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Lösungsorientierte Therapie

Lösungsorientierte Therapie

 

Die lösungsorientierte Therapie basiert auf der Arbeit von Milton Erickson.
Steve de Shazer war Anfang der 70er Jahre Professor für Soziologie. Über Haley (Strategien der Psychotherapie) kam er zu Erickson, der bis zu diesem Zeitpunkt 700 Therapiefälle beschrieben hatte und Wert darauf legte, keine Theorie für seine Arbeit zu haben.
Steve begann mit Zustimmung seiner Vorgesetzten, die Essenz von Ericksons Arbeit herauszukristallisieren. Dabei versuchte er, seine soziologische Theorie anzuwenden. Es funktionierte nicht. Steve gab auf und stellte sich seiner Verwirrung.
Er begann mit Klienten zu arbeiten und stieg aus dem Lehrbetrieb aus. Er kopierte Ericksons Arbeitsstil, um auf diese Weise Interventionsmuster bewusst zu machen und gleichzeitig zu strukturieren.

 

Die ersten Erkenntnisse:

 

  • Der Therapeut akzeptiert die Person des Klienten und nutzt das Problemerleben für eine Lösung (Utilisation).
  • Der Therapeut erkundet, wie er das Symptom nützlich machen kann.
  • Der Therapeut hilft dem Klienten dabei, die eigene Kompetenz zu trainieren.

 

Steve traf John Weekland, Paul Watzlawik u.a., die das Mental Research Institute gegründet hatten, und die ebenfalls dabei waren, auf der Basis von Ericksons Arbeit Modelle der Kurzzeittherapie zu entwickeln.
Eine wichtige Gemeinsamkeit in der Analyse von Fällen in den 70er Jahren war die Erkenntnis, dass Klienten nicht die ganze Zeit Probleme hatten, sondern dass das Problemerleben, wenn es assoziiert erlebt wurde, oft verallgemeinert wurde, so als würde es immer schon bestehen. Also lernten die Forscher nach Ausnahmen zu schauen.

 

Mitte der 70er Jahre wurde das BFTC (Brief Family Therapie Center) von Steve de Shazer in Milwaukee gegründet.
Die Lösungsfokussierung in der Therapie rückte stärker in den Mittelpunkt der Forschung.
Es wurden Konzepte und Computerprogramme zur Lösungsfindung erarbeitet.
Die täglichen Erfahrungen in der Lösungserarbeitung legten den Schluss nahe, dass bestimmte Interventionen und Hausaufgaben übertragbar sind, unabhängig von den Symptomen und Themen der Klienten.

 

Daraus entwickelte sich die folgende Standardaufgabe, die nach der ersten Sitzung gestellt wurde:

 

Bis zur nächsten Sitzung beobachten Sie bitte und beschreiben uns dann,
was in Ihrer Familie so abläuft, dass Sie der Meinung sind, es soll so bleiben.

 

Häufig haben Klienten in der 2. Sitzung berichtet, dass etwas passiert ist, was deutlich anders war (als die vorgebrachte Beschwerde). So wurde diese Standardaufgabe ein nützliches Hilfsmittel, die Tür zu Veränderungen und Lösungen zu öffnen.

 

Um den Zugang zum Klienten zu verbessern und um zu erkunden, was der Klient wünscht und was seine Ziele sind, wurde die Wunderfrage entwickelt.

 

Angenommen, es würde in der kommenden Nacht, während Sie schlafen,
ein Wunder geschehen und Ihr Problem wäre gelöst.
Wie würden Sie das am nächsten Morgen merken ? Was wäre anders ?
Woran würde Ihr Mann/Ihre Frau merken, dass ein Wunder geschehen ist,
ohne dass Sie ein Wort darüber gesagt haben ?

 

Die Wunderfrage verhilft dem Therapeuten sowie dem Klienten zu einem möglichst klaren Bild, wie eine Lösung aussehen könnte.
Zudem kann diese Beschreibung einer beschwerdefreien Zukunft dazu beitragen, die Ausnahme als auffällig einzuschätzen. Im BFTC wird Ausnahme definiert als alles, was passiert, wenn die Beschwerde nicht vorhanden ist.

 

Von der ersten Sitzung an geht es also darum, eine Lösung zu erarbeiten, indem die Suche nach Ausnahmen initiiert wird. Das ist ein wesentlicher Punkt in der Lösungstheorie.
Ganz gleich, wie viel der Klient über sein Problem (Beschwerde) erzählt, das Gespräch wird immer wieder auf die beschwerdefreie Zeit gelenkt. Wichtig ist es, zu erkunden, ob der Klient weiß, wie er die Verhaltensweisen aufrechterhalten kann, die die Ausnahme ausmachen.
Dann schaltet der Therapeut um auf die gemeinsame Erarbeitung der Beschreibung einer Zukunftsvision, in der die Beschwerde verschwunden ist (Wunderfrage).

 

Der Therapeut ist sich darüber bewusst, dass sich die Probleme im Territorium des Klienten ereignen, und dass er sich ausschließlich mit seiner Konstruktion dessen, wie der Klient seine persönliche Realität konstruiert, befasst.
Er hat lediglich mit den Landkarten des Gebiets zu tun.
Das therapeutische Interview ist also ein gemeinsamer Gestaltungsprozess.
Klient und Therapeut sind Ko – Autoren einer gemeinsamen therapeutischen Realität.

