynamik positive oder negative Regelkreise, die das System entweder in sei­ner

Wei­terentwicklung fördern oder behindern.

Wertehaltungen und Überzeugungen, die Menschen im Verlauf ihrer Sozialisation entwickeln, sind hierfür Gestaltungs- und Lenkungs- Mittel.

Lenkungsvorgänge sind Prozesse der Informationsaufnahme, -verar­bei­tung und -übermittlung.

Ein menschliches System ist jederzeit entwicklungsfähig: wenn es den beteiligten Personen gelingt,

  • ihre persönlichen Potentiale zu entwickeln, zu kommunizieren und für das Gemeinwesen (das System) nutzbringend zu realisieren
  • offen für die Haltungen anderer zu sein
  • flexibel mit den unterschiedlichen Standpunkten umzugehen
  • geschaffene bzw. bereits vorhandene Strukturen zu reflektieren
  • aktiv an der Entstehung eines gemeinsamen Lernfeldes mitzuwirken

Kein Mensch ist allein auf dieser Welt: Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster haben in menschlichen Systemen eine ordnungsgebende Funktion. Andererseits werden dem einzelnen Mitglied durch die Strukturen, die sich entwickelt haben, Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster „angeboten“, die unterstützend oder einschränkend wirken können.

 

Kommunikation ist also kein linearer Prozess, sondern Teil eines zirkulären Geschehens, das getragen ist durch die Wechselwirkung in Beziehungen.

 

Was wird nun eigentlich kommuniziert ? … allgemein geantwortet: das, was Menschen wahrnehmen:

 

  • die äußere Welt in Form von Personen, Dingen, Orten, Informationen, Ereignisse
  • die innere Welt in Form von Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen, Erfahrungen

 

In Bezug auf die Wahrnehmung der äußeren Welt hat man früher geglaubt, Menschen könnten das, was sie im Außen beobachten, innerlich 1 zu 1 abbilden.

Jedoch ist diese Annahme, dass es eine objektive Art der Beobachtung und eine objektive Wirklichkeit gibt, wissenschaftlich nicht haltbar. Das wusste im Grunde schon der Grieche Epiktet, als er vor mehr als 2000 Jahren formulierte:

 

Erfahrung ist nicht das, was mit einem Menschen geschieht.
Sie ist das, was ein Mensch aus dem macht, was mit ihm geschieht, und wie er das Geschehene bewertet.

 

Gerhard Roth, ein namhafter Hirnforscher der Gegenwart formuliert neurobiologisch:

 

Die Sinnesorgane übersetzen die ungeheure Vielfalt der Welt in die ‘Einheitssprache’ der bioelektrischen Ereignisse. Bei diesem Übersetzungsprozess geht das “Original” verloren.

Die “Sprache” des Nervensystems selbst ist bedeutungsneutral.

Weil aber im Gehirn der signalverarbeitende und der bedeutungserzeugende Teil eins sind, können die Signale nur das bedeuten, was entsprechende Gehirnteile ihnen an Bedeutung zuweisen: Wahrnehmung ist Interpretation, ist Bedeutungszuweisung.

 

Gerade in sozialen Kontexten schafft die persönliche Bewertung und Bedeutungsgebung eine subjektive Wirklichkeit. Wahrnehmung ist also immer Ausdruck einer subjektiven Selbstkonstruktion oder anders ausgedrückt: Wahrnehmung ist das, was man als Beobachter auf ganz persönliche Weise als wahr annimmt.

Die Grundlage für Interpretation und Bewertung sind die biographischen Erfahrungen.

Aus diesen Erfahrungen und deren Interpretation bilden sich innere Haltungen in Form von Denk- und Fühl- Mustern, Werten und Überzeugungen heraus, die wiederum die Grundlage für spätere Interpretationen bilden.

 

Was bedeutet das nun für Kommunikationsprozesse ?

Wenn ich das, was mich innerlich beschäftigt (meine Gedanken, Gefühle, Vorstellungen …) in Worte fasse, so geschieht das auf der Grundlage der in meinem Leben lerngeschichtlich geprägten Muster. Diese Muster beinhalten meine persönlichen Erfahrungen und wie ich diese Erfahrungen emotional und gedanklich ausgewertet und welche Handlungs- Konsequenzen ich daraus abgeleitet habe.

Wenn ich das in Worte fasse, was ich in der Außenwelt wahrnehme, formuliere ich meine persönliche Sichtweise, basierend auf meinen persönlichen Überzeugungen und Wertehaltungen.

Vor vielen Jahren hab ich zufällig im Fernseher eines der letzten Interviews mit Ruth Cohn (Psychoanalytikerin und Begründerin der Themenzentrierten Interaktion) gesehen. Sie wurde gefragt, was denn die Essenz aus ihrer jahrzehntelangen therapeutischen und gruppenpädagogischen Arbeit mit Menschen sei.

