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Lösungsorientierte Therapie

Lösungsorientierte Therapie

 

Die lösungsorientierte Therapie basiert auf der Arbeit von Milton Erickson.
Steve de Shazer war Anfang der 70er Jahre Professor für Soziologie. Über Haley (Strategien der Psychotherapie) kam er zu Erickson, der bis zu diesem Zeitpunkt 700 Therapiefälle beschrieben hatte und Wert darauf legte, keine Theorie für seine Arbeit zu haben.
Steve begann mit Zustimmung seiner Vorgesetzten, die Essenz von Ericksons Arbeit herauszukristallisieren. Dabei versuchte er, seine soziologische Theorie anzuwenden. Es funktionierte nicht. Steve gab auf und stellte sich seiner Verwirrung.
Er begann mit Klienten zu arbeiten und stieg aus dem Lehrbetrieb aus. Er kopierte Ericksons Arbeitsstil, um auf diese Weise Interventionsmuster bewusst zu machen und gleichzeitig zu strukturieren.

 

Die ersten Erkenntnisse:

 

  • Der Therapeut akzeptiert die Person des Klienten und nutzt das Problemerleben für eine Lösung (Utilisation).
  • Der Therapeut erkundet, wie er das Symptom nützlich machen kann.
  • Der Therapeut hilft dem Klienten dabei, die eigene Kompetenz zu trainieren.

 

Steve traf John Weekland, Paul Watzlawik u.a., die das Mental Research Institute gegründet hatten, und die ebenfalls dabei waren, auf der Basis von Ericksons Arbeit Modelle der Kurzzeittherapie zu entwickeln.
Eine wichtige Gemeinsamkeit in der Analyse von Fällen in den 70er Jahren war die Erkenntnis, dass Klienten nicht die ganze Zeit Probleme hatten, sondern dass das Problemerleben, wenn es assoziiert erlebt wurde, oft verallgemeinert wurde, so als würde es immer schon bestehen. Also lernten die Forscher nach Ausnahmen zu schauen.

 

Mitte der 70er Jahre wurde das BFTC (Brief Family Therapie Center) von Steve de Shazer in Milwaukee gegründet.
Die Lösungsfokussierung in der Therapie rückte stärker in den Mittelpunkt der Forschung.
Es wurden Konzepte und Computerprogramme zur Lösungsfindung erarbeitet.
Die täglichen Erfahrungen in der Lösungserarbeitung legten den Schluss nahe, dass bestimmte Interventionen und Hausaufgaben übertragbar sind, unabhängig von den Symptomen und Themen der Klienten.

 

Daraus entwickelte sich die folgende Standardaufgabe, die nach der ersten Sitzung gestellt wurde:

 

Bis zur nächsten Sitzung beobachten Sie bitte und beschreiben uns dann,
was in Ihrer Familie so abläuft, dass Sie der Meinung sind, es soll so bleiben.

 

Häufig haben Klienten in der 2. Sitzung berichtet, dass etwas passiert ist, was deutlich anders war (als die vorgebrachte Beschwerde). So wurde diese Standardaufgabe ein nützliches Hilfsmittel, die Tür zu Veränderungen und Lösungen zu öffnen.

 

Um den Zugang zum Klienten zu verbessern und um zu erkunden, was der Klient wünscht und was seine Ziele sind, wurde die Wunderfrage entwickelt.

 

Angenommen, es würde in der kommenden Nacht, während Sie schlafen,
ein Wunder geschehen und Ihr Problem wäre gelöst.
Wie würden Sie das am nächsten Morgen merken ? Was wäre anders ?
Woran würde Ihr Mann/Ihre Frau merken, dass ein Wunder geschehen ist,
ohne dass Sie ein Wort darüber gesagt haben ?

 

Die Wunderfrage verhilft dem Therapeuten sowie dem Klienten zu einem möglichst klaren Bild, wie eine Lösung aussehen könnte.
Zudem kann diese Beschreibung einer beschwerdefreien Zukunft dazu beitragen, die Ausnahme als auffällig einzuschätzen. Im BFTC wird Ausnahme definiert als alles, was passiert, wenn die Beschwerde nicht vorhanden ist.