 

Allgemeine Richtlinien der lösungsorientierten Therapie: 

 

  • Stelle fest, welche Dinge der Klient tut, die gut, nützlich und wirksam sind.
  • Stelle den Unterschied fest zwischen dem, was geschieht, wenn eine Ausnahme vorkommt und dem, was geschieht,
    wenn die Beschwerde auftritt. Fördere das erstere.
  • Wenn möglich, lasse Dir jede Ausnahme Schritt für Schritt beschreiben.
    Finde heraus, was funktioniert, bzw. finde heraus, was funktioniert hat bzw. finde heraus, was funktionieren könnte;
    dann verschreibe das Leichteste.
    Sind Aspekte der Ausnahme (oder der Beschwerde) irgendwie zufällig,
    dann bau etwas Willkürliches oder einen Zufallsfaktor in die Aufgabe ein.
  • Wenn nötig, lass Dir die Beschwerde Schritt für Schritt beschreiben.
  • Stelle Unterschiede zwischen hypothetischen Lösungen und der Beschwerde fest.
  • Stelle Dir eine Lösungsversion vor, indem du
    – Ausnahmen zur Regel machst,
    – den Ort des Beschwerdemusters veränderst,
    – in der Zusammensetzung der am Beschwerdemuster Beteiligten eine Änderung bewirkst,
    – die Reihenfolge der beteiligten Schritte veränderst,
    – dem Beschwerdemuster ein neues Element oder einen neuen Schritt hinzufügst,
    – die Dauer des Musters verlängerst
    – zufälliges Anfangen und Beenden einführst,
    – die Häufigkeit des Musters erhöhst,
    – die Modalität des problematischen Verhaltens änderst.
  • Entscheide, was für den Klagenden / Kunden passt, d.h. welche Aufgabe, basierend auf welcher Variablen einem bestimmten Klienten vernünftig erscheinen wird.
    Welche wird der Klagende am ehesten akzeptieren ?
    Welche wird der Kunde am ehesten ausführen ?

 

Bei diesen Richtlinien wird deutlich, dass es hier in keiner Weise um die Erforschung der Ursachen eines Problems geht.
Die Systematisierung der therapeutischen Fälle im BFTC hat gezeigt, dass die Beschwerde des Klienten fast immer den Wunsch beinhaltet, von etwas befreit zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das zu bewerkstelligen ist.
Deshalb wird jeder Unterschied im Verhalten, Denken, Fühlen, Wahrnehmen im Kontext dafür genutzt, einen Unterschied zu machen, (der einen Unterschied macht), der zur Lösung der Beschwerde führt.

 

Steve de Shazer sagt dazu:

 

Das Problem ist lediglich die Fahrkarte für die Therapie.
Wofür sollen wir uns mit der Fahrkarte befassen ?

Die Einteilung der Klienten

 

Um die Beziehung zwischen Therapeut und Klient skizzenhaft zu beschreiben, werden 3 Gruppen von Klienten unterschieden:

  • Besucher
    Klienten, die geschickt oder mitgenommen werden, die selbst keine Beschwerde haben.
    Intervention:
    Komplimente machen, und Ausschau halten nach dem, was funktioniert.
    Der Besucher bekommt keine weiteren Aufgaben.
  • Klagende
    Klienten, die eine Beschwerde haben, die Lösung als Resultat des Gesprächs erwarten.
    Intervention:
    Beobachtungs- oder Denkaufgabe als Hausaufgabe. (s. Standardaufgabe)
  • Kunde
    Klienten, die eine Beschwerde haben und bereit sind, etwas für die Lösung zu tun.
    Intervention:
    Nachdem die Unterschiede zwischen Ausnahme (oder hypothetischer Lösung) und Beschwerde beschrieben sind, wird die Hausaufgabe in Form von Verhaltensaufgaben gegeben: Tue mehr von dem, was wirkt

Komplimente:

 

In jeder Sitzung werden dem Klienten nach einer kleinen Konsultationsphase Komplimente darüber gemacht, was er „Richtiges“, „Gutes“, „Wirksames“ und „Nützliches“ tut.
Durch dieses Lob und die positive Konnotation erfährt er eine deutliche Wertschätzung.
Das stärkt den Rapport in der therapeutischen Beziehung, erweitert die Ressourcen des Klienten und fördert die Kooperations- bereitschaft und eine Ja – Haltung, auch für die anstehenden Aufgaben.

 

Aufgaben:

 

Die Hausaufgaben helfen dem Klienten dabei, seine Erfahrungen anders zu deuten und somit die Beschreibung seiner Situation abzuwandeln. Die Aufgaben liegen größtenteils bereits im Erfahrungsbereich des Klienten, bzw. gehören zu seinem Repertoire und unterstützen den Klienten darin, nützliche und wirksame Verhaltensweisen zu fokussieren und zu verstärken.

Beispiel: Herr H. bringt die Beschwerde vor, dass er sehr deprimiert ist. Im Erstgespräch stellt sich heraus, dass es gelegentlich spontane Ausnahmen gibt. Der Therapeut hilft Herrn H. dabei, die Unterschiede zwischen „guten Tagen“ und „schlechten Tagen“ herauszuarbeiten. Die Aufgabe, die Herr H. mit nach Hause nimmt, lautet dann:

 

Tun Sie mehr von dem, was an guten Tagen funktioniert.

 

Bei Klienten, die eher dem Typus „Klagender“ entsprechen, werden Beobachtungsaufgaben gegeben. (s.o.)
Manchmal wird ein Klient auch gebeten, am Vorabend eine Voraussage zu machen, ob das Symptom am nächsten Tag auftritt. Solch ein – auf den ersten Blick – widersinniges Vorgehen, Dinge vorherzusagen, die scheinbar nur zufällig eintreten, hat die Implikation, dass sie doch beeinflussbar sind. Außerdem lenkt die abendliche Vorhersage das Denken auf ein neues Element: nicht mehr die Vermeidung des Symptoms ist als Ziel markiert, sondern die richtige Vorhersage.
Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede geschärft, die zwischen den Tagen mit und ohne Symptom bestehen. Damit ist die Grundlage für die Beeinflussung gelegt.

 

Dekonstruktion:

 

Beim Dekonstruktionsprozeß sucht der Therapeut nach irgendeinem Punkt im logischen System des Klienten, der unlogisch ist, ein Punkt, der die problematische Konstruktion zusammenfallen lässt.
Zentralkarte:

 

Ab Mitte der 80er rückte im BFTC immer mehr die Verfeinerung und Anwendung der Wunderfrage ins Zentrum der ersten Sitzung.

