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Lösungsorientierte Therapie

Lösungsorientierte Therapie

 

Die lösungsorientierte Therapie basiert auf der Arbeit von Milton Erickson.
Steve de Shazer war Anfang der 70er Jahre Professor für Soziologie. Über Haley (Strategien der Psychotherapie) kam er zu Erickson, der bis zu diesem Zeitpunkt 700 Therapiefälle beschrieben hatte und Wert darauf legte, keine Theorie für seine Arbeit zu haben.
Steve begann mit Zustimmung seiner Vorgesetzten, die Essenz von Ericksons Arbeit herauszukristallisieren. Dabei versuchte er, seine soziologische Theorie anzuwenden. Es funktionierte nicht. Steve gab auf und stellte sich seiner Verwirrung.
Er begann mit Klienten zu arbeiten und stieg aus dem Lehrbetrieb aus. Er kopierte Ericksons Arbeitsstil, um auf diese Weise Interventionsmuster bewusst zu machen und gleichzeitig zu strukturieren.

 

Die ersten Erkenntnisse:

 

  • Der Therapeut akzeptiert die Person des Klienten und nutzt das Problemerleben für eine Lösung (Utilisation).
  • Der Therapeut erkundet, wie er das Symptom nützlich machen kann.
  • Der Therapeut hilft dem Klienten dabei, die eigene Kompetenz zu trainieren.

 

Steve traf John Weekland, Paul Watzlawik u.a., die das Mental Research Institute gegründet hatten, und die ebenfalls dabei waren, auf der Basis von Ericksons Arbeit Modelle der Kurzzeittherapie zu entwickeln.
Eine wichtige Gemeinsamkeit in der Analyse von Fällen in den 70er Jahren war die Erkenntnis, dass Klienten nicht die ganze Zeit Probleme hatten, sondern dass das Problemerleben, wenn es assoziiert erlebt wurde, oft verallgemeinert wurde, so als würde es immer schon bestehen. Also lernten die Forscher nach Ausnahmen zu schauen.

 

Mitte der 70er Jahre wurde das BFTC (Brief Family Therapie Center) von Steve de Shazer in Milwaukee gegründet.
Die Lösungsfokussierung in der Therapie rückte stärker in den Mittelpunkt der Forschung.
Es wurden Konzepte und Computerprogramme zur Lösungsfindung erarbeitet.
Die täglichen Erfahrungen in der Lösungserarbeitung legten den Schluss nahe, dass bestimmte Interventionen und Hausaufgaben übertragbar sind, unabhängig von den Symptomen und Themen der Klienten.

 

Daraus entwickelte sich die folgende Standardaufgabe, die nach der ersten Sitzung gestellt wurde:

 

Bis zur nächsten Sitzung beobachten Sie bitte und beschreiben uns dann,
was in Ihrer Familie so abläuft, dass Sie der Meinung sind, es soll so bleiben.

 

Häufig haben Klienten in der 2. Sitzung berichtet, dass etwas passiert ist, was deutlich anders war (als die vorgebrachte Beschwerde). So wurde diese Standardaufgabe ein nützliches Hilfsmittel, die Tür zu Veränderungen und Lösungen zu öffnen.

 

Um den Zugang zum Klienten zu verbessern und um zu erkunden, was der Klient wünscht und was seine Ziele sind, wurde die Wunderfrage entwickelt.

 

Angenommen, es würde in der kommenden Nacht, während Sie schlafen,
ein Wunder geschehen und Ihr Problem wäre gelöst.
Wie würden Sie das am nächsten Morgen merken ? Was wäre anders ?
Woran würde Ihr Mann/Ihre Frau merken, dass ein Wunder geschehen ist,
ohne dass Sie ein Wort darüber gesagt haben ?

 

Die Wunderfrage verhilft dem Therapeuten sowie dem Klienten zu einem möglichst klaren Bild, wie eine Lösung aussehen könnte.
Zudem kann diese Beschreibung einer beschwerdefreien Zukunft dazu beitragen, die Ausnahme als auffällig einzuschätzen. Im BFTC wird Ausnahme definiert als alles, was passiert, wenn die Beschwerde nicht vorhanden ist.

 

Von der ersten Sitzung an geht es also darum, eine Lösung zu erarbeiten, indem die Suche nach Ausnahmen initiiert wird. Das ist ein wesentlicher Punkt in der Lösungstheorie.
Ganz gleich, wie viel der Klient über sein Problem (Beschwerde) erzählt, das Gespräch wird immer wieder auf die beschwerdefreie Zeit gelenkt. Wichtig ist es, zu erkunden, ob der Klient weiß, wie er die Verhaltensweisen aufrechterhalten kann, die die Ausnahme ausmachen.
Dann schaltet der Therapeut um auf die gemeinsame Erarbeitung der Beschreibung einer Zukunftsvision, in der die Beschwerde verschwunden ist (Wunderfrage).

 

Der Therapeut ist sich darüber bewusst, dass sich die Probleme im Territorium des Klienten ereignen, und dass er sich ausschließlich mit seiner Konstruktion dessen, wie der Klient seine persönliche Realität konstruiert, befasst.
Er hat lediglich mit den Landkarten des Gebiets zu tun.
Das therapeutische Interview ist also ein gemeinsamer Gestaltungsprozess.
Klient und Therapeut sind Ko – Autoren einer gemeinsamen therapeutischen Realität.

 

Allgemeine Richtlinien der lösungsorientierten Therapie: 

 

  • Stelle fest, welche Dinge der Klient tut, die gut, nützlich und wirksam sind.
  • Stelle den Unterschied fest zwischen dem, was geschieht, wenn eine Ausnahme vorkommt und dem, was geschieht,
    wenn die Beschwerde auftritt. Fördere das erstere.
  • Wenn möglich, lasse Dir jede Ausnahme Schritt für Schritt beschreiben.
    Finde heraus, was funktioniert, bzw. finde heraus, was funktioniert hat bzw. finde heraus, was funktionieren könnte;
    dann verschreibe das Leichteste.
    Sind Aspekte der Ausnahme (oder der Beschwerde) irgendwie zufällig,
    dann bau etwas Willkürliches oder einen Zufallsfaktor in die Aufgabe ein.
  • Wenn nötig, lass Dir die Beschwerde Schritt für Schritt beschreiben.
  • Stelle Unterschiede zwischen hypothetischen Lösungen und der Beschwerde fest.
  • Stelle Dir eine Lösungsversion vor, indem du
    – Ausnahmen zur Regel machst,
    – den Ort des Beschwerdemusters veränderst,
    – in der Zusammensetzung der am Beschwerdemuster Beteiligten eine Änderung bewirkst,
    – die Reihenfolge der beteiligten Schritte veränderst,
    – dem Beschwerdemuster ein neues Element oder einen neuen Schritt hinzufügst,
    – die Dauer des Musters verlängerst
    – zufälliges Anfangen und Beenden einführst,
    – die Häufigkeit des Musters erhöhst,
    – die Modalität des problematischen Verhaltens änderst.
  • Entscheide, was für den Klagenden / Kunden passt, d.h. welche Aufgabe, basierend auf welcher Variablen einem bestimmten Klienten vernünftig erscheinen wird.
    Welche wird der Klagende am ehesten akzeptieren ?
    Welche wird der Kunde am ehesten ausführen ?

 

Bei diesen Richtlinien wird deutlich, dass es hier in keiner Weise um die Erforschung der Ursachen eines Problems geht.
Die Systematisierung der therapeutischen Fälle im BFTC hat gezeigt, dass die Beschwerde des Klienten fast immer den Wunsch beinhaltet, von etwas befreit zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das zu bewerkstelligen ist.
Deshalb wird jeder Unterschied im Verhalten, Denken, Fühlen, Wahrnehmen im Kontext dafür genutzt, einen Unterschied zu machen, (der einen Unterschied macht), der zur Lösung der Beschwerde führt.

 

Steve de Shazer sagt dazu:

 

Das Problem ist lediglich die Fahrkarte für die Therapie.
Wofür sollen wir uns mit der Fahrkarte befassen ?

Die Einteilung der Klienten

 

Um die Beziehung zwischen Therapeut und Klient skizzenhaft zu beschreiben, werden 3 Gruppen von Klienten unterschieden:

  • Besucher
    Klienten, die geschickt oder mitgenommen werden, die selbst keine Beschwerde haben.
    Intervention:
    Komplimente machen, und Ausschau halten nach dem, was funktioniert.
    Der Besucher bekommt keine weiteren Aufgaben.
  • Klagende
    Klienten, die eine Beschwerde haben, die Lösung als Resultat des Gesprächs erwarten.
    Intervention:
    Beobachtungs- oder Denkaufgabe als Hausaufgabe. (s. Standardaufgabe)
  • Kunde
    Klienten, die eine Beschwerde haben und bereit sind, etwas für die Lösung zu tun.
    Intervention:
    Nachdem die Unterschiede zwischen Ausnahme (oder hypothetischer Lösung) und Beschwerde beschrieben sind, wird die Hausaufgabe in Form von Verhaltensaufgaben gegeben: Tue mehr von dem, was wirkt

Komplimente:

 

In jeder Sitzung werden dem Klienten nach einer kleinen Konsultationsphase Komplimente darüber gemacht, was er „Richtiges“, „Gutes“, „Wirksames“ und „Nützliches“ tut.
Durch dieses Lob und die positive Konnotation erfährt er eine deutliche Wertschätzung.
Das stärkt den Rapport in der therapeutischen Beziehung, erweitert die Ressourcen des Klienten und fördert die Kooperations- bereitschaft und eine Ja – Haltung, auch für die anstehenden Aufgaben.

 

Aufgaben:

 

Die Hausaufgaben helfen dem Klienten dabei, seine Erfahrungen anders zu deuten und somit die Beschreibung seiner Situation abzuwandeln. Die Aufgaben liegen größtenteils bereits im Erfahrungsbereich des Klienten, bzw. gehören zu seinem Repertoire und unterstützen den Klienten darin, nützliche und wirksame Verhaltensweisen zu fokussieren und zu verstärken.

Beispiel: Herr H. bringt die Beschwerde vor, dass er sehr deprimiert ist. Im Erstgespräch stellt sich heraus, dass es gelegentlich spontane Ausnahmen gibt. Der Therapeut hilft Herrn H. dabei, die Unterschiede zwischen „guten Tagen“ und „schlechten Tagen“ herauszuarbeiten. Die Aufgabe, die Herr H. mit nach Hause nimmt, lautet dann:

 

Tun Sie mehr von dem, was an guten Tagen funktioniert.

 

Bei Klienten, die eher dem Typus „Klagender“ entsprechen, werden Beobachtungsaufgaben gegeben. (s.o.)
Manchmal wird ein Klient auch gebeten, am Vorabend eine Voraussage zu machen, ob das Symptom am nächsten Tag auftritt. Solch ein – auf den ersten Blick – widersinniges Vorgehen, Dinge vorherzusagen, die scheinbar nur zufällig eintreten, hat die Implikation, dass sie doch beeinflussbar sind. Außerdem lenkt die abendliche Vorhersage das Denken auf ein neues Element: nicht mehr die Vermeidung des Symptoms ist als Ziel markiert, sondern die richtige Vorhersage.
Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede geschärft, die zwischen den Tagen mit und ohne Symptom bestehen. Damit ist die Grundlage für die Beeinflussung gelegt.