Frau Cohn überlegte einen Moment und antwortete dreigeteilt; sie sagte:

  • alle Menschen sind gleich … (wenn man über Jahrzehnte mit 1000en Klienten gearbeitet hat, stellt man fest, dass es ein Repertoire an menschlichen Themen gibt und dass diese Themen sich wiederholen)
  • alle Menschen sind verschieden … (obwohl sich die Themen und die Sozialisationsprozesse ähneln, unterscheiden sich die Ausprägungen und deren Konsequenzen auf sehr persönliche Weise)
  • alle Menschen sind gleich und verschieden zugleich

Es verbindet ungemein, auf einen Menschen zu treffen, der ähnliche Werte und Überzeugungen vertritt und mit dem man Erfahrungen teilen kann.

2 menschliche Grundbedürfnisse werden dadurch gleichzeitig erfüllt:

zum einen erzeugt der Gleichklang ein Gefühl der Zugehörigkeit,

und zum anderen kann man sich in seiner individuellen Art verstanden fühlen.

Doch mögen die Gemeinsamkeiten noch so groß sein (wir nutzen ja schließlich auch eine gemeinsame Sprache …), auch die Unterschiede liegen auf der Hand.

Nehmen wir als Beispiel die Begriffe „Freiheit“ und „Glück“. Jeder kennt die Worte, aber die Bedeutungszuweisung und die Assoziationen werden wohl sehr verschieden sein.

 

Somit bin ich bei einem weiteren wichtigen Merkmal von Kommunikation angekommen:

Unterschiedsbildung ist ein zentrales Werkzeug zum Bewerten und Interpretieren von Dingen, Ereignissen und Informationen.

Unterschiede kontrastieren Gegensätze.

Im Spannungsfeld der Unterschiede entsteht ein Spektrum von Entwicklungs- Möglichkeiten, oder anders formuliert: im kommunikativen Austausch lernen wir voneinander, indem wir uns in den Gemeinsamkeiten bestärken, gemeinsame Ideen, Visionen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Und wir lernen voneinander, indem wir, was die Unterschiede betrifft, uns gegenseitig respektvoll zuhören (wozu auch ein Unterbrechen gehören kann anstatt Interesse vorzutäuschen) und uns vom Gesprächspartner und von seinen Gedanken und Sichtweisen inspirieren lassen. So kann in der Kommunikation ein einfühlsames Geben und Nehmen entstehen. Und der Kommunikationsprozess kann gleichermaßen genutzt werden, um sich in Authentizität (einem ehrlichen und klaren Ausdruck), Respekt und Mitgefühl zu üben.

 

In hierarchischen Gesellschaften kann man oft eine Art der Kommunikation beobachten, die

  • Eigenverantwortung leugnet
  • auf Fehlverhalten der Anderen fokussiert
  • moralisch urteilt und Vorwürfe macht
  • das eigene Denken für unumstößlich wahr und allgemeingültig hält.

 

Eine mehr lebensfördernde und respektvolle Art der Kommunikation ist getragen von persönlicher Präsenz und Verantwortungsbewusstsein und achtet die Werte, Gefühle und Bedürfnisse der Anderen.

 

Die bewusste Wahrnehmung des ICH und des DU ist eine wichtige Voraussetzung.

Jeder hat seinen Freiraum, den er/sie nutzen kann, den eigenen Impulsen zu folgen, das mitzuteilen, was gerade beschäftigt oder innerlich in Arbeit ist.

Aus dem Austausch über ein THEMA kann etwas Verbindendes, ein WIR entstehen.

Und all das (ICH, DU, WIR und das THEMA) ist eingebettet in das Wissen, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen, einer WELT sind, zu deren Gelingen oder Scheitern wir beitragen können.

 

Und es lohnt sich, über all diese Aspekte zu sprechen, sich auszutauschen und sich zu vernetzen.

 

Denn ein Text ohne einen Leser hat keine Bedeutung; erst die Beziehung zwischen einem Text und seinen Lesern lässt Bedeutung entstehen.

Grundlegende Haltungen und Methoden

Grundlegende Haltungen und Methoden

 

 

Zu einer grundlegenden Haltung im Umgang mit NLPt gehört selbstverständlich, dass ein Therapeut Rapportfähigkeiten nutzt, um einen verständnisvollen und liebevollen Kontakt zum Klienten zu initiieren.

Voraussetzung hierfür ist ein gesundes, wohltuendes „Eigenpacing“. (s.o.)