Der Ablauf einer ersten Sitzung kann wie folgt strukturiert werden:

 

Wunderfrage:

 

1. Teil

 

Ich hab eine seltsame und ungewöhnliche Frage … (Pause)

Stell dir sich den Fall vor, daß …
(Pause, wie Pausen in der Musik)

… wenn wir hier fertig sind, gehst du nach Hause, und tust all die Dinge,
die du jeden Tag tust, ißt zu Abend, siehst ein wenig fern,
oder tust irgend etwas anderes, und du gehst zu Bett und schläfst ein …
(Pause)

Und während du schläfst, geschieht ein Wunder … (Pause)

Und die Probleme, die dich hergebracht haben, sind im Nu gelöst … (Pause)

Aber es geschieht genau dann, wenn du schläfst, so kannst du nicht wissen,
daß es geschehen ist …
(Pause)

Wenn du also am nächsten Morgen aufwachst, wie wirst du entdecken,
woran wirst du erkennen, daß das Wunder geschehen ist ?

(Pause und warten …)

 

Meistens ist die erste Antwort:

ich weiß es nicht.

 

Welchen Wert hat eine Frage mit einer leichten Antwort ? (Sh. Holmes)

(Pause und warten)

 

Erfrage Details: wer, was, wann, wo, wie
(um so realer wird der Tag nach dem Wunder)

Und was noch ?

2. Teil 

 

Ohne daß du selbst etwas sagst, wie oder woran könnten andere Leute merken (wissen), daß das Wunder geschehen ist ?

 

Details

Und was noch ? …

3. Teil

Wann war es das letzte Mal, an das du dich erinnern kannst,
als die Dinge von der Art geschehen sind, wie an diesem Tag nach dem Wunder ?

 

Details

Und was noch ? …

Woran haben andere gemerkt, daß Dinge von der Art geschehen sind, … ?


4. Teil

Auf einer Skala von 0-10 wobei 10 dafür steht, wie es am Tag nach dem Wunder und 0 dafür steht, wie es am Tag der Terminvereinbarung für die Therapie war, wo zwischen 0 und 10 bist du gerade jetzt ?

Was ist anders ?
Woran würdest du merken, daß du bei 4 (wenn vorher bei 3) angekommen bist ?

Auf der gleichen Skala, wo warst du an dem Tag, der so ähnlich war, wie der Tag nach dem Wunder ?

Was würden andere Leute sagen, wo du bist ?
(meistens ein Punkt höher als die Selbsteinschätzung)
Was ist es, was andere sehen, was du selbst nicht siehst ?

 

Denkpause …
Komplimente, Aufgaben

 

2. Sitzung

 

Die Struktur wiederholt sich in allen weiteren Sitzungen.
Beginn mit dem 5. Teil

Was hat sich verändert ?
Was hat sich verbessert ?
Was ist besser ?

 

In der Regel gibt es eine Verbesserung.

Was hast du gemacht, um Dinge besser zu machen ?
Was ist geschehen, daß sich Dinge verbessert haben ?

Ist die Verbesserung gut genug ?
Wenn die Dinge auf diesem Level bleiben, wäre das okay ?

 

Wenn ja, einrichten einer Zuversichtsskala

Wie sehr vertraust du darin, daß Dinge dauerhaft gut genug sind ?
(Skala von 1-10)

 

Mit Hilfe von Skalen können subjektive Gefühlszustände gemessen werden.
Auch ist es möglich, Fortschritte zu messen und somit die Lösungserarbeitung zu erleichtern.

 

Denkpause

 

Komplimente

 

Aufgaben

In sich hinaus (Haltungen in der Hypnotherapie)

In sich hinaus
(Wege und Haltungen in der Hypnotherapie)

 

Hypnose – Klischees

 

Wer kennt sie nicht, die Szenen aus alten amerikanischen Krimis,
in denen ein bösartiger Hypnotiseur seine Kunden zur Verwirklichung eigener egoistischer und meist materieller Ziele missbraucht,
indem er seinen Opfern posthypnotische Aufträge erteilt …

Wer kennt nicht die alten Hypnose-Formeln, die Schlaf induzieren und Heilung „wie im Schlaf“ versprechen:
… und Ihre Augenlider werden immer schwerer, schwer wie Blei, und Sie haben jetzt schon das Bedürfnis, Ihre Augen zu schließen,
um in einen angenehmen schläfrigen Zustand hineinzugleiten … und wenn Sie wieder aufwachen, dann sind Ihre Probleme gelöst …
In meiner eigenen psychotherapeutischen Praxis begegne ich fast täglich den gängigen, alten Klischees von Hypnose.
Diese sind oft gepaart mit sehr hohen Erwartungen an ein Expertentum, das die volle Verantwortung für die Symptomatik übernimmt.

 

2 (Klienten)- Haltungen sind hierbei relevant:

  • Der Klient glaubt, dass er selbst für seine Heilung nichts tun kann.
    Das Problemerleben „geschieht ihm“ und wird als nicht beeinflussbar oder veränderbar wahrgenommen.
    Er sucht also einen Experten auf in der Hoffnung, dass dieser eine professionelle Verantwortung dafür übernimmt und das Problem beseitigt.
  • Der Klient glaubt, dass er selbst nichts zu tun braucht.
    Er hofft, dass nach einem vom Therapeuten erzeugten hypnotischen Schlaf die Probleme gelöst sind und
    er (wohlgemerkt ohne Probleme) sein Leben so weiterführen kann wie bisher.

Einen „Haken“ hat diese Einstellung allerdings:

Je mehr Verantwortung der Klient abgibt, um so mehr wächst auch seine Angst vor dem Unbekannten, vor dem, was während er „schläft“, eine andere Person mit ihm macht, und vor dem, was aus den Tiefen seiner Seele aufsteigen könnte, das ihn vielleicht nachhaltiger beschäftigt als das Ausgangsproblem.
Diese brisante Ambivalenz aus einem tiefen Wunsch, endlich mal keine Verantwortung mehr tragen zu müssen und der Angst vor Manipulation und den eigenen „Dämonen“ schafft eine Ausgangssituation, in der hypnotherapeutisches Arbeiten erst einmal erschwert ist.
Woher kommen nun diese Hypnose – Klischees ?