 

Dekonstruktion:

 

Beim Dekonstruktionsprozeß sucht der Therapeut nach irgendeinem Punkt im logischen System des Klienten, der unlogisch ist, ein Punkt, der die problematische Konstruktion zusammenfallen lässt.
Zentralkarte:

 

Ab Mitte der 80er rückte im BFTC immer mehr die Verfeinerung und Anwendung der Wunderfrage ins Zentrum der ersten Sitzung.

Der Ablauf einer ersten Sitzung kann wie folgt strukturiert werden:

 

Wunderfrage:

 

1. Teil

 

Ich hab eine seltsame und ungewöhnliche Frage … (Pause)

Stell dir sich den Fall vor, daß …
(Pause, wie Pausen in der Musik)

… wenn wir hier fertig sind, gehst du nach Hause, und tust all die Dinge,
die du jeden Tag tust, ißt zu Abend, siehst ein wenig fern,
oder tust irgend etwas anderes, und du gehst zu Bett und schläfst ein …
(Pause)

Und während du schläfst, geschieht ein Wunder … (Pause)

Und die Probleme, die dich hergebracht haben, sind im Nu gelöst … (Pause)

Aber es geschieht genau dann, wenn du schläfst, so kannst du nicht wissen,
daß es geschehen ist …
(Pause)

Wenn du also am nächsten Morgen aufwachst, wie wirst du entdecken,
woran wirst du erkennen, daß das Wunder geschehen ist ?

(Pause und warten …)

 

Meistens ist die erste Antwort:

ich weiß es nicht.

 

Welchen Wert hat eine Frage mit einer leichten Antwort ? (Sh. Holmes)

(Pause und warten)

 

Erfrage Details: wer, was, wann, wo, wie
(um so realer wird der Tag nach dem Wunder)

Und was noch ?

2. Teil 

 

Ohne daß du selbst etwas sagst, wie oder woran könnten andere Leute merken (wissen), daß das Wunder geschehen ist ?

 

Details

Und was noch ? …

3. Teil

Wann war es das letzte Mal, an das du dich erinnern kannst,
als die Dinge von der Art geschehen sind, wie an diesem Tag nach dem Wunder ?

 

Details

Und was noch ? …

Woran haben andere gemerkt, daß Dinge von der Art geschehen sind, … ?


4. Teil

Auf einer Skala von 0-10 wobei 10 dafür steht, wie es am Tag nach dem Wunder und 0 dafür steht, wie es am Tag der Terminvereinbarung für die Therapie war, wo zwischen 0 und 10 bist du gerade jetzt ?

Was ist anders ?
Woran würdest du merken, daß du bei 4 (wenn vorher bei 3) angekommen bist ?

Auf der gleichen Skala, wo warst du an dem Tag, der so ähnlich war, wie der Tag nach dem Wunder ?

Was würden andere Leute sagen, wo du bist ?
(meistens ein Punkt höher als die Selbsteinschätzung)
Was ist es, was andere sehen, was du selbst nicht siehst ?

 

Denkpause …
Komplimente, Aufgaben

 

2. Sitzung

 

Die Struktur wiederholt sich in allen weiteren Sitzungen.
Beginn mit dem 5. Teil

Was hat sich verändert ?
Was hat sich verbessert ?
Was ist besser ?

 

In der Regel gibt es eine Verbesserung.

Was hast du gemacht, um Dinge besser zu machen ?
Was ist geschehen, daß sich Dinge verbessert haben ?

Ist die Verbesserung gut genug ?
Wenn die Dinge auf diesem Level bleiben, wäre das okay ?

 

Wenn ja, einrichten einer Zuversichtsskala

Wie sehr vertraust du darin, daß Dinge dauerhaft gut genug sind ?
(Skala von 1-10)

 

Mit Hilfe von Skalen können subjektive Gefühlszustände gemessen werden.
Auch ist es möglich, Fortschritte zu messen und somit die Lösungserarbeitung zu erleichtern.

 

Denkpause

 

Komplimente

 

Aufgaben

AIKIDO – Prinzip in der Psychotherapie

Das AIKIDO – Prinzip in der Psychotherapie

 

AIKIDO ist ein in Japan von MORIHEI UYESHIBA begründeter Weg der körperlichen und geistigen Schulung zur Selbsterweiterung des Menschen.
Morihei Uyeshiba (1883-1969) stammte aus einer angesehenen Samurai-Familie,
erlernte die verschiedenen klassischen Kampfkünste Japans und erforschte deren Grundprinzipien.
Dabei erkannte er, dass in allen Kampfsportarten eine künstliche Polarität zwischen Menschen erzeugt wird, die auf Gewalt und Gegengewalt beruht.
Diese Grundkonstellation, so Uyeshiba, fördert Aggression und führt zur Eskalation von Gewalt.
Aus dieser Erkenntnis heraus formte er ein neues System einer kodierten Körpersprache und Körperdynamik zur Entwicklung und Regeneration geistig – seelischer und körperlicher Kräfte.
Eine tief empfundene Harmonie mit der Natur und dem Kosmos und ein Respekt vor allem Lebendigen bilden die Basis des AIKIDO.
Entgegen der oben beschriebenen Haltung in den Kampfsportarten, durch Kampf und Gewalt einen Sieg zu erreichen, geht es im AIKIDO um das harmonische Vereinen gegensätzlicher Kräfte.

 

AIKIDO heißt übersetzt:

AI Harmonie, Einheit, Liebe
KI geistige Urkraft, kosmische Energie, Fluidum
DO Weg

 

Uyeshiba beschreibt die Bedeutung des AIKIDO mit folgenden Worten:

 

AIKI ist keine Technik, um den Feind zu bekämpfen oder zu besiegen;
es ist der Weg, die Welt zu versöhnen und aus den Menschen eine Familie zu machen.
Das Geheimnis des AIKIDO ist es, sich mit den Bewegungen des Universums in Einklang zu bringen
und mit ihm zu harmonisieren.

 

Um Kräfte zu vereinen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen, werden im AIKIDO kreis – und spiralförmige Bewegungen geübt.
Diese spielerisch wirkenden, geschmeidigen Bewegungsabläufe bewirken nicht nur eine Kräftigung des Körpers, sondern auch Bewusstheit und Klarheit im Verhalten.
Einfachheit, Natürlichkeit und Friedfertigkeit sind hierbei wesentliche Bestandteile.

 

Die nachfolgenden Ausführungen haben die Absicht, anhand von AIKIDO – Grundzügen,
wesentliche Aspekte der Beziehungsgestaltung zwischen TherapeutIn und KlientIn zu beschreiben.
(T steht für TherapeutIn, K steht für KlientIn)

 

Die Persönlichkeit von T 

 

Der Aikidoka agiert aus der Mitte heraus.
Die stabile Ausgangsposition ermöglicht ihm den effektiven Einsatz seiner Kräfte zur Lösung der mit dem Leben verbundenen Aufgaben.

 

Es ist eine Grundvoraussetzung für Menschen, die mit anderen Menschen therapeutisch arbeiten,
dass sie sich in einem permanenten Prozess der Selbsterfahrung und Selbstreflektion befinden.
Das ist keineswegs eine übliche Sichtweise. Vor einigen Jahren verkündete ein Psychologie – Professor mit Stolz, dass er vor 30 Jahren Selbsterfahrung gemacht und deshalb ein Hinterfragen seiner Person oder seines Tuns nicht nötig hat.

 

Der permanente Prozess der Selbsterfahrung bedeutet natürlich in erster Linie, mit sich selbst im Sinne einer körperlich-geistig-emotionalen Gesunderhaltung bzw. Gesundung in Übung zu bleiben.
Körperliche und geistig – emotionale Beweglichkeit bilden sozusagen den Nährboden, auf dem gesunde Beziehungen zu anderen Menschen und ein gesunder Kontakt zu sich selbst im Innern gedeihen können.
Wie soll ein T, die/der die Signale des eigenen Körpers ignoriert, die körpersprachlichen Botschaften von K wahrnehmen und sie als kodierte Aussage innerer Konstellationen verstehen ?
Wie soll ein T, die/der die eigenen Beziehungen (Ehe, Partnerschaft, Familie …) ungeklärt lässt,
einem K auf kongruente Weise Unterstützung geben, wenn es um Paar- und Familienthemen geht ?
Wie soll ein T, die/der mit sich selbst im Unreinen ist, einem K Hilfestellung geben bei der Lösung von Konflikten ?

 

Sich seiner selbst bewusst zu sein, eigene Fähigkeiten und Kompetenzen realistisch einzuschätzen, mit sich selbst liebevoll, wachsam und wertschätzend umzugehen, gut für sich selbst zu sorgen, eine wohltuende Haltung einzunehmen …
das sind wichtige Vorab – Bedingungen, um einen wertschätzenden Kontakt zu anderen Menschen,
innerhalb und ausserhalb von therapeutischen Settings, aufzubauen.

 

Beziehungsgestaltung 

 

Wer immer auf den Boden schaut, kann nicht die Sterne sehen

 

Die Annahme, dass es eine objektive Wirklichkeit gibt, hat sich in den letzten Jahrzehnten philosophisch und naturwissenschaftlich als nicht haltbar erwiesen.
Zahlreiche Untersuchungen, auch in der Hirnforschung, legen den Schluss nahe, dass wir es, wenn es um Wahrnehmung der Wirklichkeit geht, mit ganz persönlichen Konstruktionen von Realität zu tun haben.
In sozialen Kontexten ist es gerade die persönliche Bewertung und Bedeutungsgebung von
Ereignissen oder Erlebnissen, die eine subjektive Wirklichkeit schafft. (sozialer Konstruktivismus)

 

Schon bei Epiktet heißt es:

 

Erfahrung ist nicht das, was mit einem Menschen geschieht.
Sie ist das, was ein Mensch aus dem macht, was mit ihm geschieht,
und wie er das Geschehene bewertet.

 

Heinz von Förster, ehemals Professor für Informatik, Biophysik, Physiologie formuliert die Grundzüge des sozialen Konstruktivismus folgendermaßen:

 

Es ist doch ein unglaubliches Wunder, das hier stattfindet.
Wenn man nur für einen Moment sagt:
Das bist du, der diese Sicht der Welt produziert, das ist nicht draußen, das ist nicht irgendeine sogenannte objektive Wirklichkeit, auf die man sich beziehen kann.
Man kann nicht mehr andere verantwortlich machen für das, was man sieht, denn man ist ja selbst derjenige, der diese Sicht konstruiert.
Die Menschen erhalten ihre Verantwortung in größtmöglichem Maße wieder zurück, können sie nicht an irgendeine übergeordnete Instanz oder irgendwelche äußeren Umstände abschieben. Sie werden Beteiligte.

 

Paul Watzlawick, Professor für Psychiatrie und Lehrbeauftragter für Psychotherapie, formuliert folgendermaßen:

 

Wir leben in einer imaginären Wirklichkeit.

