Aikido für Jugendliche und junge Erwachsene

zur Förderung von

  • Innerer Stärke und Selbstbewusstsein
  • Friedfertigkeit
  • Konstruktivem Umgang mit Gefühlen
  • Konfliktlösung ohne Gewalt

Aktuelle Bestandsaufnahme:

Viele Jugendliche leben heute in einer geteilten Welt.
Da sind auf der einen Seite die vielfältigen medialen Einflüsse und Konsumangebote:

  • Casting- Shows, Model- Wettbewerbe und flache Serien im Fernsehen
  • Verklärt romantische Beziehungs- Schnulzen mit hochgestylten Darstellern, Actionfilme, Darstellung von Gewalt- Fantasien und heldenhaften Siegern im Kino
  • Pornographische- und Gewalt- Fantasien per Handy und Internet
  • PC- und Video- Spiele, bei denen es darum geht, besser und schneller zu sein als die anderen, zu siegen, zu unterwerfen und zu töten

Bei all diesen Angeboten werden Attribute für Jugendlichkeit verkauft:

  • attraktiv und schön
  • stark und heldenhaft
  • potent und in jeder Lebenslage siegend

Diese Attribute werden mittels Werbung mit Produkten verknüpft, deren Kauf die Erfüllung aller Jungen- und Mädchen- Träume verspricht.

Auf der anderen Seite leben die meisten Jugendlichen in einer Realität, die so ganz anders ist:

  • im Gegensatz zu den Generationen, die nach dem 2. Weltkrieg von Wirtschaftswachstum und Wohlstand profitiert hatten und dadurch eine gewisse Sattheit und wirtschaftliche Sicherheit erlangen konnten, sind heutige Familien zunehmend Umbruchs- Situationen und äußeren globalen Einflüssen ausgesetzt, die wirtschaftliche Unsicherheit und Ungewissheit zur Folge haben.
  • In den Schulen werden Kinder und Jugendliche auf Leistung getrimmt. Abrufbarkeit, Reproduzierbarkeit und Messbarkeit von Wissen sind Ziele eines Bildungssystems, das wenig bis gar nicht achtet auf
    den persönlichen und familiären Hintergrund der Schüler, auf individuelle Förderung von persönlichen Kompetenzen, auf Kreativität und auf Vermittlung von Entscheidungs- und Handlungskompetenz,
    sozialer Kompetenz und Medienkompetenz (s.a. „Ganzheitliche Bildung“: www.nlpt.de/veroeff_bildung.htm)
  • Die berufliche Perspektive ist für viele ungewiss.
  • Immer mehr Jugendliche leiden an Stress, Schlaf- und Essstörungen und anderen psychosomatischen Beschwerden aufgrund der familiären und schulischen Situation, aber auch aufgrund eines Phänomens, das sich – statistisch bestätigt – rasant verbreitet: Mobbing und (durch den Zuwachs der neuen Medien) Cyber – Mobbing: Nach einer bundesweiten Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse gaben 32 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 20 Jahren an, schon einmal im Internet beleidigt, bedroht oder verleumdet worden zu sein.

Die Diskrepanz zwischen den beiden Welten ist gigantisch groß. Es erstaunt keineswegs, dass angestaute Frustration, Wut, Ärger, Aggression gegen andere und/oder gegen sich selbst logische Folgen sind.

AIKIDO als Bewegungsmetapher:

Der Aikido- Workshop findet in einer mit Judo- Matten ausgelegten Trainingshalle statt,
so dass geschmeidige Bewegungen und Roll- und Fall- Übungen jederzeit möglich sind.
Auf der Matte wird in angemessenem Rahmen geübt, wie man mit grundlegenden Gefühlszuständen wie Wut, Ärger und Angst umgehen kann.