 

Ein Angleichen (Pacing) an die subjektiven Realitätskonstruktionen des Klienten hat folgende Aspekte:

  • die Achtung und Akzeptanz des Klienten in seinem So – sein
  • die Würdigung des Status Quo (der aktuellen Situation)
  • das aktive Zuhören bei der Beschreibung von Problem – und Zielkomponenten
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von analogen körpersprachlichen Botschaften (Augenbewegungen, Gesten, Mimik usw.)
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von sinnesspezifischen Inhalten in der Sprache
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von formulierten Identitätsaussagen, Überzeugungen, Werten, Fähigkeiten und Verhaltensweisen
  • Das Stellen von offenen Fragen aus einer neugierigen Forscherhaltung heraus

Aus den formulierten Aufträgen des Klienten ergeben sich in einem behutsamen und transparenten Abstimmungsprozess die therapeutischen Angebote.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Begriff des „Leading“ hier ganz bewusst vermieden wird, weil er, wie ich finde, allzu sehr an direktiv – manipulative Praktiken erinnert.

Durch die NLP – Grundausbildungen ist der Therapeut geschult und erfahren im Umgang mit sprachlichen Formulierungen.
Er ist in der Lage, tilgende, generalisierende und verzerrende Äußerungen zu erkennen und zu hinterfragen.

 

Das Meta – Modell ist eine Sammlung von „klugen Fragen“.
Durch offenes Fragen wird dem Klienten die Möglichkeit eröffnet, Sprache wieder mit Erfahrung zu verbinden.

  • Das Meta-Modell ist ein hervorragendes Werkzeug, um
  • sinnlich konkrete Informationen zu sammeln von Ressource – und Problemaspekten,
  • hypnotisch wirkende Botschaften zu hinterfragen,
  • Bedeutungen zu klären,
  • Wahlmöglichkeiten zu erkunden.

Aus dem systemischen Denken weiß man, dass Verhaltensweisen und Symptome nicht nur als im Menschen ablaufende
Ereignisse zu sehen sind, sondern, dass sie immer auch eine Funktion in den wechselseitigen Beziehungsdefinitionen haben.

 

Das Zirkuläre Fragen ist hilfreich, um

  • Informationen über Beziehungsmuster zu sammeln,
  • Ideen über die Logik der Beziehungsdynamik und die bestehenden
    Spielregeln zu entwickeln

und ist eine hervorragende Ergänzung, um jenseits der Konkretisierung von subjektivem Erleben, Informationen über die
Auswirkungen und Reaktionen auf Verhaltensänderungen zu sammeln und die systemisch wirksamen Realitätskonstruktionen
in den therapeutischen Prozess einzubinden.

Gleichzeitig sorgt diese Einbindung für eine Transparenz der individuellen Landkarten in Bezug auf bestehende Überzeugungen, Werte, Meta – Programme usw.

Fragen dienen im therapeutischen Kontext als Werkzeug zum Sammeln von Informationen und gleichzeitig als Interventionsinstrument im Sinne einer Fokussierung der Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung.

Dieser zweite Aspekt gilt insbesondere für alle Arten von Hypothetischen Fragen.
Der Klient wird zu Gedankenexperimenten eingeladen, um bestimmte Optionen durchzuspielen und zu erproben.

Zudem dienen hypothetische Fragen und deren Antworten im Sinne von neuen Ursache – Wirkungs – Konstruktionen dazu,
alte Muster zu unterbrechen und eine gewünschte Realität zu gestalten.

 

Im Öko – Check, sei es im Zuge eines Future – pacing oder im Zuge eines Past – pacing werden hypothetische Fragen genutzt, um Vor – und Nachteile von Verhaltens-, Denk- und Fühlweisen zu klären,
mögliche Auswirkungen von Veränderungen zu erforschen (was würde passieren ,wenn …) und Assoziation in gewünschtes Erleben zu ermöglichen.

 

Bei der Ziel- und Lösungsfokussierung sind hypothetische Fragen hilfreich, um Erfahrungswerte im Rahmen eines „so tun als ob“ zu sammeln:

Stell dir vor … (oder angenommen …)

  • Dein Problem wäre gelöst …
  • du hättest dein Ziel bereits erreicht …
  • ein Wunder würde geschehen …
  • es gäbe eine Wunschmaschine …
  • eine Zauberfee gäbe dir die Möglichkeit …
  • es gäbe einen Test, der beweisen würde …

Woran würdest du merken … ?
Woran würden Andere merken … ?

 

Eine weitere Frageform sei hier kurz erwähnt: das dichotome Fragen:
Durch das Anbieten 2er oder mehrerer Alternativen wird der Klient im Rahmen von kreativen Such – und Finde – Prozessen angeregt,
seine innere Weisheit für eine hilfreiche Antwort zu nutzen.

 

 

Das Umkehrmodell des Meta – Modells ist das Miltonmodell der Sprache:
Durch die bewusste Nutzung von Tilgungen, Verallgemeinerungen und Verzerrungen in einem eher unspezifischen Sprachgerüst werden dem Klienten permissive Angebote auf der Prozessebene gemacht.

Die konkreten Inhalte des Erlebens wählt der Klient aus seiner eigenen
Erfahrungswelt.
Die Verwendung von Prozesssprache induziert und verstärkt Trance – Zustände, und unterstützt den Klienten dabei, eigene Ressourcen, ungenutzte Potentiale und Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

 

Die Definition von Trance – Phänomenen und hypnotischen Zuständen ist in der modernen Hypnotherapie und in der NLPt recht weit gefasst.