 

Ruth Cohn, die Begründerin der TZI (Themenzentrierte Interaktion), antwortet in einem Interview auf die Frage, was wohl die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrer jahrzehntelangen therapeutischen Arbeit seien, mit den folgenden 3 Sätzen:

 

Alle Menschen sind gleich
Alle Menschen sind verschieden
Alle Menschen sind gleich und verschieden

 

Geht man davon aus, dass sich im therapeutischen Kontext Themen wiederholen, – einfach, weil es menschliche Themen sind -, so ist doch die Ausprägung der Themen eine ganz persönliche.

Individuelle biographische Komponenten mögen ihren Teil dazu beitragen, dass gegenwärtige Erfahrungen auf besondere (persönliche) Weise interpretiert werden.

Alfred Korzybski, ein Psychologe und „Neurolinguist“ hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts die These aufgestellt, dass Menschen durch die Ansammlung von Erfahrungswerten (und der jeweiligen Bedeutungsgebung) „innere Landkarten“ anlegen, mit Hilfe derer sie in der äußeren Welt Orientierung finden.
Sein Satz Die Landkarte ist nicht das Gebiet unterscheidet die äußere Welt von dem, was Menschen innerlich daraus machen. Weiterhin formuliert er sinngemäß:
Menschen reagieren nicht unmittelbar auf die äußere Welt, sondern auf die inneren Landkarten.

 

Subjektive Wirklichkeiten – also das, was bei einem Menschen ganz persönlich wirkt -, beinhalten Aspekte der Wahrnehmung und Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens.
Wesentliche Aspekte der Beziehungsgestaltung im therapeutischen Kontext sind

 

  • die wertschätzende Aufmerksamkeit für K
  • Offenheit und Wachsamkeit für die persönlichen Realitätskonstruktionen

 

In vielen therapeutischen Verfahren gibt es rigide Vorgehensweisen, die auf eine ebenso rigide Kategorisierung von menschlichem Verhalten zurückgreifen.
Eine vermeintlich symptombezogene Sicht lässt die Individualität und die Persönlichkeit von K oftmals außer acht.

 

Eine Geschäftsfrau, deren Firma Konkurs anmelden musste, leidet unter der Situation.
Sie schildert ihrem Hausarzt die Lage und klagt über Schlafstörungen.
Der Hausarzt überweist sie an einen Psychoanalytiker. In der ersten Therapiestunde bekommt die Klientin einen Fragebogen, für dessen Beantwortung sie 40 min braucht. Die Frau soll in dem Bogen eintragen, wann sie zum ersten Mal ihre Regel hatte, wann sie zum ersten Mal einen Mann geküsst hat,
wann sie das erste Mal Geschlechts- verkehr hatte usw. Nach dieser ersten Sitzung, die damit endet, dass der Analytiker der Klientin beim Überfliegen der Antworten im Fragebogen sagt, dass man in der Therapie wohl weit in die Kindheit zurückgehen müsste, weiß er nichts über die Beweggründe der Frau, in Therapie zu kommen, nichts über deren Leiden, nichts über ihre Hoffnungen usw.

 

Solche standartisierten Verfahren gehen an den Bedürfnissen der Menschen vorbei und missachten die Persönlichkeit der Klienten.

 

In modernen „konstruktivistischen“ Therapieverfahren weiß man um die Wichtigkeit des grundlegenden Respekts und der Wertschätzung der Klienten in ihrer Individualität.
Man geht davon aus, dass ein „Pacing“, ein Angleichen an die subjektiven Realitätskonstruktionen der Klienten notwendig ist, um einen sinnvollen, gemeinsamen Prozess zu initiieren.
Und somit bin ich auch wieder beim Weg des Aiki angekommen.

 

Durch die Vereinigung von Kräften in einer fließenden Bewegung
entsteht ein harmonisches Miteinander.

 

Es ist wie ein gemeinsamer Tanz, der von T Wachsamkeit, Flexibilität und eine neugierige „Forscherhaltung“ verlangt, um die Botschaften und Impulse von K aufzunehmen und entsprechend dem therapeutischen Auftrag in eine gewünschte Richtung hin gemeinsam entwickeln zu können. Ein wohltuendes „Eigenpacing“, wie es im ersten Abschnitt beschrieben wurde, ist hier selbstverständlich vorausgesetzt.

 

Die Einstellung des Menschen offenbart sich in seiner Haltung

 

Vor einigen Jahrzehnten wurde von Milton Erickson der Begriff „Utilisation“ geprägt.
Damit ist gemeint: ein zieldienliches Nutzbarmachen von für den therapeutischen Prozess hilfreichen Aspekten aus dem subjektiven Modell der Welt des Klienten.

 

Jeff Zeig, der Vorsitzende der Milton Erickson Foundation, beschreibt das Prinzip der Utilisation als eine Philosophie der Effizienz. Jeff Zeig in einem seiner Seminare:

Utilisation

 

  • macht die Therapie experimentell, erfinderisch
  • erhält sie frisch
  • gibt Energie
  • ist die Grundlage für Lösungen
  • macht Spaß
  • hält T jung
  • führt zu Assoziationen

 

Utilisation bezieht sich auf die

 

  • verbalen Botschaften von K
    (Sinnespräferenzen in der Sprache, Schlüsselbegriffe, Überzeugungen,
    hypnotische Sprachmuster im Sinne von wirkungsvollen Selbstsuggestionen)
  • nonverbalen Botschaften von K
    (Bewegung, Körperhaltung, Gestik, Mimik usw., im Sinne von ideomotorischen Signalen,
    die als spezifische Codierung von innerem Erleben fungieren)
  • gegenwärtigen Denk- und Fühlmuster
  • Stärken, Erfolgserlebnisse, Sternstunden
  • Fähigkeiten, Qualitäten und Werte
  • Selbstbilder
  • Erfahrungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
  • systemische Dynamik, in der K erlebt und agiert.

 

K wird im therapeutischen Prozess dort respektvoll abgeholt, wo er/sie sich gerade befindet.
Dabei spielt die Wachsamkeit von T eine große Rolle, die oben genannten Signale von K als stimmigen Ausdruck des gegenwärtigen Zustands wahrzunehmen.

 

Im Aikido wird im besonderen die kinästhetische und die visuelle Aufmerksamkeit geschult, damit die Energie des Übungspartners aufgenommen und weitergeführt werden kann.

 

Im Therapiekontext ist der Fokus der Aufmerksamkeit im weiteren Verlauf auf die Kompetenzen und Ressourcen von K gerichtet, die letztendlich die Grundlage für ein Lösungserleben bieten.

 

Im Rahmen eines dynamisch fliessenden, gemeinsamen Prozesses geht es immer wieder um ein feinfühliges Wahrnehmen von veränderungsstimulierenden und kompetenzstabilisierenden Aspekten und um die Fähigkeit des Innehaltens, wenn Erkenntnisse gewonnen und eine Vertiefung des gewünschten Erlebens erreicht werden.

 

Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch viele Möglichkeiten der Lebensgestaltung
gelernt hat und ein großes Potential für Veränderung in sich trägt.

 

AIKIDO THERAPIE
  • Gemeinsame fließende, runde Bewegungen
  • Die Energie des Partners aufnehmen und in eine Kreisbahn lenken
  • Fließende, lebendige Kommunikation
  • Austausch von Ideen
  • Utilisation von verbalen und
    körpersprachlichen Signalen
  • Therapeutische Einladungen und Angebote zur Entwicklung von Lösungsszenarien
  • De – Strukturierung von einschränkenden
    Erlebnismustern und Neustrukturierung

B
E
Z
I
E
H
U
N
G
  • Wahrnehmung nach außen
  • Aufmerksamkeit mit allen Sinnen,
    vor allem visuell und kinästhetisch
  • Entspannte Offenheit
  • Kontakt halten
  • Wahrnehmung nach außen
  • Wachsamkeit mit allen Sinnen
    Pacing
  • Informationen sammeln

E
X
T
E
R
N
  • Standfestigkeit
  • Erdverbundenheit
  • Friedfertigkeit
  • Zentriertheit
    (In der eigenen Mitte ruhen)
  • Flexible Stabilität
  • Bewusstsein für die eigene Haltung
  • Selbstsicherheit
  • Eigen – Pacing
    (Guter Kontakt zu sich selbst)
  • Mit sich im Einklang sein
  • Offene Selbstwahrnehmung
  • Stabile Flexibilität
  • Verantwortung für die eigene Haltung
  • Klarheit

I
N
T
E
R
N

 

Plädoyer für eine neue Psychotherapie

Plädoyer für eine Neuorientierung in der Psychotherapie

 

In Artikel 3 des in Deutschland seit dem 01.01.1999 geltenden Psychotherapeutengesetzes heißt es:

 

Ausübung von Psychotherapie im Sinne dieses Gesetzes ist jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Im Rahmen einer
psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen.
Zur Ausübung von Psychotherapie gehören nicht psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben.

 

Die sogenannten „Störungen mit Krankheitswert“ sind zusammengefasst im ICD 10
(International Statistical Classification of Diseases) und im DSM 4 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders).

 

Das psychotherapeutische Menschenbild                

in den Ausführungen von ICD und DSM ist einem defizitorientierten medizinischen Denken entlehnt, das die Aufmerksamkeit vorwiegend auf „Störungen“ bzw. „Krankheiten“ richtet.

 

Es sei erlaubt, an dieser Stelle einige Fragen zu formulieren:
Wenn von „Störungen“ die Rede ist …

 

  • Wer oder was „stört“ denn da eigentlich ?
  • Wer oder was wird „gestört“ ?
  • Auf welche Weise geschieht dieses „Stören“ ?
  • Und die „Gestörten“, sind das die Klienten, oder andere Personen, etwa Familienangehörige,
    Mitarbeiter, Vorgesetzte, ein gesellschaftliches Regelsystem, eine Norm, eine Moral … ?
  • Wer entscheidet darüber, was eine „Störung“ und was eine „Nicht- Störung“ ist ?
  • Und wer entscheidet darüber, was krank ist und was gesund ?

 

Interessanterweise sind die Definitionen von Gesundheit innerhalb des medizinischen Denksystems in der Regel Negativbestimmungen, d. h., Gesundheit wird als Abwesenheit oder Freisein von Krankheit beschrieben.

 

Das medizinische Denksystem 

wurzelt in den philosophischen und naturwissenschaftlichen Errungenschaften des 17. Jahrhunderts. Hier seien insbesondere das Erkenntnismodell und das Weltbild von Descartes erwähnt:

 

Descartes geht davon aus, dass die Welt so ist, wie sie ist. Sie ist von Gott geschaffen und ihr Bauplan und ihre Gesetzmäßigkeiten sind von Gott festgelegt.
Die Wechselbeziehungen der Objekte in dieser Welt sind durch mechanische Gesetze bestimmt und unterliegen dem Prinzip von Ursache und Wirkung.