 

Von der ersten Sitzung an geht es also darum, eine Lösung zu erarbeiten, indem die Suche nach Ausnahmen initiiert wird. Das ist ein wesentlicher Punkt in der Lösungstheorie.
Ganz gleich, wie viel der Klient über sein Problem (Beschwerde) erzählt, das Gespräch wird immer wieder auf die beschwerdefreie Zeit gelenkt. Wichtig ist es, zu erkunden, ob der Klient weiß, wie er die Verhaltensweisen aufrechterhalten kann, die die Ausnahme ausmachen.
Dann schaltet der Therapeut um auf die gemeinsame Erarbeitung der Beschreibung einer Zukunftsvision, in der die Beschwerde verschwunden ist (Wunderfrage).

 

Der Therapeut ist sich darüber bewusst, dass sich die Probleme im Territorium des Klienten ereignen, und dass er sich ausschließlich mit seiner Konstruktion dessen, wie der Klient seine persönliche Realität konstruiert, befasst.
Er hat lediglich mit den Landkarten des Gebiets zu tun.
Das therapeutische Interview ist also ein gemeinsamer Gestaltungsprozess.
Klient und Therapeut sind Ko – Autoren einer gemeinsamen therapeutischen Realität.

 

Allgemeine Richtlinien der lösungsorientierten Therapie: 

 

  • Stelle fest, welche Dinge der Klient tut, die gut, nützlich und wirksam sind.
  • Stelle den Unterschied fest zwischen dem, was geschieht, wenn eine Ausnahme vorkommt und dem, was geschieht,
    wenn die Beschwerde auftritt. Fördere das erstere.
  • Wenn möglich, lasse Dir jede Ausnahme Schritt für Schritt beschreiben.
    Finde heraus, was funktioniert, bzw. finde heraus, was funktioniert hat bzw. finde heraus, was funktionieren könnte;
    dann verschreibe das Leichteste.
    Sind Aspekte der Ausnahme (oder der Beschwerde) irgendwie zufällig,
    dann bau etwas Willkürliches oder einen Zufallsfaktor in die Aufgabe ein.
  • Wenn nötig, lass Dir die Beschwerde Schritt für Schritt beschreiben.
  • Stelle Unterschiede zwischen hypothetischen Lösungen und der Beschwerde fest.
  • Stelle Dir eine Lösungsversion vor, indem du
    – Ausnahmen zur Regel machst,
    – den Ort des Beschwerdemusters veränderst,
    – in der Zusammensetzung der am Beschwerdemuster Beteiligten eine Änderung bewirkst,
    – die Reihenfolge der beteiligten Schritte veränderst,
    – dem Beschwerdemuster ein neues Element oder einen neuen Schritt hinzufügst,
    – die Dauer des Musters verlängerst
    – zufälliges Anfangen und Beenden einführst,
    – die Häufigkeit des Musters erhöhst,
    – die Modalität des problematischen Verhaltens änderst.
  • Entscheide, was für den Klagenden / Kunden passt, d.h. welche Aufgabe, basierend auf welcher Variablen einem bestimmten Klienten vernünftig erscheinen wird.
    Welche wird der Klagende am ehesten akzeptieren ?
    Welche wird der Kunde am ehesten ausführen ?

 

Bei diesen Richtlinien wird deutlich, dass es hier in keiner Weise um die Erforschung der Ursachen eines Problems geht.
Die Systematisierung der therapeutischen Fälle im BFTC hat gezeigt, dass die Beschwerde des Klienten fast immer den Wunsch beinhaltet, von etwas befreit zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das zu bewerkstelligen ist.
Deshalb wird jeder Unterschied im Verhalten, Denken, Fühlen, Wahrnehmen im Kontext dafür genutzt, einen Unterschied zu machen, (der einen Unterschied macht), der zur Lösung der Beschwerde führt.

 

Steve de Shazer sagt dazu:

 

Das Problem ist lediglich die Fahrkarte für die Therapie.
Wofür sollen wir uns mit der Fahrkarte befassen ?