So geht man davon aus, dass alle Arten von Interpretationen und Bewertungen von Erfahrungen (sowohl gedankliche als auch emotionale Bewertungen) im Sinne von Eigensuggestionen trance – induzierend wirken.

Gemeinsame charakteristische Merkmale von Trance – Zuständen sind:

  • fokussierte Aufmerksamkeit
  • unwillkürliches Erleben („Es geschieht“ anstatt „Ich mache“)
  • Assoziation

Problemzustände werden von Klienten häufig so beschrieben, dass unwillkürliche Prozesse ablaufen, die sich den Steuerungsversuchen des Bewusstseins eher entziehen.

Es gibt also Trance – Zustände, die eher hilfreich sind im Sinne einer Aktivierung eigener Kompetenzen, und Trance – Zustände, die eher einschränken.

 

Man spricht auch von Lösungstrancen und Problemtrancen.
Die therapeutische Zielrichtung lautet hier:

  • De – hypnotisierung im Falle einer Problem – Trance (Dissoziation)
  • Induktion und Vertiefung im Falle einer ressourcevollen Lösungstrance (Assoziation)

Zum Grundhandwerkszeug des NLP – Therapeuten gehört es, dem Klienten angesichts von Problemtrancen
(und dies gilt vor allem in Bezug auf traumatische Erfahrungen, Phobien, und alle Arten von Angst-, Stress- und Schmerzsymptomatik) Dissoziation anzubieten.

 

 

Dissoziation ermöglicht es dem Klienten,

Sich selbst in dem gegenwärtigen Erfahrungskontext von außen zu betrachten

Überblick über das Geschehen zu bekommen

Das Geschehen aus einer anderen Perspektive zu reflektieren und angemessen zu bewerten

  • Missverständnisse zu klären
  • miteinander verknüpfte Reize zu entkoppeln (z.B. werden bei Phobien visuell – kinästhetische Verknüpfungen entkoppelt)

 

Assoziation ist immer dann sinnvoll, wenn es um ressourcevolles, bzw. gewünschtes Erleben geht.

Eine therapeutische Methode, die sich an Lösungen orientiert, zielt gerade angesichts von „Problemtrancen“ darauf ab,
Ausnahmen vom Problemerleben im Sinne einer Aktivierung von Kompetenzmustern erlebbar zu machen und diese mit
physiologischen Parametern zu verknüpfen. (Anker)

Es hat sich als sinnvoll und hilfreich erwiesen, die Kommunikation mit dem Klienten auf 2 Ebenen zu führen:

  • auf der Ebene des bewussten Verstandes und
  • auf der Ebene unwillkürlicher Kompetenz

Der bewusste Verstand kann an einem Entwicklungsprozess beobachtend und reflektierend beteiligt sein, während auf der Ebene des unwillkürlichen oder intuitiven Wissens bestimmte Prozesse in Gang gesetzt werden, die den Klienten dabei unterstützen, Ressourcen und Kompetenzen für eine gute Lösung zu aktivieren.

 

 

Arbeit mit einschränkenden Überzeugungen

Überzeugungen sind Teil der persönlichen inneren Landkarten eines Menschen und im therapeutischen Kontext zu verstehen als persönliche Bedeutungsgebung bzw. generalisierte Interpretation von Erfahrung, die das Verhalten, Denken und Fühlen bestimmt.

Einschränkende Überzeugungen werden von Klienten meistens formuliert als

  • Ursache – Wirkungs – Zusammenhänge oder komplexe Äquivalenzen,
    in denen verschiedene Einzelaspekte auf spezifische, komplexe Weise miteinander verknüpft sind.
  • Glaubenssysteme und Zuschreibungen von wichtigen Bezugspersonen, die im Verlauf der Sozialisation als Botschaften über sich selbst und die Welt gelernt und verinnerlicht wurden, und in ihrer negativen Wirkung Verunsicherung und Selbstabwertung zur Folge haben.

Überzeugungen sind nicht auf Logik aufgebaut, sondern auf konkreten Erlebnissen.
Prägende Erlebnisse können in der NLPt – Arbeit im Sinne einer De – Hypnotisierung aufgedeckt, analysiert und zu einer Lösung hin entwickelt werden.

In der NLPt gibt es eine ganze Sammlung von effektiven Methoden zur Ausbalancierung von negativ wirkenden Bewertungen (meist kinästhetischer Art) von früheren Erfahrungen und Traumata, genannt Re-imprinting.

 

 

Reparenting, assoziierte und dissoziierte Zeitlinienarbeit, sind nur einige Möglichkeiten aus einem großen Repertoire,
die therapeutisch genutzt werden, um Themen auf eine wertschätzende (und auch die Geschichte des Klienten wertschätzende) Art ressourcevoll aufzuarbeiten und in eine Lösungsrichtung zu entwickeln.