 

Der nach Erkenntnis strebende menschliche Geist (bei Descartes „res cogitans“) nimmt die Position eines Beobachters ein, der versucht, die Gesetzmäßigkeiten der Dinge geistig zu durchdringen und sie berechenbar zu machen, indem er komplexe Phänomene in ihre Bestandteile zerlegt.
Die Beobachtungen haben in diesem Denken keinen Einfluss auf die beobachteten Objekte, also auf die „objektive Realität“ der Dinge.
Descartes nimmt eine strenge Trennung zwischen Geist und Materie, bzw. zwischen Subjekt und Objekt vor.

 

Im 19. und 20. Jahrhundert feierte die Medizin aufgrund dieses Denkens beeindruckende Erfolge.
In den wissenschaftlichen Laboratorien wurden erstmalig Bakterien identifiziert und isoliert und passende Gegenmittel entwickelt.
Ärzte konnten von nun an ihren Patienten helfen, indem sie die „Krankheit“ diagnostizierten und die entsprechenden Gegenmittel verabreichten. Die oberste Handlungsdirektive allen ärztlichen Tuns lautete: „Diagnose und Behandlung“.

 

Im 20. Jahrhundert wurde die Anwendung des medizinischen Modells ausgedehnt auf psychische, emotionale Probleme und auf zwischenmenschliche Konflikte. Anhand der Beschwerden und Symptome von Patienten wurden „Landkarten“ über psychische „Krankheits“- Phänomene (s. DSM und ICD) angelegt, um möglichst schnell die sogenannten
„Störungen mit Krankheitswert“ diagnostizieren und behandeln zu können.

 

Im Zuge zunehmender Technisierung wurde das menschliche Individuum (das Unteilbare) mit Hilfe von Diagnosen reduziert auf Symptome und Krankheitsbilder. Die Ganzheitlichkeit des Menschen wurde vollkommen vernachlässigt.

 

In der Psychiatrie (und das geschieht bis heute) hat man weniger Wert auf die psychologischen Dimensionen von Problemen und Leidenszuständen gelegt, sondern man hat versucht, organische Ursachen für die sogenannten „seelischen Störungen“ zu finden.

 

Es liegt auf der Hand, dass Diagnosen, die einen symptombezogenen Fokus haben, einem Menschen nicht gerecht werden. Es gibt immer wieder Beispiele dafür, wie Diagnosen missbraucht werden können.

 

Da „psychische Störungen“ auch als Abweichung von der Norm definiert werden, stellt sich die Frage: Wer bestimmt eigentlich, was normal ist ?
(in ähnlicher Weise zu verstehen wie die Frage: wer bestimmt eigentlich, was krank und was gesund ist ?)

 

  • Homosexualität galt lange Zeit als behandlungsbedürftige psychische Störung
  • Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass Schizophrenie häufiger bei schwarzen Angehörigen der
    Unterschicht diagnostiziert wurde als z. B. bei Personen aus der weißen Mittelschicht
  • In der Sowjetunion wurden politisch Andersdenkende über viele Jahre als Schizophrene abgestempelt und
    in geschlossene Anstalten interniert. Offiziell gab es so keine politischen Gefangenen
  • In vielen Ländern der Erde werden unliebsame Kritiker in psychiatrischen Anstalten gefangen gehalten und gefoltert

 

Diese Liste ließe sich beliebig erweitern. Zu zeigen war hier lediglich die politische Dimension von Diagnosen im Bereich der sogenannten „psychischen Störungen“.

 

In den 60er Jahren

im Zuge des Aufbruchs zu neuen kulturellen, gesellschaftlichen und persönlichen Erfahrungen, entstand in England und Italien eine „antipsychiatrische Bewegung“. Die Psychiater Laing (in England) und Basaglia (in Italien) proklamierten, dass „psychische Krankheit“ als eine Erfindung der herrschenden Kreise einer Gesellschaft und insbesondere als eine Erfindung von Psychiatern anzusehen ist.
Die Stigmatisierung „psychisch krank“ wird als Mittel zur Durchsetzung herrschender Interessen genutzt, also um Herrschaft und Einkommen (bei den Psychiatern) zu sichern.

 

Das eigentliche Problem sahen die „Antipsychiater“ in der Ablehnung (per Abstempelung = Diagnose) von sozial abweichendem bzw. gesellschaftlich unerwünschtem Verhalten.
Laing, Basaglia und ihre KollegInnen stellten bei ihrer langjährigen Tätigkeit als Psychiater fest,
dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Leiden, dem Problemerleben der Klienten und der Symptomatik, die Folge der Diagnostizierung von „Krankheit“ ist, gibt.
Sie prägten den Begriff „Anstaltskrankheit“, um zu verdeutlichen, dass die Anstalt die Patienten durch die diagnostische Abstempelung zu Kranken erst krank macht.
Die Annahme der Rolle eines Kranken führe dazu, dass die Betroffenen sich so verhalten, wie es angeblich psychisch Kranken entspricht.

 

Laing zog aus seinen Erfahrungen in der Psychiatrie die Konsequenz, aus diesem krank machenden System auszusteigen. Er lebte ab 1965 als gleichberechtigter Mitbewohner in einer Wohngemeinschaft mit als schizophren diagnostizierten Personen.
Er gründete die Philadelphia Association, um Menschen durch gemeinschaftliche Wohnformen die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt zu ersparen.
Als Buchautor bezog er deutlich Position gegen die mystifizierende Verdinglichung der von Freud als unbehandelbar betrachteten psychotischen Geistesstörungen.

 

Für Laing waren psychische Leidenszustände im Kontext einer familiären und gesellschaftlichen Genese zu sehen.

 

In Italien führte die antipsychiatrische Bewegung dazu, dass die Anstalten in Triest und anderen Städten geöffnet wurden, das Autoritätsgefälle zwischen Ärzten, Therapeuten und Patienten aufgehoben wurde.
Die Patienten erlangten ihre menschlichen Grundrechte und Freiheiten wieder.
Wichtige klinikrelevante Themen wurden im Forum der Vollversammlung besprochen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kritik der antipsychiatrischen Bewegung sehr deutlich auf die Gefahr des Missbrauchs von psychiatrischer und psychotherapeutischer Definitionsmacht hinweist.
Auch heute noch werden Menschen aufgrund psychiatrischer / psychopathologischer Diagnosen eingesperrt und entmündigt; „zu ihrem eigenen Wohl, zum Schutz …“ heißt es.
Doch der Spruch „Wir wollen doch nur Dein/Ihr Bestes“ ist hinlänglich bekannt und oft genug gehört aus dem Munde repressiver Pädagogen.
Es scheint heute zur gängigen Praxis zu gehören, dass auch Klienten bei Ärzten und Psychotherapeuten mit pathologischen Diagnosen konfrontiert werden. So kam eine Klientin zu mir in Praxis, völlig aufgelöst, und berichtete, eine Therapeutin hätte ihr nach einem Erstgespräch gesagt, „sie habe Borderline“.
Eine andere Klientin bekam von ihrem Hausarzt (der keinen therapeutischen Ausbildungshintergrund hat) zu hören, sie leide an „krankhaften Angststörungen“. Als sie dann einen Therapeuten aufsuchte, erfuhr sie aus seinem Munde,
dass ihre Krankheit (nämlich die „Angst- und Zwangsstörung“) „unheilbar“ sei.

 

Diese Beispiele (und es ließe sich noch eine Vielzahl davon aufführen) sind aktuell und nicht etwa, wie man meinen könnte, aus dem letzten Jahrhundert.
Meine Kritik bezieht sich hier keineswegs auf therapeutisches Wissen, sondern auf die an Kategorien von Lehrbüchern ausgerichtete Deutungsarroganz von ÄrztInnen und TherapeutInnen, die oftmals Hoffnungslosigkeit bei KlientInnen zur Folge hat.

 

Diese Deutungsarroganz schafft durch die Macht des Deutenden ein für den therapeutischen Prozess wenig hilfreiches Autoritätsgefälle.
Der Beziehung zwischen TherapeutIn und KlientIn fehlt dadurch die kooperative Basis.
Der Klient wird durch die Diagnose dazu verführt, mit seiner inneren Aufmerksamkeit nur noch auf seine „psychische Erkrankung“ zu starren und sie in allen Lebensbereichen zu „erfinden“ und zu manifestieren.

 

Die pathologische Diagnose wirkt diffus und verstärkt die Problem – Symptome.
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Klient die Vielzahl an Veröffentlichungen über „Borderline“ und die kontroversen Diskussionen darüber kennt.

 

Was vielmehr als Botschaft ankommt, ist: Sie sind krank … oder Sie haben eine schwere psychische Erkrankung
Solche Botschaften haben den Charakter von machtvollen Suggestionen, die den Klienten in eine
„Ich bin psychisch krank“ – Hypnose hineinversetzen, mit all den über das Maß des Ausgangs- Problemerlebens hinausgehenden Ängsten, Befürchtungen, Fantasien, inneren Negativ – Bestätigungen und Selbstverurteilungen. Lösungen geraten bei diesem Denken erst mal vollständig aus dem Blickfeld.

 

Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass pathologiebezogene Diagnosen eine vordergründige Erleichterung und Entspannung beim Klienten zur Folge haben können, aber eben nur eine vordergründige.

 

Hintergründig wird das „Krankheitsbild“ als Alibi genutzt, um den aktuellen Problemen aus dem Wege zu gehen, eben mit der Begründung „ich bin ja krank … ich kann das nicht … ich bin damit überfordert … usw.“

Es wird der Anschein erweckt, als hätte man z.B. „Borderline“, so wie man z.B. ein Magengeschwür hat. Aber auch diese Variante verfestigt letztendlich das Problemerleben.

 

Ein neuer Gesundheitsbegriff

Nachdem ich nun (wie ich finde) ausgiebig die Manifestierung eines Problemfokus` kritisiert habe, indem ich eines der Probleme im psychotherapeutischen Bereich fokussiert habe, möchte ich mein Plädoyer für eine konstruktive, lösungsbezogene und selbstverständlich auch Problem- wertschätzende Psychotherapie beginnen.

 

Die Welt hat sich verändert; sie ist nicht mehr,
wie sie einmal war, und ihre neuen Probleme können deshalb nicht mehr auf der Grundlage eines Denkens
angepackt werden, das uns aus vergangenen Jahrhunderten überkommen ist.

Michail Gorbatschow (1987)

 

Wir leben heute in einer multikulturellen, global vernetzten Gesellschaft.
Eine zeitgemäße Psychotherapie muss sich von althergebrachten Methoden defizitärer Modelle und Denkweisen verabschieden, um eine Neuorientierung vollziehen zu können.
Wir haben die Chance, die Erkenntnisse und Erfahrungswerte der Antipsychiatrie, der Humanistischen Psychologie, des sozialen Konstruktivismus, des systemischen und lösungsorientierten Ansatzes und der jeweiligen Vertreter zu nutzen, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise menschlicher Themen.
Das bedeutet selbstverständlich, den Menschen wieder als Einheit von Körper, Geist und Seele zu sehen und ihn als Teil eines spezifischen sozialen Gefüges wahrzunehmen.