Die Einteilung der Klienten

 

Um die Beziehung zwischen Therapeut und Klient skizzenhaft zu beschreiben, werden 3 Gruppen von Klienten unterschieden:

  • Besucher
    Klienten, die geschickt oder mitgenommen werden, die selbst keine Beschwerde haben.
    Intervention:
    Komplimente machen, und Ausschau halten nach dem, was funktioniert.
    Der Besucher bekommt keine weiteren Aufgaben.
  • Klagende
    Klienten, die eine Beschwerde haben, die Lösung als Resultat des Gesprächs erwarten.
    Intervention:
    Beobachtungs- oder Denkaufgabe als Hausaufgabe. (s. Standardaufgabe)
  • Kunde
    Klienten, die eine Beschwerde haben und bereit sind, etwas für die Lösung zu tun.
    Intervention:
    Nachdem die Unterschiede zwischen Ausnahme (oder hypothetischer Lösung) und Beschwerde beschrieben sind, wird die Hausaufgabe in Form von Verhaltensaufgaben gegeben: Tue mehr von dem, was wirkt

Komplimente:

 

In jeder Sitzung werden dem Klienten nach einer kleinen Konsultationsphase Komplimente darüber gemacht, was er „Richtiges“, „Gutes“, „Wirksames“ und „Nützliches“ tut.
Durch dieses Lob und die positive Konnotation erfährt er eine deutliche Wertschätzung.
Das stärkt den Rapport in der therapeutischen Beziehung, erweitert die Ressourcen des Klienten und fördert die Kooperations- bereitschaft und eine Ja – Haltung, auch für die anstehenden Aufgaben.

 

Aufgaben:

 

Die Hausaufgaben helfen dem Klienten dabei, seine Erfahrungen anders zu deuten und somit die Beschreibung seiner Situation abzuwandeln. Die Aufgaben liegen größtenteils bereits im Erfahrungsbereich des Klienten, bzw. gehören zu seinem Repertoire und unterstützen den Klienten darin, nützliche und wirksame Verhaltensweisen zu fokussieren und zu verstärken.

Beispiel: Herr H. bringt die Beschwerde vor, dass er sehr deprimiert ist. Im Erstgespräch stellt sich heraus, dass es gelegentlich spontane Ausnahmen gibt. Der Therapeut hilft Herrn H. dabei, die Unterschiede zwischen „guten Tagen“ und „schlechten Tagen“ herauszuarbeiten. Die Aufgabe, die Herr H. mit nach Hause nimmt, lautet dann:

 

Tun Sie mehr von dem, was an guten Tagen funktioniert.

 

Bei Klienten, die eher dem Typus „Klagender“ entsprechen, werden Beobachtungsaufgaben gegeben. (s.o.)
Manchmal wird ein Klient auch gebeten, am Vorabend eine Voraussage zu machen, ob das Symptom am nächsten Tag auftritt. Solch ein – auf den ersten Blick – widersinniges Vorgehen, Dinge vorherzusagen, die scheinbar nur zufällig eintreten, hat die Implikation, dass sie doch beeinflussbar sind. Außerdem lenkt die abendliche Vorhersage das Denken auf ein neues Element: nicht mehr die Vermeidung des Symptoms ist als Ziel markiert, sondern die richtige Vorhersage.
Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede geschärft, die zwischen den Tagen mit und ohne Symptom bestehen. Damit ist die Grundlage für die Beeinflussung gelegt.

 

Dekonstruktion:

 

Beim Dekonstruktionsprozeß sucht der Therapeut nach irgendeinem Punkt im logischen System des Klienten, der unlogisch ist, ein Punkt, der die problematische Konstruktion zusammenfallen lässt.
Zentralkarte:

 

Ab Mitte der 80er rückte im BFTC immer mehr die Verfeinerung und Anwendung der Wunderfrage ins Zentrum der ersten Sitzung.

Der Ablauf einer ersten Sitzung kann wie folgt strukturiert werden:

 

Wunderfrage:

 

1. Teil

 

Ich hab eine seltsame und ungewöhnliche Frage … (Pause)

Stell dir sich den Fall vor, daß …
(Pause, wie Pausen in der Musik)

… wenn wir hier fertig sind, gehst du nach Hause, und tust all die Dinge,
die du jeden Tag tust, ißt zu Abend, siehst ein wenig fern,
oder tust irgend etwas anderes, und du gehst zu Bett und schläfst ein …
(Pause)

Und während du schläfst, geschieht ein Wunder … (Pause)

Und die Probleme, die dich hergebracht haben, sind im Nu gelöst … (Pause)

Aber es geschieht genau dann, wenn du schläfst, so kannst du nicht wissen,
daß es geschehen ist …
(Pause)

Wenn du also am nächsten Morgen aufwachst, wie wirst du entdecken,
woran wirst du erkennen, daß das Wunder geschehen ist ?