Der erste Impuls kann ein körperlicher Angriff in Form eines Faustschlages oder ein verbaler Angriff in Form einer geäußerten Kritik oder Beleidigung sein.
Mit Hilfe der Aikido- Techniken lernen die Jugendlichen, anstatt sich ängstlich zusammenzuziehen oder Wut und Ärger in einen aggressiven Gegenangriff münden zu lassen, dem Partner offen und aufrecht entgegenzutreten und die ankommende Energie sensibel aufzunehmen und weiterzuführen. Auf diese Weise wird ein inneres Sicherheitsbedürfnis geachtet und Aggression in Begegnung verwandelt.

Zudem werden beim gemeinsamen Üben in der Gruppe elementare Grundbedürfnisse befriedigt:

  • das Bedürfnis nach Bindung, Zugehörigkeit und Aufgehobensein
  • das Bedürfnis, sich selbst zu verwirklichen und auszudrücken
  • das Bedürfnis nach neugierigem Ausprobieren und nach Anerkennung

Um mit entgegenkommenden Kräften und Energien umgehen zu können, werden im AIKIDO kreis – und spiralförmige Bewegungen geübt.
Diese spielerisch wirkenden, geschmeidigen Bewegungsabläufe bewirken nicht nur eine Kräftigung des Körpers, sondern auch

  • eine starke, aufrechte innere und äußere Haltung
  • Standfestigkeit
  • Wachsamkeit für sich selbst und Andere und konzentrierte Wahrnehmung der Umgebung und des Geschehens
  • Wahrung und Schutz des eigenen persönlichen Raumes
  •  Regulierung von Nähe und Distanz zum Impulsgeber (z.B. eines Angreifers)
  • feinfühlige Kontaktaufnahme
  •  Wahrnehmung des richtigen Zeitpunkts zum Handeln
  • Bewusstheit und Klarheit im Verhalten
  • eine realistische Einschätzung über die Richtung und Angemessenheit einer Aktion
  • eine angemessene Regulierung der Dynamik einer Bewegung

Jede Aktion erfolgt aus der eigenen Mitte heraus. Die stabile Ausgangsposition ermöglicht den
effektiven Einsatz der eigenen Kräfte zur Aufnahme und Umlenkung der Angriffsenergien, bzw. etwas allgemeiner gesprochen zur Lösung der mit dem Leben verbundenen Aufgaben.

Inhalt und Ziel dieser Bewegungsübungen sind körperliche und geistig- emotionale Beweglichkeit. Diese bilden den Nährboden, auf dem gesunde Beziehungen zu anderen Menschen und ein gesunder Kontakt zu sich selbst gedeihen können.

Sich seiner selbst bewusst zu sein, eigene Fähigkeiten und Kompetenzen realistisch einzuschätzen, mit sich selbst liebevoll, wachsam und wertschätzend umzugehen, eine aufrechte Haltung einzunehmen … das sind wichtige Voraussetzungen, um einen wertschätzenden Kontakt zu anderen Menschen aufbauen zu können.

Von Zuschauern wird AIKIDO oft wahrgenommen als ein gemeinsamer Tanz von Impulsgeber und Impulsnehmer. Das ist auch beabsichtigt: denn durch die Vereinigung von Kräften in einer fließenden Bewegung entsteht ein harmonisches Miteinander.

Anstatt einen Impulsgeber (z.B. einen Angreifer oder Kritiker) besiegen, unterwerfen oder dominieren zu wollen, geht es darum, ein friedliches Miteinander zu erreichen.

 

Der Aikido- Workshop setzt sich aus 2 Phasen zusammen, die sich ständig abwechseln:

  • die Bewegungs- Trainings- Phase:
    Hier werden die Jugendlichen körperlich und konditionell gefordert und bekommen Anreize, ihre Haltung und ihre Beweglichkeit im oben beschriebenen Sinne zu schulen.
  • die Gesprächs- Phase:
    Hier werden die Erfahrungen aus den Bewegungsübungen besprochen und ausgewertet. Anhand von konkreten Fallbeispielen und selbst erlebten oder aktuellen Situationen werden eigene Haltungen und Möglichkeiten des Handelns besprochen und wieder in Bewegung übersetzt. Konkret heißt das:
  • in welcher Situation findet die Begegnung statt ?
  • von wem geht der Impuls aus, an wen ist er gerichtet ?
  • wie wird der Impuls wahrgenommen und interpretiert ?
  • wie kann der Impuls (auch wenn es ein verbaler Angriff ist) körperlich/ räumlich dargestellt werden ?  (z.B. wie ein Schlag in den Bauch)
  • mit welcher Energie fühlt sich der Impulsnehmer konfrontiert ?
  • welche Gefühle werden ausgelöst ?
  • welche Aktionsmöglichkeiten kann der Impulsnehmer nutzen, geht er dagegen, weicht er aus … ?
  • wie nutzt er die Energie des Impulsgebers ?

Vielfältige Rollenspiel- Möglichkeiten können genutzt werden, um den Erfahrungen auf der körperlichen und auf der geistig- emotionalen Ebene eine Bühne zu geben.

Um einen sinnvollen zeitlichen Rahmen zu ermöglichen, in dem diese Erfahrungen gemacht werden können, wird der Workshop in Form von 8 Einheiten zu je 2,5 Zeitstunden angeboten.

  • Einheit 1:
  • Vorstellungsrunde
  • Kurzer Abriss über die Methode AIKIDO
  • Besprechung von Erwartungen und Wünschen
  • Erste Körperübungen zum Thema „Standfestigkeit“ und „Beweglichkeit“
  • Übungen zum Thema „zu sich selbst finden“ und „in sich selbst ruhen“
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 2:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 1. Einheit
  • Atemübungen: „das Ki in sich selbst“ aktivieren und sammeln
  • Erste Roll- Übungen auf der Matte (vorwärts, rückwärts und seitwärts)
  • Impulse von außen aufnehmen und gestalten
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 3:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 2. Einheit
  • Atem und Bewegung vereinen
  • Kontaktaufnahme durch „Irimi- Bewegung“
  • Ausweichen mit „Irimi“, „Tenkan“ und „Kaiten“
  • Nähe- Distanz- Regulierung zum Impulsgeber mittels „Ura“ und „Omote“
  • Reflektion von persönlichen Erfahrungen
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 4:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 3. Einheit
  • Zielgerichtetheit von Bewegung und analog in Alltagssituationen
  • Aufrecht und aufrichtig durchs Leben gehen
  • Erste Partnerübungen in Bewegung: aufnehmen von Impulsen, weiterführen von Impulsen
  • Das Ende eines Bewegungsablaufes in Form von Haltegriffen und Vereinbarungen
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 5:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 4. Einheit
  • Dynamik von Bewegungsabläufen: langsam und schnell
  • Übungen zum freien Fall
  • Wurf- und Halte- Techniken
  • Harmonisches fließendes Zusammenspiel zwischen Impulsgeber und Impulsnehmer
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 6:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 5. Einheit
  • Umgang mit verbalen Angriffen:  Kritik und Beleidigung
  • Verfeinerung der Kontaktaufnahme
  • Weiterführende Wurf- und Halte- Techniken mit dem Ziel, die Bewegungsabläufe in einem harmonischen Miteinander zu erfahren
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 7:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 6. Einheit
  • Kreis- und Spiral- Bewegungen
  • Abwehr von Faustschlägen und Stöße, Abwehr von Messerangriffen
  • Übersetzung der gelernten Bewegungsmuster in verbale Kommunikation
  • Auswertung und Abschluss
  • Einheit 8:
  • Auswertung der Erfahrungen seit der 7. Einheit
  • Das Schwert als Symbol für Mut und Entschlossenheit
  • Friedfertigkeit und disziplinierter Umgang mit der eigenen Kraft
  • Freies Bewegen (Randori)
  • Auswertung und Abschluss

Die Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren.

Eine sinnvolle Gruppengröße liegt bei 6-10 Teilnehmern (Mädchen und Jungen gemischt).