 

Menschliche Themen können verstanden werden als Ausdruck von emotionalen und geistigen Aspekten des Erlebens im Kontext der eigenen Biographie und der jeweiligen familiären und beruflichen Lebensumstände.
Diesem Ansatz liegt ein multidimensionaler Gesundheitsbegriff zugrunde, der die Eigenverantwortlichkeit und Gestaltungsfähigkeit des Menschen hervorhebt.

 

In der Präambel der Charta der Weltgesundheitsorganisation WHO heißt es:

 

Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen physischen, geistigen und sozialen Wohlergehens und
nicht nur das Fehlen von Krankheit und Behinderung.

 

Diese Aussage könnte doch Hinweis in neue Richtung sein.

 

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat in den letzten Jahrzehnten das Konzept der Salutogenese entwickelt, das als Gegenpol der immer noch vorherrschenden Pathogenese zu verstehen ist.
Die Salutogenese (salus, lat.: Unverletztheit, Heil, Glück; genese, griech.: Entstehung) beschäftigt sich mit den Faktoren, die für eine Erhaltung von Gesundheit wichtig sind.
Im Mittelpunkt des salutogenetischen Konzepts steht der Begriff des „Kohärenzgefühls“.
Damit ist eine Haltung gemeint, wie man vorhandene persönliche Ressourcen, Kompetenzen und
Eigenverantwortlichkeit stärken kann, um sie für die Erhaltung von Gesundheit und für eine konstruktive Gestaltung des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens effektiv nutzen zu können.

Gesundheit ist in diesem Zusammenhang kein passiver Zustand, sondern ein aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen.

 

Die Grundlagenforscher

Ein Forscher, der zu nachhaltigen Weichenstellungen in therapeutischen Konzepten beigetragen hat und der heute als Wegbereiter systemischer Therapiekonzepte gilt, war der Anthropologe Gregory Bateson.
In seinen frühen anthropologischen Studien in Neuguinea kam er zu dem Ergebnis, dass Menschen nicht einfach dominant oder unterwürfig, unterstützend oder abhängig, verrückt oder normal sind, sondern sich vielmehr in umfassenden Beziehungsmustern verhalten, die bestimmte „Eigenschaften“ erst hervorbringen.
Zum ersten Mal wurden menschliches Verhalten und die Ausprägung von Persönlichkeitsstrukturen im Rahmen von Beziehungssystemen diskutiert.

 

Heute weiß man, dass Menschen in jedem System – hier ist mit System allgemein die Gesamtheit interagierender Elemente gemeint – (sei es die Familie, das Team, die Firma, eine Organisation …) Rollen, Aufgaben und Funktionen übernehmen.
Die im System zugeschriebene Rolle bestimmt maßgeblich die Verhaltensmöglichkeiten und hat Einfluss darauf, als „wer“ man sich fühlt oder als „wer“ man von Anderen wahrgenommen wird.

 

Schon 1942 schrieb Bateson in „Moral und Nationalcharakter“ über den Menschen:

 

Sein Charakter ist an den Motiven und Mustern der Beziehungen
in der Gesellschaft ausgerichtet, in der er lebt.

 

Das entscheidende Element der Interaktion und Beziehungsgestaltung in jedem sozialen System ist die Kommunikation  (verbal oder nonverbal):

 

In der Kommunikation mit anderen und sich selbst formt sich die gesamte Art zu denken, zu fühlen und den Fluss der Wahrnehmungen zu interpunktieren heraus.
Und nur in der Kommunikation ist es möglich, die eigene Realität und das Selbst aufrechtzuerhalten.

 

Folgerichtig schrieb Bateson 1951 in „The Social Matrix of Psychiatry“ (zusammen mit dem Psychiater Ruesch) in Bezug auf die Anwendung im therapeutischen Bereich, dass das Ziel jeder Therapie die Neuregelung der Informationsverarbeitungsprozesse und der Wirklichkeitswahrnehmung des Klienten sein müsse.

 

Die Sicht auf die sogenannten „psychopathologischen Phänomene“ veränderte sich vollständig:

 

Ängste, Zwänge, Süchte usw. sind keine DINGE (z.B. Sie haben Borderline ), die man handhaben, verdrängen, konfrontieren, medikamentös behandeln usw. kann. All diese „Störungen“ sind vielmehr Prozesse, die in jedem Moment auf eine spezifische Art und Weise von den Betroffenen aktiv vollzogen werden müssen.

 

In Bezug auf das Verhältnis zwischen TherapeutIn und KlientIn begründet Bateson die „Kybernetik 2. Ordnung“, die das alte Denken, die „Kybernetik 1. Ordnung“ ablöst.
Während die „Kybernetik 1. Ordnung“ noch davon ausgeht, dass der Therapeut die Rolle eines unabhängigen und unbeteiligten Beobachters einnehmen könne, postuliert die „Kybernetik 2. Ordnung“, dass der Therapeut mit all seinen Erkenntnismöglichkeiten Teil des Systems, des therapeutischen Kontextes ist und somit an allen Aspekten des therapeutischen Prozesses als Person aktiv beteiligt ist.

 

Es gibt keine vom Beobachter
unabhängige Wirklichkeit.

 

Ausgehend von der Kybernetik 2. Ordnung sind weltweit in verschiedenen Bereichen natur- und geisteswissenschaftlicher Forschung Ideen entwickelt worden, die man heute gerne mit der Überschrift „Konstruktivismus“ versieht.

 

Als Vorreiter seien hier genannt:
der chilenische Biologe Humberto Maturana, der Informatiker, Biophysiker und Physiologe Heinz von Förster, der Soziologe Niklas Luhmann und der Psychotherapeut und Psychiater Paul Watzlawick.

 

Als erkenntnistheoretische Haltung steht der „Konstruktivismus“ für die Auffassung, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, das Ergebnis einer subjektiven „Erfindung“ ist.
Es wird keinesfalls geleugnet, dass es eine Welt „dort draußen“ gibt. Vielmehr wird betont, dass uns diese Welt lediglich per Beobachtung, per sinnesspezifischer Wahrnehmung zugänglich ist.
Bislang war man von der Annahme ausgegangen, dass die Sinnesorgane die Welt 1 zu 1 abbilden, dass sie sozusagen die Tore des Gehirns zur Welt sind und dass alle Informationen durch diese Tore ungefiltert ins Gehirn gelangen.

 

Neue Erkenntnisse in der Gehirnforschung belegen allerdings, dass die spezifische Modalität der Sinnesorgane, auf der unsere Sinneswelt zu beruhen scheint, `hinter‘ den Sinnesorganen offenbar verschwunden ist, so der Neurobiologe Gerhard Roth.

 

Die Sinnesorgane übersetzen die ungeheure Vielfalt der Welt in die ‚Einheitssprache‘ der bioelektrischen Ereignisse.
Bei diesem Übersetzungsprozess geht das „Original“ verloren.
Die „Sprache“ des Nervensystems selbst ist bedeutungsneutral.
Weil aber im Gehirn der signalverarbeitende und der bedeutungserzeugende Teil eins sind, können die Signale nur das bedeuten, was entsprechende Gehirnteile ihnen an Bedeutung zuweisen:
Wahrnehmung ist Interpretation, ist Bedeutungszuweisung.

 

Gerade in persönlichen und sozialen Kontexten ist das Modell einer „objektiven Wirklichkeit“ längst überholt.
Persönliche und soziale Wirklichkeit wird als etwas Dynamisch – Prozesshaftes gesehen,
das ständig durch das Handeln und die Haltung von Menschen und durch deren darauf bezogene Interpretationen und Bewertungen produziert bzw. konstruiert wird.

 

Schon bei Epiktet heißt es:

 

Erfahrung ist nicht das, was mit einem Menschen geschieht.
Sie ist das, was ein Mensch aus dem macht, was mit ihm geschieht, und wie er das Geschehene bewertet.

 

Paul Watzlawick formuliert das so:

 

Wir leben in einer imaginären Wirklichkeit

 

Eine ethische Relevanz des konstruktivistischen Weltbilds liegt in der Bedeutung des Begriffs „Verantwortung“, die sich für jeden Einzelnen ergibt, wenn er zu der Einsicht gelangt, dass die Welt, wie er sie beobachtet, Resultat seiner Beobachtungsweise ist.

 

Dazu Heinz von Förster:

 

Man kann nicht mehr andere verantwortlich machen für das, was man sieht, denn man ist ja selbst derjenige, der diese Sicht konstruiert.
Die Menschen erhalten ihre Verantwortung in größtmöglichem Maße wieder zurück, können sie nicht an irgendeine übergeordnete Instanz oder irgendwelche äußeren Umstände abschieben. Sie werden Beteiligte.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle biographischen Erfahrungen, die ein Mensch gesammelt hat, – und deren Interpretation – die Grundlage bilden für die Bewertung einer gegenwärtigen Situation.
Entsprechend dieser Bewertungen werden „Innere Landkarten“ angelegt, die in der Zukunft Orientierung geben, um neue „subjektive Wirklichkeiten“ zu schaffen.

 

Lösungsorientierung versus Problemorientierung

Der problemorientierte therapeutische Ansatz wurzelt in alten europäischen Denktraditionen. Tiefenpsychologisches Denken ist so angelegt, dass man nach Ursachen, Gesetzmäßigkeiten, bzw. Erklärungsmodellen sucht, um Persönlichkeitsmerkmale, bzw. „abweichendes“ Erleben und Verhalten zu verstehen. Die Frage nach dem „Warum“ steht im Vordergrund.
Die Hoffnung bei dieser Arbeitsweise ist, dass die vormals ins „Unterbewusstsein“ verdrängten Erlebniskomponenten durch eine aufdeckende Vorgehensweise bewusst werden und damit eine Veränderung in der Haltung und dem Verhalten einhergeht.

 

Der lösungsorientierte Ansatz wurzelt im amerikanischen Pragmatismus.
Hier ist der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten effektiver Veränderung von problematischen Verhaltens- und Erlebensmustern gerichtet. Die Frage nach dem „Wie“ (der Veränderung) steht im Vordergrund.
Das methodische Repertoire zur lösungsbezogenen Initiierung und Begleitung von Veränderungs- bzw. Entwicklungsprozessen ist in den letzten Jahrzehnten sehr stark vorangetrieben worden.

 

In der heutigen, schnelllebigen Welt bietet ein rein problembezogener, vergangenheitsorientierter Ansatz nur noch eine mangelhafte Basis zur Lösung von Gegenwarts- und Zukunfts- Problemen:
Ein einseitiges „Starren“ auf die „in der Vergangenheit geprägten Muster“ absorbiert Energie, die dann für die Bewältigung alltäglicher Aufgaben in Gegenwart und Zukunft fehlt. Schlimmstenfalls wirkt diepersönliche Bewertung des bewusst gemachten Musters wie eine Suggestion, die für eine Verfestigung des Musters, eine emotionale Untermauerung und deren Projektion in die Zukunft sorgt.

 

(Aus konstruktivistischer Sicht wirkt die Vergangenheit dadurch, dass wir in der Gegenwart darauf Bezug nehmen.
Insofern könnte man die Vergangenheit als eine prägnante Metapher für die Muster in der Gegenwart betrachten.)