(Pause und warten …)

 

Meistens ist die erste Antwort:

ich weiß es nicht.

 

Welchen Wert hat eine Frage mit einer leichten Antwort ? (Sh. Holmes)

(Pause und warten)

 

Erfrage Details: wer, was, wann, wo, wie
(um so realer wird der Tag nach dem Wunder)

Und was noch ?

2. Teil 

 

Ohne daß du selbst etwas sagst, wie oder woran könnten andere Leute merken (wissen), daß das Wunder geschehen ist ?

 

Details

Und was noch ? …

3. Teil

Wann war es das letzte Mal, an das du dich erinnern kannst,
als die Dinge von der Art geschehen sind, wie an diesem Tag nach dem Wunder ?

 

Details

Und was noch ? …

Woran haben andere gemerkt, daß Dinge von der Art geschehen sind, … ?


4. Teil

Auf einer Skala von 0-10 wobei 10 dafür steht, wie es am Tag nach dem Wunder und 0 dafür steht, wie es am Tag der Terminvereinbarung für die Therapie war, wo zwischen 0 und 10 bist du gerade jetzt ?

Was ist anders ?
Woran würdest du merken, daß du bei 4 (wenn vorher bei 3) angekommen bist ?

Auf der gleichen Skala, wo warst du an dem Tag, der so ähnlich war, wie der Tag nach dem Wunder ?

Was würden andere Leute sagen, wo du bist ?
(meistens ein Punkt höher als die Selbsteinschätzung)
Was ist es, was andere sehen, was du selbst nicht siehst ?

 

Denkpause …
Komplimente, Aufgaben

 

2. Sitzung

 

Die Struktur wiederholt sich in allen weiteren Sitzungen.
Beginn mit dem 5. Teil

Was hat sich verändert ?
Was hat sich verbessert ?
Was ist besser ?

 

In der Regel gibt es eine Verbesserung.

Was hast du gemacht, um Dinge besser zu machen ?
Was ist geschehen, daß sich Dinge verbessert haben ?

Ist die Verbesserung gut genug ?
Wenn die Dinge auf diesem Level bleiben, wäre das okay ?

 

Wenn ja, einrichten einer Zuversichtsskala

Wie sehr vertraust du darin, daß Dinge dauerhaft gut genug sind ?
(Skala von 1-10)

 

Mit Hilfe von Skalen können subjektive Gefühlszustände gemessen werden.
Auch ist es möglich, Fortschritte zu messen und somit die Lösungserarbeitung zu erleichtern.

 

Denkpause

 

Komplimente

 

Aufgaben

Die Bedeutung der Kommunikation

Die Bedeutung der Kommunikation in menschlichen Systemen

 

Indem Menschen miteinander Kommunizieren, stellen sie durch den Austausch von Informationen Beziehung her.

In menschlichen Beziehungen geht es darum, Freiräume für das Teilen und Entwickeln von Gedanken, Visionen und Gefühlen zu schaffen, in denen respektvolle und wertschätzende Begegnung und Erweiterung der persönlichen Horizonte stattfinden kann.

 

Das aus dem lateinischen stammende Wort communicare bedeutet:

teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen.

Mit dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Handlung in einem sozialen System gemeint,

in dem Menschen miteinander interagieren. Wesentliche Aspekte dieser sozialen Handlung sind zum einen Anregung durch Signalsetzung und zum anderen Teilhabe. Aus beidem kann etwas Gemeinsames entstehen. (lateinisch communio: „Gemeinschaft“, communis: „gemeinsam“).

 

Ein soziales System setzt sich aus Personen zusammen, die durch eine spezifische Interaktion miteinander in Beziehung treten und auf diese Weise soziale Strukturen und Gruppen- Dynamik schaffen. Diese Dynamik in der Beziehungsgestaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Persönlichkeit.

Je nach Qualität und Ausrichtung der Beziehungen und zirkulären Verknüpfungen entstehen aus dieser Dynamik positive oder negative Regelkreise, die das System entweder in sei­ner

Wei­terentwicklung fördern oder behindern.

Wertehaltungen und Überzeugungen, die Menschen im Verlauf ihrer Sozialisation entwickeln, sind hierfür Gestaltungs- und Lenkungs- Mittel.

Lenkungsvorgänge sind Prozesse der Informationsaufnahme, -verar­bei­tung und -übermittlung.