Tatsächlich ist es so, dass bis zum heutigen Tag in vielen Schulen und Praxen ein „autoritärer Ansatz“ praktiziert wird.
Charakteristisch für diesen Ansatz sind folgende Faktoren:

  • Der Therapeut ist „wissend“, der Klient ist „unwissend“
  • Der Therapeut als Hypnotiseur hat Macht über den Klienten
  • Das Unbewusste ist eine Art „tabula rasa“, in die Suggestionen von außen eingepflanzt werden
  • Die Heilung kommt von außen

Man muss wissen, dass dieses Denken ein altes Denken ist und seine Wurzeln in feudalistischen Zeiten hat.
Zu diesem Denken gehört auch der (Aber-) Glaube, dass nur der Therapeut in der Lage ist,
die Symptomatik des Klienten aufzuheben.
Dies tut er eben mit Suggestionen, die er an die Adresse des „Unterbewusstseins“ schickt, in der Hoffnung, dass sie dort ihre heilende Wirkung tun.
Eine kompetenzorientierte Sicht fehlt hier vollständig.
Die Einzigartigkeit des Klienten und die Fähigkeit, Veränderungsprozesse autonom gestalten zu können, werden nicht berücksichtigt.

Ein keineswegs zu unterschätzender Faktor für die Angst des Klienten vor Hypnose ist die weit verbreitete, auf Sigmund Freud zurückgehende Konzeption des „Unbewussten“:
Freud hat im Unbewussten den Sitz verdrängter neurotischer Triebhaftigkeit gesehen, eine Art
„Sondermülldeponie für seelische Auslagerungen“.
Die Frage sei hier erlaubt, wer sich freiwillig gerne auf eine mit Befürchtungen und von Angst besetzten „Unterwelt“ einlassen mag. Aus der heutigen modernen Sicht ist es allzu verständlich, dass es angesichts eines solchen Glaubens Widerstände beim Klienten gibt.

 

Hypnose aus heutiger Sicht

 

Orientiert an den Erfahrungswerten Milton Ericksons und seiner Schüler steht heute ein kooperativer Ansatz im Vordergrund, gekennzeichnet durch das Wissen, dass sowohl der Therapeut, als auch der Klient,
als auch die Beziehung zwischen beiden autonome Systeme sind,
die gemeinschaftlich in größtmöglicher Transparenz zusammenwirken.
In diesem Verständnis entwickelt sich Trance aus einem Erleben zwischenmenschlicher Begegnung,
auf der Basis von Vertrauen und entsprechend den getroffenen Vereinbarungen.

Erickson begründete durch seine Arbeit eine neue Sicht, die der von Freud widersprach:
Das „Unbewusste“ ist nun nicht mehr der Bereich für verdrängtes Material, sondern ein Bereich,
der dem „Bewusstsein“ weit überlegen ist und die Gesamtheit der Lernprozesse,
Ressourcen und persönlichen Kompetenzen beinhaltet.
„Wie eine liebevoll fürsorgliche Mutter“ steuert das „Unbewusste“ nicht nur alle unwillkürlichen physiologischen
Prozesse des Menschen, sondern auch die seelischen Prozesse und deren Wechselwirkung mit körperlichen Abläufen.

 

Einige Grundüberzeugungen von Milton Erickson:

  • Jede Person ist einzigartig. Darin liegt ihre Würde.
  • Jede Person hat Entwicklungsressourcen.
  • Trance stärkt und erweitert die Ressourcen.
  • Trance ist ein natürliches Phänomen.
  • Zukunftsimaginationen sind hilfreich, wenn sie in Bezug zu Bedürfnissen in der Gegenwart stehen.
  • Fokussierung von Aufmerksamkeit auf das gewünschte Erleben (Future Pace) unterstützt die Effektivität des Prozesses.
    Dabei hilft besonders die Aktivierung von unwillkürlichem Erleben.
  • Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrungen.
  • Der bewusste Verstand ist sehr klug und weise, doch das Unbewusste ist um ein vielfaches weiser.
  • Das Unbewusste ist ein Hersteller von Informationen, das Bewusstsein ist ein Verbraucher,
    Trance ist ein Vermittler zwischen ihnen.

Der kooperative Ansatz beruht auf der Flexibilität, sich auf jeden Menschen neu einstellen zu können und
therapeutische Intervention an den Bedürfnissen und Zielen des Klienten auszurichten.

Ein zentrales Prinzip der Erickson´schen Hypnotherapie ist das der „Utilisation“:
Man versteht darunter die zieldienliche Nutzbarmachung von hilfreichen Aspekten
aus dem subjektiven „Modell der Welt“ des Klienten.

 

Utilisation bezieht sich auf eine Vielzahl von Aspekten aus dem Bezugsrahmen des Klienten:

  • die Haltung
  • die Denk- und Fühlmuster
  • Die Lebens – Kontext – Bedingungen, die Beziehungen
  • Sternstunden, Stärken, Erfolgserlebnisse, Fähigkeiten, Qualitäten
  • Werte und Überzeugungen
  • Selbstbilder
  • Erfahrungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit

 

 

Was ist nun eigentlich Trance ?

Viele Bücher sind in den letzten Jahrzehnten darüber geschrieben worden, kontrovers oder sich ergänzend.
In den 90er Jahren hat der Amerikaner Beahrs vergleichende Studien in der Hypnose – Literatur angestellt.
Es ging ihm darum, herauszufinden,
welche Beschreibungen von Trance – Phänomenen in allen Ausführungen übereinstimmen.
Er kam zu dem Ergebnis, dass Trance – Phänomene sich dadurch auszeichnen, dass
„Es geschieht“ – ganz unwillkürlich, (im Gegensatz zu dem „Ich mache“ – willkürlich – auf der bewussten Ebene).

Trance ist also

  • ein Prozess der systematischen Fokussierung von Aufmerksamkeit, vor allem auf der unwillkürlichen Ebene.
  • ein aktiver Prozess unbewussten Lernens (im Gegensatz zu bestimmten Auffassungen der Hypnose als eines passiven und regressiven Zustands, in dem der Klient ein Automat unter
    der Kontrolle des Hypnotiseurs ist).

Das Sich – hinein – begeben in einen Trance – Zustand geschieht durch eine Veränderung der Wahrnehmung: von willkürlich zu unwillkürlich.