 

Andererseits könnte die Bezugnahme auf die „aufgedeckten“ Muster für bestimmte Menschen eine stärkende Erkenntnis in dem Maße bedeuten, wie es gelingt, auf die Lernprozesse zu fokussieren und neue Weichenstellungen bei der Gegenwarts- und Zukunfts- Gestaltung vorzunehmen.

 

Ich plädiere hier für ein ausgewogenes „Sowohl – Als – Auch“, im Sinne einer zieldienlichen Nutzbarbarmachung von Ressourcen, also sowohl der gewonnenen Erkenntnisse als auch der Lösungskompetenz, sowohl für eine wertschätzende Beschäftigung mit dem Problemerleben, als auch mit einer Ausrichtung auf die Lösung.
Das auf Vergangenheitsbewältigung orientierte gegenwärtige Vorgehen muss dringend durch ein auf Zukunft und Lösung orientiertes ergänzt werden.

 

Anmerkung: Der Begriff „Lösung“ umfasst keinesfalls nur beglückende und jubeltönende Zustände. Er ist hier wortwörtlich zu verstehen, in dem Sinne, dass sich etwas löst.
Die Annahme von Verantwortung für ein Verhalten oder Erleben in einem bestimmten Kontext kann z.B. eine Lösung sein, auch wenn darin emotional eher unangenehme Aspekte enthalten sind.


 

Die Pioniere des Lösungsorientierten Ansatzes

In den letzten Jahrzehnten haben sich Pioniere im Bereich der Psychotherapie auf den Weg gemacht, den ausschließlichen Problemfokus der alteingesessenen Therapieformen zu verlassen und Methoden des Lösungsbezuges zu entwickeln.

 

Im Rahmen dieser Erörterung werde ich mich auf einige zentrale Persönlichkeiten und ihre Kernaussagen beziehen.

 

Virginia Satir (1916-1988) ist die Begründerin der „Conjoint Family Therapie“.
Sie hat im Laufe ihrer langjährigen therapeutischen Arbeit und ihrer Lehrtätigkeit ein vielschichtiges Konzept psychosozialer Intervention entwickelt, in dem sowohl körperliche Aspekte, innerpsychische Prozesse (intellektuelle, emotionale, sinnliche), persönliche Prozesse der Informationsverarbeitung, als auch Interaktions- und Kommunikationsstrukturen Berücksichtigung finden.
Ihre Arbeit zeichnete sich aus durch ein außergewöhnliches Einfühlungsvermögen, durch Humor, menschliche Wärme, Zielbewusstheit und Kreativität und durch eine große Wachsamkeit für zwischenmenschliche Interaktionsprozesse.
Sie hatte die Fähigkeit, sehr schnell ein tragfähiges Vertrauensverhältnis zu Menschen aufzubauen.
Über ihrem Tun stand eine zutiefst empfundene Wertschätzung allen Lebens.

 

Die Überzeugung von der Einzigartigkeit und Schönheit jedes einzelnen Menschen hat den Charakter der psychotherapeutischen Beziehung verändert. Die Hierarchie zwischen Therapeut und Klient wird zu einer Ich – Du – Beziehung, und diese menschliche Verbindung hilft dem Klienten, mit seiner Lebenskraft in Berührung zu kommen.
Sie begegnete ihren Klienten als Gleiche unter Gleichen in einer grundlegend akzeptierenden Haltung. Sie verzichtete ganz bewusst darauf, das Verhalten des Klienten zu bewerten. Einen Expertenstatus lehnte sie ab.

 

Einige Grundüberzeugungen von Virginia Satir:

 

  • Wachstumsorientierte Therapie fokussiert auf Gesundheit und Wahlmöglichkeiten anstatt auf Pathologie, fokussiert auf Erweiterungsmöglichkeiten anstatt auf Fehler.
  • Menschen sind grundsätzlich gut. Damit sie sich mit ihrem eigenen Selbstwert verbinden können, brauchen sie Zugang zu ihrem inneren Selbst, zu ihren Stärken.
  • Jeder Mensch verfolgt mit seinem Verhalten positive Absichten. Egal wie verurteilenswert das Verhalten ist,
    es ist gleichzeitig eine Einladung, sich auf die Suche nach den dahinter liegenden Motiven zu machen.
  • Menschen haben alle notwendigen Ressourcen, um wachsen zu können.
  • Die Vergangenheit ist nicht veränderbar, doch deren heutige Auswirkungen.
  • Frühe (negative) Prägungen können verändert werden durch neue Erfahrungen.
  • Individuelle Veränderungen müssen mit den Kontextbedingungen abgestimmt werden.
  • Gesunde menschliche Beziehungen beruhen auf Gleichwertigkeit.
  • Hoffnung ist ein signifikantes Element für Veränderung.

 

Milton Erickson (1901-1980) war Arzt und Psychologe und hat durch sein Lebenswerk lösungsorientierte Therapieansätze nachhaltig mitgeprägt. Sein Interesse lag so sehr in der Aktivierung von Veränderung, dass er Diagnostik immer mehr vernachlässigte und im Laufe der Jahre eine atheoretische Haltung einnahm. Er lehnte umfassende Persönlichkeitstheorien strikt ab.
Solche Theorien waren seiner Meinung nach nicht nur schädlich für den Klienten, sie schränkten auch die Bandbreite der Verhaltens- und Denkmöglichkeiten der Therapeuten ein.
Sein kooperativer Arbeitsstil als Hypnosetherapeut, der in krassem Gegensatz zu dem damals (und heute ?) üblichen „autoritären“ Ansatz stand, war gekennzeichnet von der Flexibilität, sich auf jeden Menschen neu einstellen zu können und sich in seinen therapeutischen Interventionen an den Bedürfnissen und Zielen der Klienten zu orientieren.

 

Ein zentrales Prinzip der Psychotherapie Ericksons war das der „Utilisation„:
Er verstand darunter die zieldienliche Nutzbarmachung von hilfreichen Aspekten aus dem subjektiven Modell der Welt des Klienten.
Utilisation bezieht sich auf eine Vielzahl von Aspekten aus dem Bezugsrahmen des Klienten:

 

  • die Haltung
  • die Denk- und Fühlmuster
  • die Lebens – Kontext – Bedingungen
  • die systemische Dynamik
  • Sternstunden
  • Stärken, Erfolgserlebnisse, Fähigkeiten, Qualitäten
  • Werte und Überzeugungen
  • Selbstbilder
  • Erfahrungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit

 

Mit diesem Ansatz, der einen Kontrapunkt zum analytischen Modell setzte, zeigte Erickson sogar die Nutzbarmachung von so genannten „Widerständen“.
„Widerstand“ war nun nicht mehr ein „heilungsverhinderndes Phänomen“, sondern konnte aus dem Wissen heraus, dass Resistenz vor allem ein „interaktionsbedingtes Phänomen“ war, direkt zur Lösung von Problemen oder für eine Trance – Induktion verwendet werden. Auch an anderer Stelle nahm Erickson eine deutlich andere Haltung ein.
So widersprach er vehement der Freud´schen Konzeption des „Unbewussten“.
Während Freud glaubte, dass das „Unbewusste“ ein Bereich für verdrängtes Material, eine Art „Sondermülldeponie“ für seelische Auslagerungen ist, war das „Unbewusste“ für Erickson ein Bereich, der zum einen dem „Bewussten“ weit überlegen war und zum anderen eine ganze Menge an Lernerfahrungen, Ressourcen und persönlichen Kompetenzen enthielt.

 

In der Ausbildung von Therapeuten legte Erickson großen Wert darauf, nicht nur therapeutische Techniken zu vermitteln, sondern Flexibilität und die innere Freiheit zu trainieren, das tun zu können, was in einem spezifischen Fall angemessen erscheint.

 

Einige Grundüberzeugungen von Milton Erickson:

 

  • Interpretation (eines Erlebens beim Klienten) ist eine absurde Reduktion einer komplexen Kommunikation.
  • Der bewusste Verstand ist sehr klug und weise, doch das Unbewusste ist um ein vielfaches weiser.
  • Die Bedeutungsgebung von Erfahrung ist eine hypnotische Induktion mit allen physiologischen, gedanklichen und emotionalen Folgen.
  • Die Würde des Menschen liegt in seiner Einzigartigkeit.
  • Alle Ressourcen für Veränderung sind bereits vorhanden.
  • Zukunftsimaginationen sind hilfreich, wenn sie in Bezug zu Bedürfnissen in der Gegenwart stehen.
  • Fokussierung von Aufmerksamkeit auf das gewünschte Erleben (Future Pace) unterstützt die Effektivität des Prozesses.
    Dabei hilft besonders die Aktivierung von unwillkürlichem Erleben.
  • Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrungen. (mit sinnesspezifischen Inhalten)

 

Steve De Shazer war ein Schüler Milton Ericksons und einer der ersten, die die von Erickson dokumentierten berühmten 7oo Fälle studierten. Er übernahm einige Grundhaltungen und filterte aus den Studien ericksonischer Arbeit die Aspekte heraus, die heute unter dem Namen „Solution Focussed Therapie“ weltweit bekannt sind.

 

Die Orientierungspunkte seiner Arbeit sind bis heute:

 

  • die grundlegende Akzeptanz und Wertschätzung des Klienten
  • die Utilisation von therapierelevanten Aspekten aus dem Klientensystem
  • die Fokussierung auf Kompetenzen, Fähigkeiten und Lösungen
  • das Erkunden von „Ausnahmen“ vom Problemerleben

 

Die Systematisierung seiner therapeutischen Fälle hat gezeigt, dass die Beschwerde des Klienten fast immer den Wunsch beinhaltet, von etwas befreit zu werden, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das zu bewerkstelligen ist.
Deshalb wird jeder Unterschied im Verhalten, Denken, Fühlen, Wahrnehmen im Kontext dafür genutzt, einen Unterschied zu machen, (der einen Unterschied macht), der zur Lösung der Beschwerde führt. Jede Art von Unterschiedsbildung verdeutlicht die Veränderbarkeit von Erlebniszuständen.

 

De Shazer nutzt in seiner Arbeit ganz konsequent das von Erickson entwickelte Konzept des „Future Pacing“, das ursprünglich, angelehnt an analytisches Denken, „Pseudoprojektion“ hieß.

 

Sie können sich erlauben, mit Ihrer Aufmerksamkeit zu einem Punkt in der Zukunft zu gehen, von dem aus Sie zurückschauen können …
frei nach Erickson

 

De Shazer kreierte daraus die „Wunderfrage“, mit der er die Klienten dazu einlädt, die Aufmerksamkeit auf eine Zeit zu richten, in der das geschilderte Problem bereits gelöst ist, ohne zu wissen, wie dieser Prozess der Problem – Lösung zustande gekommen ist und ohne zu wissen, wie er verläuft. Es geht hier um eine Fokussierung auf das gewünschte Ergebnis.

 

Diese Vorwegnahme einer veränderten (erfüllten) Zukunft bzw. einer fiktiven Wirklichkeit hat emotionale und physiologische Auswirkungen, die wiederum für eine Lösungsentwicklung utilisiert werden können.