Zur persönlichen Geschichte des Klienten gehört neben dem aktuellen sozialen Kontext auch seine Herkunftsfamilie.
Ist nun das Thema so beschaffen, dass eine Leid erzeugende Familienstruktur prägend bis in die Gegenwart wirkt, so ist es auch sinnvoll, die Logik der systemischen Dynamik zu verstehen und in den Prozess einzubinden.

Menschen, die unter vergangenen Ereignissen leiden, regredieren oft spontan in frühere Lebensphasen.
Diese Spontanregression des Klienten kann mit Hilfe der kinästhetischen Anker utilisiert werden, um die Orientierung auf das Grundgefühl, das mit dem Problem verbunden ist, zu ermöglichen.

Ein reichhaltiges Repertoire steht hier für die Bearbeitung systemischer Konstellationen zur Verfügung:

  • Klassische Skulpturarbeit (Virginia Satir)
  • verschiedene Formen der Familienrekonstruktion
  • Strukturaufstellungen mit Repräsentanten
  • Kreative Arbeit mit Raumankern, Gegenständen, Symbolen
  • Hypnosystemisches Arbeiten

Wie schon erwähnt, lernen Menschen im Zuge der Reifung ihrer Identität im Rahmen eines Sozialisationsprozesses Überzeugungen,
Einstellungen, Verhaltensweisen von wichtigen Bezugspersonen. Man kann folglich annehmen, dass sich durch den Vorgang der
Internalisierung Instanzen bilden, die ihren spezifischen Platz in der inneren Psychogeographie einnehmen.

 

 

Das Modell der inneren Persönlichkeitsanteile zeichnet sich in der NLPt allerdings im Gegensatz zu anderen therapeutischen Disziplinen durch eine offene Architektur aus, die ohne festgelegte und vorbestimmte Ich – Zustände auskommt.

Therapeutisch sinnvoll ist oft die Externalisierung von internalen Instanzen im Rahmen eines kreativen Entwicklungsprozesses.
Strukturaufstellungen, die Arbeit mit Raumankern, Gegenständen und Symbolen, hat sich im Umgang mit inneren Systemen als ebenso
hilfreich erwiesen wie im Umgang mit äußeren Systemen.

 

Die Grundstruktur des Verhandlungsreframings erlaubt es dem Klienten, innere Konflikte (zwischen sich bekämpfenden Instanzen) auf eine beide Seiten würdigende Weise zu lösen.
Ein wichtiges Element in diesem Lösungsprozess ist die Würdigung der positiven Absichten (für das Gesamtsystem) beider Seiten.

 

Innere Landkarten bilden nicht nur die individuellen Überzeugungen und Einstellungen von wichtigen Personen ab, sondern auch die Interaktionsmuster im System und die entsprechenden Metaprogramme.

Metaprogramme sind dichotome Muster der Wahrnehmung und Informations- verarbeitung, die als einflussreiche Determinanten der Persönlichkeit Orientierung in der Welt ermöglichen.

Metaprogramme stellen ein Bindeglied zwischen den Logischen Ebenen Glauben/Werte – Fähigkeiten und Glauben/Werte – Identität dar.

Die Strukturierung von Meta – Programmen basiert auf den Untersuchungen C.G. Jungs zu den psychologischen Typen.

Die NLPtherapeutische Zielrichtung ist hier die Ausbalancierung einseitiger Programmierungen, bzw. die Entwicklung in die eher vernachlässigte Richtung, z.B.

  • von WEG VON (Problem) zu HIN ZU (Ziel, Lösung)
  • von NOTWENDIG (Zwänge, Druck, Stress) zu MÖGLICH (Wahlfreiheit)
  • von ENTWEDER – ODER zu SOWOHL ALS AUCH
  • von STATISCH zu BEWEGLICH, usw.

so dass durch die Balancierung dem Klienten wieder Wahlmöglichkeiten im Denken, Fühlen und Handeln zugänglich werden.

 

Mit inneren Wahrnehmungsbausteinen befasst sich auch die NLPt – Strategiearbeit.

 

Innere Strategien sind beschrieben als mentale Erfahrungsketten, die meist auf einer unbewussten Ebene ablaufen.
Durch den Vorgang des Elicitierens im Rahmen eines Interviews (s. auch oben: 2 Ebenen – Kommunikation) wird eine geordnete Reihenfolge der Aktivität der Repräsentationssysteme deutlich.

Entpuppt sich eine Strategie als Problemstrategie, so geht es darum, herauszufinden, welche Veränderungen gewünscht sind,
und wie diese ökologisch vertretbar integriert werden können.

Es sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass eine Problemstruktur ein vielleicht über Jahre und Jahrzehnte hin eingeübtes Muster ist, das als „Fähigkeit“ auch Würdigung braucht.