Das Ziel von hypnotherapeutischer Arbeit ist es, die als problematisch erlebten Verhaltens- und Erlebensmuster
(auch blockierende Programmierungen im Sinne von Überzeugungen, Zuschreibungen, Selbstverurteilungen usw.)
auf effektive Weise entsprechend den Bedürfnissen und Zielen des Klienten zu verändern.

Hierbei hat der Klient die Autorität für die Lösungsdefinition.
Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein reichhaltiges Repertoire von Denk-, Fühl- und
Verhaltensmöglichkeiten erlernt hat. Potentiale für Veränderung müssen nicht erst neu gelernt werden,
sondern sind bereits aufgrund vielfältiger Erfahrungen gespeichert.
Das Hauptaugenmerk einer lösungsorientierten hypnotherapeutischen Arbeit liegt nicht auf Diagnostik von
pathologischen Phänomenen, sondern auf der Frage,

  • wie Veränderung gelingen kann
  • wie vorhandene Ressourcen / Kompetenzen genutzt werden können und
  • wie Potentiale zieldienlich vernetzt werden können

Lösungserleben ist assoziiertes Erleben, also Erleben mit allen Sinnen.

Legt man die Vergleichsstudien von Beahrs den weiteren Betrachtungen zugrunde,
so stellt man fest, dass die gleichen Kriterien, die für Trance – Phänomene benannt sind,
auch für die Erlebnismuster gelten, die Klienten als problematisch beschreiben.

 

Symptome werden vom Klienten oft erlebt als nicht beeinflussbar und nicht steuerbar:

  • Es“ (das Problem) geschieht ganz unwillkürlich.
  • Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Problemerleben und seine Peripherie absorbiert so viel Energie,
    dass der Klient keine Möglichkeit sieht, aus eigener Kraft da raus zu kommen.
  • Und es gibt einen entscheidenden Eskalationsfaktor: das als „Problem“ identifizierte Erleben wird vom Klienten und
    auch von äußeren Instanzen (z.B. durch pathologiebezogene Diagnostik) interpretiert und beurteilt.
  • Diese Interpretationen sind meist wenig förderlich für einen Heilungsprozess.
  • Sie wirken eher problemstabilisierend, in dem sie die Aufmerksamkeit immer wieder auf das „Problematische“ und Ungelöste richten.
  • Sie wirken wie eine professionelle Trance – Induktion.

 

In den 80er Jahren haben die Erickson – Schüler Steven Gilligan und Gunter Schmidt den Begriff der „Problemtrance“ geprägt.
Danach werden Probleme als Trance – Phänomene beschrieben, da sie das Kriterium der unwillkürlich
Aufmerksamkeitsfokussierung und der Assoziation in das Problemerleben erfüllen.

 

 

„Problemtrancen“

Man kann davon ausgehen, dass im „Unbewussten“ alle biographischen Erfahrungen und die persönlichen Bewertungen
dieser Erfahrungen gespeichert sind.
Sie dienen dazu, die Gegenwart zu beurteilen, oder anders formuliert:
zur Interpretation gegenwärtiger Erfahrung werden die „Landkarten“ der Vergangenheit zu Hilfe genommen.
Das Unbewusste liefert mittels Innerer Filme und der entsprechenden Inneren Dialoge die notwendigen Zutaten für
das Erleben und dessen emotionaler Bewertung.

Man weiß heute, dass innere Bilder und Gedanken nicht nur emotionale Auswirkungen haben, sondern eine innere
physiologische Wirklichkeit schaffen.
Die Auswahl der inneren Bilder und Kommentierungen kann als eine Art selbsthypnotischer Prozess verstanden werden
und ist Bestandteil einer hoch – komplexen menschlichen Wahrnehmung.
In Bezug auf die Auswirkungen, hängt es davon ab, welche Bilder und welche Gedanken dominant sind.

 

2 Beispiele möchte ich an dieser Stelle anführen:

  • Wenn ein Klient sich innerlich eine katastrophale Zukunft ausmalt,
    ist die emotionale und physiologische Reaktion offensichtlich. Angst ist die Folge.
  • Ein Klient, der den Glauben in sich trägt, nichts wert zu sein, wird in unterschiedlichen Kontexten entsprechende innere Kommentierungen aktivieren, die den Glauben bestätigen.
    Es wird eine „Wirklichkeit“ mit weit reichenden persönlichen und sozialen Auswirkungen geschaffen.

 

 

Lösungsansätze

Die Klienten haben meist die Absicht, ihr Problem in den Griff zu kriegen, es zu beseitigen,
den inneren Automatismus von Problem – Sequenzen zu stoppen …
Dies wird versucht durch bewusste (und willkürliche) Einflussnahme, was selten gelingt.

 

Auf professioneller Ebene hat man jahrzehntelang die Haltung vertreten, dass die bewussten Instanzen mit all ihren exzellenten Beurteilungsmechanismen angesichts eines Lösungsprozesses eher störend wirken.

 

Man hat also Techniken entwickelt (z.B. „Konfusionstechniken“), die den bewussten Verstand beschäftigen sollten,
so dass ein „ungehinderter“ Kontakt zum „Unbewussten“ möglich wird.

 

Allerdings ist diese Vorgehensweise nicht gerade wertschätzend, da ja eine Instanz des Klienten (das „Bewusstsein“) ausgeschaltet wird, um mit einer anderen Instanz des Klienten (dem „Unbewussten“) kommunizieren zu können.

 

Das wäre ungefähr so, als wenn man in einer Paartherapie den einen Partner auffordert, Mathematikaufgaben zu lösen, und seine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten, während man mit dem anderen Partner „ungestört“ über die Beziehungsproblematik spricht. Hier ist Parteinahme am Werk.

 

Im hypnotherapeutischen Setting hat diese Arbeitsweise einen entscheidenden Nachteil.
Das „Ausschalten“ des Bewusstseins würde für den Klienten einen Kontrollverlust bedeuten,
was wiederum Widerstand hervorrufen könnte.
Man müsste also besonders trickreich und raffiniert vorgehen, so dass der Klient (und sein bewusster Verstand) es gar nicht merkt, dass er gerade „hintergangen“ wird.