 

Ein weiterer interessanter Aspekt von De Shazers Arbeit war die Erkenntnis, dass in einer Zeit, in der es ständig um Veränderung geht, das „Gute und Erhaltenswerte“ oft in Vergessenheit gerät.

 

Deshalb formulierte er eine „Standardaufgabe“, die er den Klienten nach der ersten Sitzung mitgab:

 

Bis zur nächsten Sitzung beobachten Sie bitte und beschreiben uns dann,
was in Ihrem Umfeld so abläuft, dass Sie der Meinung sind, es soll so bleiben.

 

Die Liste interessanter Persönlichkeiten könnte fortgesetzt werden.
Viele ehemalige Schüler von Virginia Satir und von Milton Erickson haben eigene Therapieschulen gegründet, und die Grundpositionen einer lösungsorientierten Psychotherapie entsprechend ihrer Persönlichkeit und den jeweiligen Erkenntnissen weiterentwickelt.
Es ging mir hier lediglich darum, einige wichtige Aspekte einer modernen Psychotherapie am Beispiel Satir, Erickson und De Shazer darzustellen.


 

Strukturelemente einer modernen Psychotherapie

Jenseits von Interventionsformen und deren Sinnhaftigkeit, möchte ich an dieser Stelle einige Punkte hervorheben, die ich als Voraussetzung für jegliches therapeutisch / beraterisches Tun ansehe:

 

  • Klienten brauchen die volle Akzeptanz und Wertschätzung ihrer Person und ihres Erlebens
  • Jede Intervention muss im Einklang mit den Vereinbarungen sein, die zwischen Therapeut und Klient bzgl. Aufträgen und Zielen getroffen werden
  • Therapeuten brauchen
    – ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten,
    – individual- und systemtherapeutische Kompetenzen (Menschen sind als Individuen und als Teil eines Systems zu sehen),
    – Flexibilität im professionellen Umgang mit den Wirklichkeitskonstruktionen des Klienten
    – die Fähigkeit, Botschaften des Klienten zu utilisieren

 

In jeder Therapiesitzung geht es um eine Vielzahl von Informationen und Details auf verbaler und körpersprachlicher Ebene.
Die nachfolgenden Fragen und Erläuterungen dienen der Strukturierung und orientieren sich an den zentralen Elementen einer kooperativ gestalteten und problem- lösungs- ausgerichteten Therapiesitzung:


Symptombeschreibung und signifikante emotionale Erfahrungen des Klienten:

  •  Wie nimmt der Klient das Problem wahr, wie schildert er das Problem ?
  • Wie sind Körpersprache und Worte miteinander verknüpft ?
  • Welche Werte und Überzeugungen werden genannt ?
  • Welche Identitäts- oder Zugehörigkeitsaussagen gibt es ?
  • Welche Auswirkungen hat die Symptomatik (innerlich und auf andere Personen ?
  • Wem und auf welche Weise schadet das Problem ?
  • Wem und auf welche Weise nutzt das Problem ?
  • Aus welchen anderen Lebenskontexten kennt der Klient das Problemerleben ?
  • Welche Überzeugungsmuster, welche Denk- und Fühl- Muster stehen dahinter ?
  • Welche Konflikte (innere und äußere Muster) stehen dahinter ?
  • Welche problemstabilisierenden Strategien werden beschrieben ?
  • Was würde fehlen, wenn das Problem nicht mehr existiert ?
  • Welche positiven Funktionen / Absichten stehen hinter der Symptomatik ?
  • Welche Ausnahmen vom Problemerleben beschreibt der Klient ?
  • Welche Beschreibungen enthalten Lösungsversuche ?

 

Auftragsvereinbarungen

Bei der Auftragsklärung wird herausgestellt, welche Inhalte auf welche Weise zwischen Therapeut und Klient bearbeitet werden.
Daraus resultieren Vereinbarungen, die zum einen die Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen des Klienten und zum anderen die therapeutischen Interventionsangebote beinhalten. Zentral hierbei ist das beidseitige Einvernehmen über die Vorgehensweise.
Zum therapeutischen Know how gehört die Flexibilität, bereits bestehende Therapieaufträge und
formulierte Ziele ggf. neu zu justieren, zu verfeinern oder in Absprache mit dem Klienten zu verändern.

 

  • Welche Aufträge formuliert der Klient ?
  • Was soll auf alle Fälle so bleiben, wie es ist ?
  • Welche Veränderungen sind gewünscht ?
  • Welche Hinweise gibt es auf verdeckte Aufträge ?
  • Welche anderen Aufträge stehen im Raum ?
  • Welche Widersprüche gibt es bei den bestehenden Aufträgen?
  • Welche Aufträge sind annehmbar, welche nicht ?

 

Ziele

Man weiß heute, dass Veränderung und Entwicklung effektiver geschieht, wenn der Prozess auf die Verwirklichung von Wünschen, Sehnsüchten und Zielen ausgerichtet ist.
Zielformulierungen dienen dazu, einen Horizont für neue Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster zu öffnen.
Der Therapeut unterstützt den Klienten dabei, eine Zielbeschreibung zu finden, die deutlich sichtbare physiologische Reaktionen zur Folge hat. Es ist sinnvoll, die Zielbeschreibungen des Klienten in Bezug auf die dahinter liegenden Werte und Motive zu hinterfragen und dann deren Konkretisierung zu thematisieren.

 

  • Was will der Klient erreichen ?
  • Welche Veränderungen sind gewünscht ?
  • Welche Hoffnungen und positiven Erwartungen sind vorhanden ?
  • Welche Hinweise gibt es auf das „gewünschte Erleben“
  • Wofür ist das genannte Ziel wichtig ?
  • Was erreicht der Klient dadurch ?
  • Welche Werte und Überzeugungen stehen dahinter ?
  • Woran würden Sie merken, dass Sie das Ziel erreicht haben ?
  • Woran würden Andere es merken ?
  • Welche Auswirkungen wird es haben, wenn das Ziel erreicht ist ?

 

Ziele können durchaus unspezifisch formuliert sein.
Das schafft Raum für kreative Prozesse, in denen sich neue Perspektiven eröffnen.
Letztendlich ist eine günstige Zielbeschreibung eine Beschreibung in Verhaltens- bzw. Erlebens- Termini.

 

Ressourcenaktivierung

Oftmals haben Klienten, wenn ihre Aufmerksamkeit vom Problemerleben absorbiert ist, keinen Zugang zu ihren Stärken und persönlichen Kompetenzen. Es besteht dann die Tendenz, Probleme zu verdinglichen und zu verallgemeinern, so als gäbe es nur noch das Problem.
Pathologisierende Diagnosen verstärken – wie schon gesagt – den Problemfokus und stabilisieren das Problemerleben.

 

Yvonne Dolan, eine weltweit renommierte Psychotherapeutin und Schülerin von Milton Erickson hat sich spezialisiert auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern und schwer traumatisierten Menschen.
Sie selbst wurde in ihrer Kindheit und Jugend mehrmals vergewaltigt und misshandelt.
In ihren Seminaren erzählt sie gerne folgende Geschichte:

 

Einige Jahre meiner Jugend verbrachte ich bei einer Tante in einem Haus an einem großen See. In der Mitte des Sees befanden sich große rostige Tanks, die sehr hässlich aussahen. Lange Zeit sah ich in den rostigen Tanks die Hässlichkeit des Lebens und meiner eigenen Biographie.
Mit der Zeit lernte ich aufzuhören, immer nur diese Tanks anzustarren. Ich entdeckte die Schönheit des Sees.

 

Steve de Shazer hat in den ersten Jahren seines therapeutischen Schaffens eine sehr einfache Beobachtung gemacht:

 

Es gibt bei jedem Menschen Ausnahmen vom Problemerleben.

 

Wenn man den Klienten einlädt, für einen Moment die Aufmerksamkeit auf eine Ausnahmesituation zu richten,
erreicht man sehr schnell Veränderungen.

 

Der Effekt ist ebenso einfach wie die Beobachtung an sich:

 

  • Die Einflussfaktoren für „Problem“ bzw. für „Ausnahme vom Problem“ werden deutlich
  • Die Unterschiede im Denken, Fühlen und Verhalten werden erkennbar
  • Die Erkenntnis: „ich bin sehr wohl in der Lage, schwierige Situationen zu meistern“ stärkt
    die eigenverantwortliche Handlungskompetenz

 

Das Erleben von „Ausnahmesituationen“ und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen lassen sich
hervorragend für die Gestaltung von Lösungsszenarien nutzen (s. Utilisation).

 

Ich halte es heute für eine ethische Verpflichtung von Therapeuten, neben der Fokussierung auf das Problem auch eine ressourcenorientierte Sicht und Haltung einzunehmen, um ihre Klienten darin zu unterstützen, sie zu ermächtigen, ein eigenverantwortlich gestaltetes und erfülltes Leben führen zu können.

 

Es geht also um folgende Fragen:

 

  • Welche Stärken hat der Klient ?
  • Was kann der Klient gut ?
  • Welche Kompetenzen sind vorhanden ?
    (und auch in der Aufrechthaltung von Problemmustern liegt Kompetenz, die man für Lösungen nutzen kann)
  • Welche positiven Werte sind vorhanden, die Orientierung und Stärkung geben ?
  • Wodurch ist eine Veränderungsbereitschaft motiviert ?
  • Welche Überzeugungen haben bisher dazu geführt, dass
    – das Schlimmste verhindert wurde ?
    – eine gewisse „Normalität“ gewahrt wurde ?
  • Welche positiven Erfahrungen haben wichtige Ressourcen vermittelt ?
  • In welchen Situationen gibt es welche inneren Selbstbestätigungen, Selbst – Wertschätzungen ?
  • Welche positiven Aspekte von „Selbstbild“ sind vorhanden ?
  • Was ist gut an dem, wie es ist ?

 

 

Lösungsgestaltung

Lösung ist hier in dem Sinne zu verstehen, dass sich etwas löst.
Klienten haben, bevor sie einen Therapietermin vereinbaren, höchstwahrscheinlich eine Reihe von
Lösungsversuchen gestartet, die entweder gescheitert sind oder nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben.

 

Manchmal stellt die spezifische Ausprägung eines Problemerlebens einen Lösungsversuch dar in Bezug auf ein dahinter liegendes Thema: So kann z.B. ein Klient eine ausgeprägte „Angst – Sympomatik“ entwickeln, mit der Konsequenz, sich von der Außenwelt abzuschotten, nur um sich vor Verletzungen und vermeintlich bedrohlichen Einflüssen zu schützen.
Auch körperliche bzw. psychosomatische Phänomene enthalten „Lösungsversuche“.