 

So gilt beim Verändern von Problemstrategien in Lösungsstrategien die einfache Grundformel: so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

NLPt befasst sich mit den individuellen und systemischen Konstruktionen der Realität.
Und hierbei wird von einer großen Kompetenz in Bezug auf Gestaltungsmöglichkeiten und Veränderungspotentiale beim Klienten ausgegangen.

„Alle Ressourcen für Veränderung sind bereits vorhanden“, lautet ein wichtiger NLPt – Grundsatz.

Therapeutisches Know how unterstützt den Klienten bei einer sinnvollen Neustrukturierung von Erfahrungs- und Wahrnehmungselementen auf einer sinnesspezifischen und sinnes – submodalen Ebene und initiiert einen aktiven, lebendigen Lernprozess, der eine Lösung zum Ziel hat, die für den Klienten anstrebenswert und auch realisierbar ist.

Da Menschen vor allem durch Erfahrung lernen, ist es das Ziel jeglicher NLPt – Arbeit, Lösungen erlebbar zu machen.

Zur Aufgabe des Therapeuten gehört es, entsprechende Rituale anzubieten, die dies ermöglichen und das Konstruktive zum Inhalt haben.

Vertrauensverhältnis

Vertrauensverhältnis

 

Um zu einer Atmosphäre des Vertrauens beizutragen, braucht der Therapeut eine offene und ehrliche Haltung, die auch den Klienten dazu einlädt, seine Themen auf transparente Weise zu erforschen und zu bearbeiten.

 

Jeder Mensch hat ein eigenes Modell der Welt, seine eigenen inneren Landkarten, mit Hilfe derer er den Ereignissen Bedeutung gibt.

So lautet eine der zentralen Grundannahmen der NLPt.
Zum Wahrnehmen der subjektiven Landkarten des Klienten braucht der Therapeut offene Sinneskanäle und ein hohes Maß an wertschätzender Aufmerksamkeit und Wachsamkeit.

 

Der Therapeut trägt die Verantwortung für seine Person und für sein Befinden.
Eine wache und einfühlsame Haltung gegenüber anderen Menschen setzt voraus, dass man mit sich selbst in gutem Kontakt ist. (Eigenpacing)
Um dies zu gewährleisten, ist es seine ethische Pflicht, Methoden der Persönlichkeitsentwicklung auch auf seine eigene Person anzuwenden, Reflexion und Supervision seiner therapeutischen Arbeit für sich in Anspruch zu nehmen.

Eigene Selbsterfahrung und – erforschung ist hier keineswegs zu verstehen als eine Sache, die man irgendwann einmal im Rahmen einer Selbsterfahrungsgruppe absolviert hat, sondern ein lebenslanger lebendiger Entwicklungsprozess.

Auftragsklärung

Auftragsklärung

 

NLPt – Prozesse sind orientiert an den Wünschen und Zielen des Klienten.
Das setzt beim Therapeuten eine akzeptierende und unterstützende Grundhaltung voraus.

 

Da in einem lebendig fließenden Prozess die Dinge sich schnell verändern können, geht es darum, bereits formulierte Ziele immer wieder neu zu justieren, zu verfeinern oder gegebenenfalls zu verändern.
Auf der Seite des Therapeuten besteht eine große Verantwortung, seine Interventionsangebote an den beobachtbaren und den gewünschten Veränderungen des Klienten auszurichten.

Der Kontakt zwischen Therapeut und Klient

Der Kontakt zwischen Therapeut und Klient

 

In früheren Zeiten hat man geglaubt, dass eine der entscheidenden Aufgaben des Therapeuten darin bestünde, den Klienten oder das Klientensystem von außen zu beobachten und aus dieser Außenposition heraus Steuerungs- und Regulierungsfunktion für Entwicklungsprozesse zu übernehmen.

 

Die Haltung des Therapeuten sollte eine möglichst „objektive“ sein.
Seit Bateson und der „Kybernetik 2er Ordnung“ weiß man, dass dies zwar eine gutgemeinte, aber illusorische Denkweise ist.
Gerade in der NLPt, die ihre geistigen Wurzeln in einem ganzheitlich – systemischen und sozialkonstruktivistischen Denken hat, geht man selbstverständlich davon aus, dass der Therapeut inclusive all seiner Erkenntnismöglichkeiten Teil eines therapeutischen Kontextes ist.

Umgang mit NLP- Formaten

Umgang mit NLP- Formaten

 

Die Formate des NLP (Zielbestimmung, Reframing, Timeline – Prozesse usw.) sind in ihrer strukturellen Beschaffenheit eher geradlinig.
Therapeutische Prozesse verlaufen aufgrund einer möglicherweise recht komplexen inhaltlichen Beschaffenheit der zu bearbeitenden Themen eher weniger geradlinig.
Es braucht also eine große Flexibilität beim Therapeuten in der Handhabung der methodischen Bausteine, um dem Klienten und seinem Anliegen gerecht zu werden.
Zur Qualität der therapeutischen Arbeit gehört unabdingbar ein reichhaltiger Erfahrungsschatz und ein spezifisches Zusammenspiel von bewusster und intuitiver Kompetenz – sowohl inhaltlich – fachlich, als auch sozial und persönlich – auf Seiten des Therapeuten.