 

In der systemischen Therapie wird der Grundsatz der „Allparteilichkeit“ propagiert.
Damit ist eine wertschätzende Haltung allen beteiligten Instanzen gegenüber gemeint.

 

Legt man diese Idee zu Grunde und sieht sowohl das „Bewusste“ als auch das „Unbewusste“
als innere Instanzen oder als Persönlichkeitsanteile an, so kommt man zu dem Schluss,
dass eine wertschätzende Kooperation zwischen dem bewussten Denken und Handeln und den
unwillkürlichen Prozessen sinnvoll ist.

 

Der „kooperative Ansatz“ beinhaltet somit die Kooperation zwischen Therapeut und Klient und
die Einladung zur Kooperation zwischen den inneren Anteilen.

 

Das „Unbewusste“ / der Organismus / die Intuition / die innere Weisheit … wird zum Kooperationspartner des bewussten Verstandes.

 

Angesichts von „Problemtrancen“ ist es für den Klienten sehr hilfreich, erst einmal aus diesem Erleben herauszukommen, einen emotionalen Abstand zu haben und eine Beobachter – Position einzunehmen. Eine Einladung zu einer solchen Dissoziation wirkt de – hypnotisierend.

 

Bei dem Prozess der De – Hypnotisierung ist der Weg von „unwillkürlich“ nach „willkürlich“.
Das kann ein Verstehen der Zusammenhänge, ein Anschauen von prägenden Erfahrungen und signifikanten Ereignissen bedeuten.
Entscheidend ist hierbei, dass dies in einer wertschätzenden Haltung geschieht,
in der sowohl die „Lernprozesse“, die zum Problemerleben geführt haben, als auch die dahinter stehenden Bedürfnisse und positiven Absichten berücksichtigt werden.
Auch ist die Erkundung der Frage von großem Interesse, wofür bzw. in Bezug worauf das Problem
einen Lösungsversuch darstellt.

 

Darüber hinaus ist die Dissoziation von der „Problemtrance“ eine wichtige Voraussetzung,
um wieder in Kontakt mit dem eigenen Entwicklungspotential zu kommen.

 

Das Nutzbarmachen (Utilisation) von Kompetenzen und Ressourcen des Klienten ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Entwicklungsprozesses.

 

Beim Entwurf von Lösungsszenarien sollte dann unbedingt darauf geachtet werden,
dass mögliche Lösungen auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft werden,
und welche Auswirkungen sie im sozialen Umfeld haben.

 

Aus diesen Erwägungen heraus wird die „Lösungstrance“ entwickelt, in dem der Klient zu assoziiertem Lösungserleben eingeladen wird.

 

Und wie Milton Erickson schon sagte:
Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrung.

Teil 2:

Im folgenden finden Sie eine Zusammenstellung von Problemtrance – Phänomenen,
die der amerikanische Psychotherapeut und Begründer der Quantenpsychologie Stephen Wolinsky in
seinem Buch „Die dunkle Seite des inneren Kindes“ beschreibt.

 

Die Altersregression

  • das Gefühl jünger zu sein, als man ist – bildet den Eckstein des verletzten inneren Kindes.
    Das Bild eines Vorfalls aus der Vergangenheit wird innerlich festgehalten und auf die Erfahrungen
    der Gegenwart trance-feriert.
    Bei Altersregression hat das innere Kind das Ruder übernommen und wird zum Hypnotiseur des Erwachsenen-Ich.
  • Wenn man als Kind, gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte zu unterdrücken, um den Eltern zu gefallen,
    weiß man später selbst nicht mehr, was man will. Es entsteht Ärger und Wut. In Folge dessen zwingt man andere dazu,
    ihre natürliche und emotionale Energie zu unterdrücken. (E-motion bedeutet: etwas hinausbewegen).
    Oder das Gefühl der Wut wird gegen die eigene Person gerichtet.
  • Die „Ich bin nicht klug“ – Trance ist weit verbreitet.
  • Bei der „Du bist schlecht“ – Trance wird die Stimme einer ehemals äußeren Person zur Stimme des inneren Kindes.
    Die Aufgabe des äußeren Hypnotiseurs übernimmt das innere Kind. Das daraus resultierende negative
    Selbstwertgefühl ist Bestandteil der Trance.

Fragen und Anregungen::

  • Wo im physischen Körper ist das innere Kind wahrnehmbar?
  • Welche Emotionen sind mit dem inneren Kind verbunden?
  • Gegen welche Erfahrung wehrt sich das innere Kind?
  • Geben Sie dem inneren Kind einen Namen, so daß Sie in der Beobachterrolle
    bleiben können.

Die Selbstbeobachtung darüber, wie das innere Kind funktioniert, führt zu Bewusstsein.
Es stehen jetzt die Ressourcen des Erwachsenen zur Verfügung, die dem Kind nicht zugänglich waren.
Die De-Hypnose rückt die Erinnerung in den Hintergrund, die Gegenwart in den Vordergrund.

 

Die Zukunftstrance

Drei Aspekte seien hier genannt:

  • Wenn der Geist in die Zukunft wandert, entsteht oft Angst vor imaginären Ereignissen (Siehe Beispiel oben).
    Charakteristisch für diese Zukunftstrance ist das assoziierte Erleben z.B. in den Schmerz angesichts einer
    katastrophalen Zukunft.
    Gedanken an die Zukunft beginnen oft mit „Was, wenn…“
    Wir unterstellen, daß es die Katastrophen der Vergangenheit sind, die hier auf die Zukunft projiziert werden.
  • Kinder schützen sich manchmal vor aktuellem Streß in der Familie dadurch,dass sie sich in ihre Phantasie zurückziehen,
    um sich dort ein angenehmes Erleben zu holen.
    Es ist der Versuch, äußeres Chaos durch eine Trance der Fantasie zu berichtigen. Die Fantasie hat dann den Charakter von
    „Weg von“ und bleibt ohne Feedback von der gegenwärtigen Wirklichkeit.
  • Viele Menschen hängen der „Gewinnen – durch – Verlieren – Trance“ an.
    Hier wird für die Zukunft Abrechnung, Rache usw. geplant.
    Wenn ein Kind glaubt, etwas Falsches getan zu haben, plant es für die Zukunft, als Vermeidung einer Strafe,
    eine Rechtfertigung.
    In der Trance sind nun sowohl die Vorstellung einer Katastrophe als auch die Maßnahmen gegen das
    drohende Verhängnis enthalten.