Ein menschliches System ist jederzeit entwicklungsfähig: wenn es den beteiligten Personen gelingt,

  • ihre persönlichen Potentiale zu entwickeln, zu kommunizieren und für das Gemeinwesen (das System) nutzbringend zu realisieren
  • offen für die Haltungen anderer zu sein
  • flexibel mit den unterschiedlichen Standpunkten umzugehen
  • geschaffene bzw. bereits vorhandene Strukturen zu reflektieren
  • aktiv an der Entstehung eines gemeinsamen Lernfeldes mitzuwirken

Kein Mensch ist allein auf dieser Welt: Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster haben in menschlichen Systemen eine ordnungsgebende Funktion. Andererseits werden dem einzelnen Mitglied durch die Strukturen, die sich entwickelt haben, Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster „angeboten“, die unterstützend oder einschränkend wirken können.

 

Kommunikation ist also kein linearer Prozess, sondern Teil eines zirkulären Geschehens, das getragen ist durch die Wechselwirkung in Beziehungen.

 

Was wird nun eigentlich kommuniziert ? … allgemein geantwortet: das, was Menschen wahrnehmen:

 

  • die äußere Welt in Form von Personen, Dingen, Orten, Informationen, Ereignisse
  • die innere Welt in Form von Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen, Erfahrungen

 

In Bezug auf die Wahrnehmung der äußeren Welt hat man früher geglaubt, Menschen könnten das, was sie im Außen beobachten, innerlich 1 zu 1 abbilden.

Jedoch ist diese Annahme, dass es eine objektive Art der Beobachtung und eine objektive Wirklichkeit gibt, wissenschaftlich nicht haltbar. Das wusste im Grunde schon der Grieche Epiktet, als er vor mehr als 2000 Jahren formulierte:

 

Erfahrung ist nicht das, was mit einem Menschen geschieht.
Sie ist das, was ein Mensch aus dem macht, was mit ihm geschieht, und wie er das Geschehene bewertet.

 

Gerhard Roth, ein namhafter Hirnforscher der Gegenwart formuliert neurobiologisch:

 

Die Sinnesorgane übersetzen die ungeheure Vielfalt der Welt in die ‘Einheitssprache’ der bioelektrischen Ereignisse. Bei diesem Übersetzungsprozess geht das “Original” verloren.

Die “Sprache” des Nervensystems selbst ist bedeutungsneutral.

Weil aber im Gehirn der signalverarbeitende und der bedeutungserzeugende Teil eins sind, können die Signale nur das bedeuten, was entsprechende Gehirnteile ihnen an Bedeutung zuweisen: Wahrnehmung ist Interpretation, ist Bedeutungszuweisung.

 

Gerade in sozialen Kontexten schafft die persönliche Bewertung und Bedeutungsgebung eine subjektive Wirklichkeit. Wahrnehmung ist also immer Ausdruck einer subjektiven Selbstkonstruktion oder anders ausgedrückt: Wahrnehmung ist das, was man als Beobachter auf ganz persönliche Weise als wahr annimmt.

Die Grundlage für Interpretation und Bewertung sind die biographischen Erfahrungen.

Aus diesen Erfahrungen und deren Interpretation bilden sich innere Haltungen in Form von Denk- und Fühl- Mustern, Werten und Überzeugungen heraus, die wiederum die Grundlage für spätere Interpretationen bilden.

 

Was bedeutet das nun für Kommunikationsprozesse ?

Wenn ich das, was mich innerlich beschäftigt (meine Gedanken, Gefühle, Vorstellungen …) in Worte fasse, so geschieht das auf der Grundlage der in meinem Leben lerngeschichtlich geprägten Muster. Diese Muster beinhalten meine persönlichen Erfahrungen und wie ich diese Erfahrungen emotional und gedanklich ausgewertet und welche Handlungs- Konsequenzen ich daraus abgeleitet habe.

Wenn ich das in Worte fasse, was ich in der Außenwelt wahrnehme, formuliere ich meine persönliche Sichtweise, basierend auf meinen persönlichen Überzeugungen und Wertehaltungen.

Vor vielen Jahren hab ich zufällig im Fernseher eines der letzten Interviews mit Ruth Cohn (Psychoanalytikerin und Begründerin der Themenzentrierten Interaktion) gesehen. Sie wurde gefragt, was denn die Essenz aus ihrer jahrzehntelangen therapeutischen und gruppenpädagogischen Arbeit mit Menschen sei.