Grundsätze des NLP

Einige Grundsätze des NLP

 

  • Die Landkarte ist nicht das Gebiet

Die Welt in der wir leben, wird von jedem Menschen auf ganz individuelle Weise wahr genommen. Jeder Mensch als einzigartiges Wesen ist wie ein eigenes Universum und hat ein eigenes Modell von der Welt. Das Verhalten eines Menschen richtet sich nach seinem internen Modell von der Welt, und nicht danach, wie die äußere Realität beschaffen ist.
Diese innere Abbildung der Realität wird im NLP metaphorisch „innere Landkarte“ genannt. NLP ist die Kunst, innere Landkarten zu erkennen, zu würdigen und den jeweiligen Wünschen und Zielen der Person entsprechend zu erweitern.

  • Geist und Körper beeinflussen sich wechselseitig

Geist und Körper sind Teile des gleichen kybernetischen Systems.
Was mental geschieht, zeigt sich auch körperlich. Innere Befindlichkeiten drücken sich physisch aus. Manchmal ist dieser Ausdruck offensichtlich, und manchmal nur an kleinen Veränderungen wahrnehmbar.
Im NLP trainieren wir unsere Wahrnehmungsfähigkeiten, um die Physiologie eines anderen Menschen aufmerksam beobachten zu können, und auch feinste Veränderungen zu bemerken.

  • Wir können nicht nicht kommunizieren

Dieser Satz stammt von Paul Watzlawik. Wir beeinflussen die Welt, in der wir leben, mit allem, was wir tun oder was wir nicht tun.
Selbst in gegenseitiger Ignoranz verbergen sich Botschaften, die vielleicht signalisieren:
„Ich will in Ruhe gelassen werden“ oder „Ich hab keine Zeit“ oder ähnliches. Derartige Signale wirken meist unterschwellig.
Es ist gut zu wissen, daß wir alle ständig körpersprachliche Signale aussenden, die von anderen Menschen gemäß ihrer inneren Landkarte interpretiert werden. Hierbei wird die „Richtigkeit“ der eigenen Interpretation vollständig außer Acht gelassen.
Individuelle Lernprozesse in unserer persönlichen Geschichte sorgen dafür, daß wir den Dingen um uns herum eine bestimmte Bedeutung geben, indem wir unsere Wahr-nehmung unbewußt filtern.

  • Je mehr Wahlmöglichkeiten uns zur Verfügung stehen, desto größer ist unsere Flexibilität

Flexibel zu sein in unterschiedlichen Situationen heißt, daß wir in unserem Verhaltens-repertoire Möglichkeiten haben, angemessen reagieren zu können.
„Wenn das, was du bisher getan hast, nicht funktioniert, dann tue etwas anderes“. Diese Aufforderung ist in vielen NLP – Publikationen zu finden.
Deshalb sind viele Methoden des NLP so angelegt, uns darin zu unter-stützen, daß wir unser Repertoire durch Lernprozesse erweitern.
Wir lernen dabei, mit Hilfe unserer Kreativität zu experimentieren und auch gezielt zu modellieren.

  • So einfach wie möglich, so komplex wie nötig

Im NLP ist vielschichtiges Wissen aus unterschiedlichen Bereichen komprimiert worden, und wir haben die Möglichkeit, die effekti-ven Werkzeuge, die dar-aus entstanden sind, für uns zu nutzen.
Um sowohl der Einfachheit als auch der Komplexität der Realität gerecht zu werden, gilt im NLP das Prinzip der schlichten Eleganz: Ein nützliches Modell sollte so einfach wie möglich beschaffen sein, und so komplex wie nötig.

  • Kommunikation ist ein sinnlicher Prozeß

Wir kommunizieren in allen verfügbaren Sinneskanälen. Wir sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken.
Auch wenn das Bewußtsein in erster Linie auf verbale Botschaften achtet, orien-tiert sich unser Unbewußtes an den ganzheitlichen Sinneseindrücken.
Jedes Sinnessystem empfängt und verarbeitet permanent Informationen. Im NLP nutzen wir dieses Wissen, um ganz gezielt Sinneskanäle zu aktivieren.

  • Die Bedeutung deiner Kommunikation ist die Reaktion, die du erhältst

Entscheidend in Kommunikationsprozessen ist weniger die Absicht des Senders, sondern die Reaktion des Empfängers. Mißverständnisse und Streitigkeiten basieren oft auf einem unterschiedlichen Verständnis der selben Worte. Und solange dieses Mißverständnis nicht meta-kommuniziert wird, kann der Standpunkt des anderen auch nicht nachvollzogen werden.
Im NLP lernen wir, Verantwortung zu tragen für das eigene Kommunikationsverhalten.