 

Die Trance der Trennung

  • Sie tritt auf, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, die familiäre Situation zu bewältigen, wenn man ihm verbietet, wütend zu sein,
    oder Zuneigung zu zeigen. Die Folge ist, daß dieser Teil abgespalten wird.
  • Die Trennungs – oder Dissoziations – Trance kann sich auf innere Persönlichkeitsanteile, auf Teile des physischen Körpers
    oder auf den ganzen Körper beziehen. Trennung tritt dann auf, wenn die äußere Wirklichkeit bedroht ist.
  • Um Trennung zu vermeiden, kann ein Kind auch die Trance der Verschmelzung nutzen.
    Verschmelzung ist ein Trancezustand, bei der sich das Kind mit einem Familienmitglied überidentifiziert und mit diesem verschmilzt, um diesem Familienmitglied zu helfen und selbst zu überleben.
    Diese beiden gegensätzlichen Trance – Zustände der Trennung und der Verschmelzung ergänzen sich oft.
    Ein Problem kann ohne eine Trance nicht existieren.
    Diese Art von Trancezuständen ist wie Leim, der die Probleme zusammenhält.

Fragen und Anregungen:

  • Identifizieren Sie die Art der Trance … Trennung oder Verschmelzung ?
  • Wo im Körper ist z. B. die Trennung fühlbar ?
  • Achten Sie darauf, daß Sie Beobachter dieser problematischen Zustände sind.
  • Wenn unterschiedliche Identitätsanteile existieren, z.B. ich bin wie Vater (Verschmelzung) und ich bin ich und muß Vater
    bekämpfen (Rebellion), bleibt der innere Konflikt hypnotisch erhalten.

 

Die „Du mußt – oder Du sollst – Trance“

 

„Du mußt – oder Du sollst“ gelten linguistisch als Modaloperatoren der Notwendigkeit im Inneren Dialog und sind die
verinnerlichten Stimmen ehemals äußerer Personen, wie Vater, Mutter …

Fragen und Anregungen:

  • Erkennen Sie die Sollte – Stimme.
  • Aus welcher Richtung kommt die Stimme?
  • Erkennen Sie, um wessen Stimme es sich handelt.
  • Spielen Sie mit der Stimme durch Submodalitäten – Veränderung (Veränderung des Klanges, der Tonhöhe usw.)
  • Die Schönheit des Beobachters besteht darin, daß er keine Urteile fällt.
  • Oft sind die Botschaften innerer Stimmen darüber, wer oder was wir sind, Introjektionen der elterlichen Stimmen,
    die im Inneren Kind gespeichert sind.
  • Der innere Dialog setzt sich zusammen aus einer Reihe von Interaktionen von Eltern zu Kind.
  • Aufgezeichnete Stimmen werden in die bestehenden Glaubenssysteme eingebaut. So werden Suggestionen
    als die eigenen angenommen.

 

Die Trance des Abblockens

 

Abblocken ist ein Trance – Zustand, der darin besteht, nicht zu hören, was auditiv hörbar ist und nicht zu sehen,
was visuell sichtbar ist.
So verschwinden z.B. Bilder eines sexuellen Mißbrauchs in einer Nebelwand.
In schweren traumatischen Fällen kann sogar der eigene Körper im Nebel verschwinden und dadurch abgeblockt werden.
Bei Alkohol- und Drogenkonsum hilft die jeweilige Substanz, das Abblocken zu verstärken.

 

Die Trance der Illusion

  • Wenn gegenwärtige Erfahrungen durch Bilder, Gefühle oder Stimmen aus der Vergangenheit gestört oder
    unterbrochen werden, sprechen wir von selektiven Trance – Zuständen.
    Vergangenes kann auf diese Weise über die Gegenwart oder über die Zukunft gestülpt werden.
  • Manchmal geschieht es auch, daß bestimmte Gedanken einfach größer gemacht werden.
    So wird z.B. auch in der Therapie aus einer problematischenErfahrung ein winziges positives Element
    herausgefiltert und dann größer gemacht.
  • Das selbe tun Klienten oft in umgekehrter Richtung. Sie filtern einennegativen Bestandteil einer Erfahrung heraus,
    machen diesen Teil größer und können so die Gesamterfahrung als negativ bewerten.
  • Im ersten Fall befinden sich Therapeut und Klient in einer Trance, die der Therapeut einsetzt, um sich produktiv zu fühlen.
    Im zweiten Fall liegt ebenfalls eine Trance im Sinne einer Illusion vor.
    Intensiviert wird die Trance noch, wenn das illusionäre Erleben verallgemeinert und dadurch auf zukünftige
    ähnliche Situationen übertragen wird.
  • Bei einer Illusion wird die Wirklichkeit auf einen kleinen Teil zusammengeschrumpft.
    Dieser Teil wird dann vergrößert oder enorm verzerrt.
  • Viele Menschen stellen sich vor, Stars zu sein. Problematisch wird es, wenn sich die Illusion verfestigt, und
    interpersonelles Feedback unterbrochen wird. Das führt zwangsläufig zu Depressionen.
  • Beim Prozeß des Gedankenlesens werden die Vermutungen darüber, was ein Mensch fühlt oder denkt,
    als Wirklichkeit angenommen.

 

Die Trance des Positiven Denkens

  • Viele Menschen, die dem Phänomen des Positiven Denkens anhängen, investieren enorm viel Energie,
    täglich ihre Übungen zu machen, sich per positiver Gedankenkraft in einen künstlichen Zustand zu manövrieren,
    um das, was dahinter an Problemen in Bezug auf Selbstwert, Identität und Zugehörigkeit lauert,
    nicht mehr fühlen zu müssen.
  • Diese Art des konstruiert positiven Denkens ist der klägliche Versuch, mit Hilfe massiver auditiver
    Einflüsterungspropaganda eine Heile – Welt – Trance zu erschaffen, um die Trance der Depression und des
    Versagens zu überlagern.
    Leider gelingt das nicht all zu häufig.
  • Die lebensgeschichtlichen Themen, die nach Bearbeitung und De-Hypnotisierung drängen,
    nehmen sich früher oder später wieder ihren Raum und zeigen sich z.B. als Konversionssymptome
    auf der körperlichen Ebene.
    Oder die Person gibt irgendwann auf und fällt wieder zurück in den alten depressiven Zustand.