Frau Cohn überlegte einen Moment und antwortete dreigeteilt; sie sagte:

  • alle Menschen sind gleich … (wenn man über Jahrzehnte mit 1000en Klienten gearbeitet hat, stellt man fest, dass es ein Repertoire an menschlichen Themen gibt und dass diese Themen sich wiederholen)
  • alle Menschen sind verschieden … (obwohl sich die Themen und die Sozialisationsprozesse ähneln, unterscheiden sich die Ausprägungen und deren Konsequenzen auf sehr persönliche Weise)
  • alle Menschen sind gleich und verschieden zugleich

Es verbindet ungemein, auf einen Menschen zu treffen, der ähnliche Werte und Überzeugungen vertritt und mit dem man Erfahrungen teilen kann.

2 menschliche Grundbedürfnisse werden dadurch gleichzeitig erfüllt:

zum einen erzeugt der Gleichklang ein Gefühl der Zugehörigkeit,

und zum anderen kann man sich in seiner individuellen Art verstanden fühlen.

Doch mögen die Gemeinsamkeiten noch so groß sein (wir nutzen ja schließlich auch eine gemeinsame Sprache …), auch die Unterschiede liegen auf der Hand.

Nehmen wir als Beispiel die Begriffe „Freiheit“ und „Glück“. Jeder kennt die Worte, aber die Bedeutungszuweisung und die Assoziationen werden wohl sehr verschieden sein.

 

Somit bin ich bei einem weiteren wichtigen Merkmal von Kommunikation angekommen:

Unterschiedsbildung ist ein zentrales Werkzeug zum Bewerten und Interpretieren von Dingen, Ereignissen und Informationen.

Unterschiede kontrastieren Gegensätze.

Im Spannungsfeld der Unterschiede entsteht ein Spektrum von Entwicklungs- Möglichkeiten, oder anders formuliert: im kommunikativen Austausch lernen wir voneinander, indem wir uns in den Gemeinsamkeiten bestärken, gemeinsame Ideen, Visionen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Und wir lernen voneinander, indem wir, was die Unterschiede betrifft, uns gegenseitig respektvoll zuhören (wozu auch ein Unterbrechen gehören kann anstatt Interesse vorzutäuschen) und uns vom Gesprächspartner und von seinen Gedanken und Sichtweisen inspirieren lassen. So kann in der Kommunikation ein einfühlsames Geben und Nehmen entstehen. Und der Kommunikationsprozess kann gleichermaßen genutzt werden, um sich in Authentizität (einem ehrlichen und klaren Ausdruck), Respekt und Mitgefühl zu üben.

 

In hierarchischen Gesellschaften kann man oft eine Art der Kommunikation beobachten, die

  • Eigenverantwortung leugnet
  • auf Fehlverhalten der Anderen fokussiert
  • moralisch urteilt und Vorwürfe macht
  • das eigene Denken für unumstößlich wahr und allgemeingültig hält.

 

Eine mehr lebensfördernde und respektvolle Art der Kommunikation ist getragen von persönlicher Präsenz und Verantwortungsbewusstsein und achtet die Werte, Gefühle und Bedürfnisse der Anderen.

 

Die bewusste Wahrnehmung des ICH und des DU ist eine wichtige Voraussetzung.

Jeder hat seinen Freiraum, den er/sie nutzen kann, den eigenen Impulsen zu folgen, das mitzuteilen, was gerade beschäftigt oder innerlich in Arbeit ist.

Aus dem Austausch über ein THEMA kann etwas Verbindendes, ein WIR entstehen.

Und all das (ICH, DU, WIR und das THEMA) ist eingebettet in das Wissen, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen, einer WELT sind, zu deren Gelingen oder Scheitern wir beitragen können.

 

Und es lohnt sich, über all diese Aspekte zu sprechen, sich auszutauschen und sich zu vernetzen.

 

Denn ein Text ohne einen Leser hat keine Bedeutung; erst die Beziehung zwischen einem Text und seinen Lesern lässt Bedeutung entstehen.

Fortbildung in Hypnotherapie

Fortbildung in Hypnotherapie

 

Das vorliegende Konzept beinhaltet die aktuellen Standards einer kooperativ ausgerichteten, lösungsorientierten Hypnotherapie.