  • Jede Reaktion ist ein wertvolles Feedback

Es gibt keine Fehler, kein Versagen in der Kommunikation zwischen Menschen, sondern nur Feedback, aus dem wir lernen können.
Auch überraschende oder unerwünschte Reaktionen einer anderen Person sind wertvolle Informationen, um die Realität des anderen besser verstehen zu können.

  • Hinter jedem Verhalten steht eine positive Absicht

Jedes Verhalten erfüllt im Leben eines Menschen eine Funktion, die von seinem Unbewußten als nützlich bewertet wird. Jeder menschliche Impuls läßt sich in einen posi-tiven Bezugsrahmen führen.
Hierfür besonders geeignet sind die verschiedenen Methoden des Reframing. Wir lernen durch diese Prozesse, daß auch ein als problematisch erlebtes Verhalten eine ökologische Funktion im menschlichen Gesamtsystem erfüllt. Durch das Würdigen der positiven Absichten werden ungeahnte Energien freigesetzt, die uns in die Lage versetzen, alternative Verhaltensweisen realisieren zu können.

  • Menschen treffen stets die beste ihnen zur Verfügung stehende Wahl

Jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig und entwicklungsfähig.
Wir verhalten uns in jedem Moment unseres Lebens so, wie es unserem aktuellen Informationsstand, unserer Ökologie und unserer inneren Landkarte entspricht.
Wenn wir andere, vielleicht bessere Möglichkeiten in unser Repertoire integrieren können und somit zur Verfügung haben, können wir eben diese anderen Mög-lichkeiten einsetzen. So erhöhen wir unsere Flexibilität und können auf die Anforderungen des Lebens angemessen reagieren.

  • Alle Ressourcen für Veränderung sind bereits in uns

Grundsätzlich verfügen wir über alle Ressourcen, die wir für Veränderungen brauchen.
Es gibt allerdings Situationen, in denen wir Schwierigkeiten haben, in Kontakt mit unseren Ressourcen zu kommen. In solchen Fällen können wir unsere innere Kreativität aktivieren, mit deren Hilfe wir den Zugang wieder herstellen können.

Selbstverständnis im Umgang mit NLP

Selbstverständnis im Umgang mit NLP

 

Ein wichtiger Grund für den Erfolg des NLP in den letzten beiden Jahrzehnten ist sein integrativer Ursprung: Die Essenz aus unterschiedlichen Bereichen und Richtungen ist im NLP strukturiert und sinnlich erlebbar gemacht worden.

Für die angebotenen Seminare und Ausbildungen ist das integrative, ganzheitliche Denken Basis und Orientierung. Neuentwicklungen fließen ebenso in die Seminararbeit ein wie erprobte Verbindungen zu anderen therapeutischen, supervisorischen und kommunikativen Konzepten.

Ich bin davon überzeugt, daß die Zeit reif ist, die Grenzen des „für sich haben wollens“ durchlässiger zu machen, um voneinander lernen zu können.

Wir sind keine Vertreter des „Hau-Ruck-NLP“. Was wir wollen, ist eine ökologisch vertretbare und behutsame Begleitung Ihrer persönlichen Entwicklung mit dem Ziel, dass sie als NLP – Anwender authentisch und verantwortungsbewußt mit sich und anderen und den erlernten Methoden umgehen können. Selbsterfahrung und praxis- und erfahrungsbezogene Supervision sind wichtige Elemente, um einen sinnvollen Transfer in Ihren persönlichen und beruflichen Kontext zu gewährleisten.

 

„Wenn eine Stubenfliege die Flügel schlägt, geht eine Brise um die Welt.
Wenn ein Staubkorn zu Boden fällt, wiegt der gesamte Planet ein wenig mehr.
Und wenn du mit dem Fuß auf den Boden stampfst, verändert die Erde ein wenig ihre Bahn.
Und wenn du lachst, breitet sich Freude aus, wie Wellen in einem Teich.“

aus: „The Phantom Tollbooth“ von Norton Juster

 

Mehr denn je geht es heute darum, daß wir lernen, Verantwortung zu tragen,

  • für die Bilder, Gedanken, Gefühle, die wir im Innern entwickeln, und
  • für all das, was wir im Äußeren in Bewegung setzen.

 

Und Verantwortung tragen ist keinesfalls eine nüchterne Verpflichtung, sondern ein sinnlicher Prozeß, der uns teilhaben läßt an allem Lebendigen. Freiheit, Selbstachtung und respektvoller Austausch mit anderen, Kreativität und Lust sind Merkmale des menschlichen Daseins.

 

Wir sind heute in der Lage – auch mit Hilfe des NLP als einem brillanten Werkzeug für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung – menschliche Potentiale zu entfalten, um eine Welt mitzugestalten, zu der sich alle Menschen gerne zugehörig fühlen.