 

Die Trance der Identitätsträume

  • Träume haben manchmal den Zweck, eine bessere Welt im Innern zu schaffen, um den Schmerz der
    Außenwelt zu bewältigen.
    Sobald dieser Traum auf Automatik geschaltet ist, läuft der Traum weiter, als ob er real wäre.
  • In Paarsitzungen ist es häufig ein Problem, wenn einer von beiden den Traum des inneren Kindes träumt.
    So ist es nur konsequent, den Erwachsenen zu bitten, den Traum des inneren Kindes anzuschauen,
    anstatt den Partner ändern zu wollen.
  • Der idealisierte Traum wird über das, was ist, übergestülpt. Bei den meisten Menschen sind Trance – Träume
    auf Automatik geschaltet und Versionen von unerfüllten Kindheitsthemen.

 

Die Trance der Amnesie

  • Amnesie ist ein Verteidigungsmittel, eine Möglichkeit, wie der Beobachter dem Kind helfen konnte,
    die Umstände zu überleben,
    unter denen es aufwuchs.
  • Entsprechende Muster werden im Körper und im Atem festgehalten.
    Körperarbeit hilft, die vergessene oder verleugnete Erinnerung freizulegen.
  • Auch die Hypermnesie ist eine Verteidigungshaltung. Sich an alles erinnern zu können, ist gekennzeichnet
    durch Über – wachsamkeit. Amnesie und Hypermnesie sind Reaktionen auf familiäre Bedingungen.

 

Die Trance der Taubheit und Abgestumpftheit

Hier geht es um emotionale Wahrnehmungsverzerrung.
Sie ist ein Verteidigungsmittel, bei dem der Beobachter im Kind Taubheit und Abgestumpftheit verursacht,
so daß der Erwachsene nur schwerlich Zugang zu seinen Gefühlen hat.

Fragen an das innere Kind:

  • Was bist du bereit zu fühlen, was nicht?
  • Wann hast du dich entschlossen zu fühlen, oder nicht zu fühlen?
  • Vor welchen Erfahrungen schützt dich die Taubheit?

 

Die Trance der Hypersensitivität

 

Es geht um eine Überempfindlichkeit, die sich bis hin zu der Neigung entwickeln kann, alles um sich herum
persönlich zu nehmen.
(Personalisierung)

 

Allen genannten hypnotischen Zuständen ist gemeinsam, daß ihnen prägende Erfahrungen zugrunde liegen,
die auf persönliche Weise interpretiert und bewertet werden. Die Bewertung von Erfahrung ist kein Akt logischer
und vernünftiger Gedankenprozesse, sondern die kinästhetische, d.h. körperliche und emotionale
Reaktion auf das Erleben. Das Korrelat dieser Bewertungen sind die inneren Überzeugungen,
die durch die Verallgemeinerung der Bewertungen entstehen, und maßgeblich Verhalten, Denken und Fühlen bestimmen.

Da die meisten „eingefleischten“ Überzeugungen außerhalb der bewußten Wahrnehmung angesiedelt sind,
wirken sie wie innere Hypnose – Programme und sorgen dafür, dass sie ständig durch Erfahrungen neu gespeist werden.
Alle Werturteile bezüglich der eigenen Person, bezüglich anderer Personen oder Situationen basieren auf Überzeugungen.

Den stärksten Einfluß auf die Persönlichkeit haben Überzeugungen auf der Identitätsebene.
Hier geht es um Selbstbild, Selbstbeurteilung und Selbstwert, aber auch um Selbstverachtung, Verzweiflung
und Wertlosigkeit.

Einschränkende, negative Überzeugungen lassen sich grob in 3 Kategorien einteilen:

  • Wertlosigkeit
    (die Überzeugung, daß man selbst nichts wert ist, und es nicht
    anders verdient hat)
  • Hilflosigkeit (die Überzeugung, daß man selbst nicht in der Lage ist,
    Veränderung zu erreichen)
  • Hoffnungslosigkeit (die Überzeugung, daß „alles“ keinen Sinn hat)

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Die therapeutische Intervention setzt da an, wo es um die ganz individuelle innere Repräsentation des Problems geht.
Die entsprechenden Informationen aus dem visuell – räumlichen, dem kinästhetisch – emotionalen,
und dem auditiven Bereich sind die Bausteine, aus denen sich das Problemerleben zusammensetzt (Komposition).

Wie bei einer musikalischen Komposition beeinflussen sich die Bestandteile gegenseitig und reagieren aufeinander.
Durch ihr Zusammen – Klingen bilden sie ein komplexes System individueller Wahrnehmung.

Um eine Lösung herbeizuführen, um etwas zu lösen, ist es sinnvoll da anzusetzen,
wo etwas auf unangenehme Weise verbunden oder verstrickt ist.
Das bedeutet auch eine Würdigung dessen, wie die Person auf „kunstvolle“ Weise ihre Bausteine der Wahrnehmung angeordnet hat.
Von da aus ist ein Gestaltungsraum offen, der Veränderung im Sinne einer Neustrukturierung einzelner Wahrnehmungsbausteine ermöglicht.

Entsprechend geht es nach dem Prozess der De – hypnotisierung darum, tieferliegende Ressourcen für die Lösung zu aktivieren.

Durch ressourcevolles Verändern des grundlegenden hypnotischen Zustandes entsteht eine Neu – komposition von Wahrnehmungselementen.
Und dadurch können sich wieder neue unterstützende, lebensbejahende und konstruktive Überzeugungen bilden.

So gesehen geht es in der Hypno – Dehypnotherapie darum, internale Rituale zu gestalten,
die das Konstruktive zum Inhalt haben.