Bereichert wird das Konzept durch die vielseitige Methodik der Neurolinguistischen Psychotherapie (NLPt).

 

In der Hypnotherapie werden Trance – Zustände gezielt zur Förderung von Selbstorganisation und Selbstheilung genutzt.
Dies geschieht durch sprachliche Suggestion und durch eine wertschätzende Haltung, die den Klienten als Kooperationspartner darin unterstützt, eigene Kompetenzen und schöpferische Ressourcen zu aktivieren und zieldienlich zu nutzen.

 

Der hypnotherapeutische Prozess wird hier verstanden als ein lebendig fließender Erfahrungsprozess von meist nach innen orientierter, fokussierter Aufmerksamkeit, der Zugang zu Ressourcen und unbewussten Lösungsmöglichkeiten schafft.
Der Therapeut ist in diesem Verständnis durch eine empathische Haltung und durch die Art seiner Intervention aktiv an den „Konstruktionen der Realität“ beteiligt.
Er ist gleichermaßen mit all seinen Erkenntnismöglichkeiten Teil des therapeutischen Kontextes.Die hypnotherapeutische Vorgehensweise ist nachweislich sehr erfolgreich bei der Behandlung von psychischen, psychosomatischen und somatischen Symptomen.

 

Die Fortbildung richtet sich an Menschen, die ihr berufliches Repertoire erweitern möchten.

 

Angesprochen sind insbesondere:
ÄrztInnen, BeraterInnen, TherapeutInnen, und Andere, die im psychosozialen Bereich tätig sind.

Termine auf Anfrage

 

Inhalte:
Grundlagen einer modernen lösungsbezogenen Hypnotherapie

  • Würdigung der „Landkarten“ des Klienten
  • Der Klient entwickelt die Trance, nicht der Therapeut
  • Charakteristika für Trance – Prozesse
  • Problemtrance versus Lösungstrance
  • Utilisation von sprachlichen und analogen Informationen aus dem Klientensystem
  • Induktion von aufmerksamkeits- fokussierenden Erlebniszuständen

Hypnotische Sprachmuster und de- hypnotisierende Fragen

  • Die (selbst-) hypnotischen Sprachmuster des Klienten
  • Die sprachliche Spezifizierung von Informationen mit Hilfe des Meta – Modells
  • Grundlegende Fragen, Zirkuläre Fragen, Es – Fragen, Hypothetische Fragen
  • Umgang mit komplexen Verkoppelungen von Informationen
  • Milton- Modell (Prozesssprache zur Einleitung und Vertiefung von Trance – Prozessen)
  • „weiche“ und permissive Formulierungen
  • Einladung zu „Such- und Finde- Prozessen“ durch offene Formulierungen

Zielorientierung

  • Als – Ob – Realitäten
  • Angleichen an gewünschtes Erleben (Future pacing)
  • Kriterien für Zielformulierungen
  • Arbeit mit „Werten“
  • Utilisation von Ressourcen und Kompetenzen des Klienten
  • Verknüpfung von ressourcevollen Erfahrungen mit physiologischen Parametern
  • Hypothetische Lösungsszenarien
  • Positive Selbstbilder

Unterschiedsbildung

  • Umgang mit Dichotomien
  • Kooperation zwischen bewussten und unbewussten Instanzen
  • Analoges Markieren
  • Submodalitätenveränderung
  • Meta- Programm- Interventionen
  • Sowohl als auch – Logik

Die innere Kooperation

  • Systemische Grundgedanken
  • Arbeit mit Raumankern und Symbolen
  • Verhandeln mit und zwischen Persönlichkeitsanteilen
  • Das Innere Team / die innere Konferenz
  • Reframing
  • Perspektivenwechsel
  • Imaginäre Mentoren

Biographisches Arbeiten

  • Nutzen von Spontan – Regression
  • Re – Imprinting (assoziiert)
  • Re – Imprinting (dissoziiert)
  • Re – Parenting
  • Arbeit mit internalisierten Zuweisungen

Symptombehandlung

  • De-Hypnotisierung bei „Problemtrancen“
  • Kommunikation mit Symptomen
  • Nutzen von ideomotorischen Signalen
  • Schmerzbehandlung
  • Symbolisierung

Supervision und Selbstpositionierung

  • Besprechung von Trance – Prozessen
  • Live – Supervision
  • Eigenes Rollenverständnis