 

In diesem Zusammenhang kann sogar eine Problemorientierung ressourcevoll sein, wenn sie aus einer kompetenzorientierten Haltung des Therapeuten heraus geschieht.
Wichtig dabei ist, dass sie dem Klienten eine wertschätzende Sicht des eigenen Erlebens vermittelt,
die die im Problem und die in der Aufrechterhaltung des Problems gebundene Energie und Stärke würdigt.
Lösungsversuche geben Rückmeldung über die Art und Weise, wie und in welchen Mustern der Klient denkt und dem Erlebten Bedeutung gibt. Es ist also sinnvoll, nach bisherigen Lösungsversuchen zu fragen:

 

  • Für welchen Bezugsrahmen stellt das Problemerleben einen Lösungsversuch dar?
  • Welche Aspekte des Problemerlebens enthalten Lösungsansätze ?
  • Welche Lösungsversuche sind bisher bewusst vom Klienten ausprobiert worden ?
  • Was hat sich am meisten bewährt, was am wenigsten ?
  • Auf welche Weise ist der Klient in früheren Situationen konstruktiv mit ähnlichen Problemkonstellationen umgegangen ?
  • Welche Einflussfaktoren gab es damals, welche heute ?
  • Was hat der Klient bisher aus seinen Erfahrungen gelernt ?
  • Woran würde der Klient merken, dass eine für ihn gute Lösung erreicht ist ?
  • Welche Kriterien müsste eine Lösung erfüllen ?
  • Was muss eine Lösung auf jeden Fall beinhalten, was darf sie auf keinen Fall beinhalten ?
  • Welche Überzeugungen gibt es für zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion ?

 

Der Entwurf von Lösungsszenarien macht nur dann Sinn, wenn die Lösungen auf ihre Realisierungsmöglichkeiten hin überprüft werden:

 

  • Welche Kontextbedingungen braucht die Lösung ?
  • Was macht der Klient konkret, wenn das Problem gelöst ist ?
  • Wie werden andere Menschen (z.B. im Familienkontext) auf die Veränderungen reagieren ?
  • Wie geht der Klient mit den Reaktionen um ?
  • Wer könnte die gewünschten Veränderungen verhindern ?
  • Wer könnte sie unterstützen ?
  • Wie geht der Klient damit um ?

 

 

Das neue Problem – Lösungs – Denken

In der modernen Hypnotherapie hat Steven Gilligan, ein Erickson – Schüler, die Begriffe „Problemtrance“ und „Lösungstrance“ geprägt.

 

„Trance“ wird hier verstanden als ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, bei dem durch äußere und/oder innere Auslöser unwillkürliches, assoziiertes Erleben (es geschieht von selbst) induziert wird.

 

Problemerleben, so wie es von den meisten Klienten geschildert wird, erfüllt genau diese Kriterien:
es geschieht unwillkürlich, d.h. es besteht im Denken des Klienten keine bewusste Einflussmöglichkeit, und ist durch absorbierte Aufmerksamkeit (im Problem) charakterisiert.

 

Die therapeutische Zielrichtung, für die hier geworben wird, beinhaltet die Wertschätzung der subjektiven Landkarten des Klienten, die Würdigung der „Problemtrance“ als für den Klienten bestmögliche Art, mit den Gegebenheiten umzugehen, und die Unterstützung bei der Beschreibung von Ziel- und Lösungsaspekten und dem Erleben einer „Lösungstrance“.

 

Ein zweiter Aspekt, der die Grundannahmen Batesons verdeutlicht, ist folgender:

Probleme werden nur als Probleme wahrgenommen, wenn internal (und das kann auch bedeuten, durch äußere Einflüsse „angeregt“) eine Unterschiedsbildung vorgenommen wird, wenn es also eine wahrnehmbare Diskrepanz zwischen dem Gegenwartserleben und dem gewünschten Erleben gibt.

De Shazer formuliert das kurz und knapp:

 

Ein Problem ist nur ein Problem, wenn es einen Unterschied macht

 

Logischerweise geht es im therapeutischen Setting um eine bewusste Unterstützung des Klienten bei einer aktiven Bildung von hilfreichen Unterschieden.

 

Jeder Veränderungs- bzw. Entwicklungsprozess braucht die Nutzbarmachung der vorhandenen Ressourcen / Stärken / Kompetenzen des Klienten. Nur so kann Veränderung effektiv gelingen.

 

In der therapeutischen Gegenwartslandschaft liegt der Schwerpunkt immer noch auf Vermeidung und Beseitigung von „Krankheit“.
Dieses Denken und das dahinter liegende Menschenbild bedürfen dringend einer Korrektur in der Art, dass therapeutische Prozesse die Einflussfaktoren des sozialen Umfeldes der Klienten einbeziehen und auf Ressourcen und Lösungen ausgerichtet werden.

Bei diagnostischen Maßnahmen (diagnoskein: genau untersuchen, erkennen, unterscheiden)
muss der noch vorhandene ausschließliche Problemfokus dringend ergänzt werden durch eine
Fokussierung auf die Wünsche und Ziele der Klienten.

 

Es spricht für sich, dass in Deutschland bis zum heutigen Tage lediglich 2 therapeutische Verfahren
(nämlich diejenigen mit Problemfokus) Anerkennung gefunden haben, während auf Europaebene mittlerweile 15 therapeutische Disziplinen (und zwar alle, die in den letzten 4-5 Jahrzehnten entwickelt wurden) als „wissenschaftlich fundierte Psychotherapieverfahren“ gelten.

NEUROLINGUISTISCHES PROGRAMMIEREN

NEUROLINGUISTISCHES PROGRAMMIEREN
Über den (Un) Sinn einer Namensgebung

 

Als Neurolinguist beschäftige ich mich tagtäglich, in der Arbeit mit KlientInnen und AusbildungsteilnehmerInnen, mit der sprachlichen Codierung von Erfahrung.

 

Wir wissen, dass Erfahrung nicht eins zu eins in Sprache übersetzt werden kann.
Die Linguistik beschreibt 3 Kategorien, die modellhaft verdeutlichen, wie Erfahrungswerte gefiltert und „komprimiert“ in Form von Sprache formuliert werden:

 

  • bestimmte Aspekte werden weggelassen
  • andere werden verallgemeinert
  • Zusammenhänge und Verknüpfungen mit anderen Erfahrungen werden gebildet

 

Sprache ist aber nicht nur eine Ausdrucksform von Erfahrung, sie wirkt auch wiederum erfahrungsinduzierend.

 

In der therapeutischen Praxis ist dieses Phänomen sehr gut zu beobachten:
verallgemeinernde, meist in Ursache – Wirkungs – Zusammenhänge gekleidete Beschreibungen von Problemerleben, verstärken die „Problemtrance“.

 

Was drückt nun der Name NEUROLINGUISTISCHES PROGRAMMIEREN aus und wie wirkt er ?

 

PROGRAMMIEREN ist ein Verb und drückt somit eine Tätigkeit aus.
Zu jedem Vorgang des Programmierens gehört jemand, der programmiert, und etwas oder jemand, der oder die programmiert wird.

 

Diese Informationen nach dem WER und nach dem WEN oder WAS sind hier getilgt.

 

Richard Bandler, einer der Mitbegründer des NLP, hat einmal großen Wert darauf gelegt, sich selbst und die Absolventen seiner Ausbildungsgruppen als NEUROLINGUISTISCHE PROGRAMMIERER zu bezeichnen.
Die Frage nach dem WER wäre also somit geklärt, und die Frage nach dem WEN oder WAS ergäbe sich logischerweise aus dem Betätigungsfeld der NLPler: Kommunikationssituationen aller Art.
Folgerichtig wären es also die Gesprächspartner, KlientInnen usw., die programmiert werden.

 

Und genau an diesem Punkt ist die Angst vieler Menschen vor Manipulation begründet:
Das PROGRAMMIEREN im Titel lädt ja förmlich dazu ein, in Manipulationsassoziationen hinein zu gehen.

 

Wenn man sich Bandler´sche Manuale ansieht, z.B. das über Hypnose, könnte man fast glauben, das wäre auch genauso gewollt.
Geht es doch dort u.a. darum, möglichst trickreich „geniale“ Suggestionen beim Klienten zu platzieren.

In den letzten 21 Jahren, in denen ich als NLP – Lehrtrainer Ausbildungen anbiete,
haben Interessenten vielfach ihre Sorge, bezogen auf Manipulation, artikuliert, und zwar vor allem dergestalt, dass sie befürchteten, dass mit ihnen etwas gegen ihren Willen gemacht werden würde.

 

Die formulierten Befürchtungen in Bezug auf NLP erinnern mich an Befürchtungen, die in Bezug auf Hypnose geäußert werden.

 

Doch die Befürchtungen und Ängste sind lediglich eine Seite der Medaille.
Auf der anderen Seite weiß man, dass vermeintliche Manipulationswerkzeuge eine ungeheure Faszination auf Menschen ausüben können.

 

Wenn nun beide Seiten in einem Menschen vereint sind, und dieser Mensch sich mit diesen gegensätzlichen Anteilen in Therapie oder Beratung begibt, entsteht eine paradoxe Situation:

 

Einerseits wünscht der/die KlientIn, dass Veränderungs- oder Heilungsimpulse von aussen kommen, ohne dass er dafür Verantwortung zu tragen braucht, und andererseits fürchtet er/sie die Macht des/der TherapeutIn.

 

In dieser Situation hilft erstmal ein offenes transparentes Gespräch, bei dem Vereinbarungen über die Art der Zusammenarbeit im therapeutischen Kontext getroffen werden.

 

In der historischen Entwicklung der Hypnose hat es entsprechend den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen unterschiedliche Ansätze gegeben.

 

Der Ansatz, den die meisten Laien (aber nicht nur die) heute noch mit Hypnose verbinden, ist bekannt als der autoritäre Ansatz. Er ist charakterisiert durch folgende Aspekte:

 

Das Unbewusste wird als eine Art „tabula rasa“ gesehen, in die Suggestionen eingepflanzt werden.

 

  • Der Hypnotiseur hat Macht über den/die KlientIn
  • Der Klient trägt keine Eigenverantwortung,
    sondern hat sie an den Experten (den/die TherapeutIn) abgegeben
  • Die Einzigartigkeit des/der KlientIn findet keine Berücksichtigung

 

Wie oben schon angedeutet, hat die Hypnose eine Entwicklung vollzogen, so dass man heute vom kooperativen Ansatz spricht.

 

Diese Kooperation im Kontakt zwischen KlientIn und TherapeutIn ist gekennzeichnet durch das Wissen um

 

  • die Einzigartigkeit und Eigenverantwortlichkeit des/der KlientIn
  • die Autonomie des Klienten- und des Therapeuten- Systems
  • die Wichtigkeit der Akzeptanz und Würdigung (auch Angleichung)
  • die Wichtigkeit von Flexibilität in der Beziehungsgestaltung
  • Utilisationsmöglichkeiten

 

Die Begründer des NLP waren allesamt Schüler von Milton Erickson, dem Begründer der modernen Hypnotherapie.

 

Schaut man sich den geistigen Nährboden und die davon abgeleiteten Grundannahmen des NLP an, so erkennt man nicht nur deutlich die erickson`sche Haltung, sondern auch die Ideen des sozialen Konstruktivismus:

 

  • Jeder Mensch ist einzigartig
  • Wirklichkeit ist nicht objektiv, sie entsteht im „Auge des Betrachters“
  • Jeder Mensch hat ein eigenes Modell von der Welt
  • Je nach dem, wie ein Mensch ein Ereignis bewertet, je nach der Art der Bedeutungsgebung, konstruiert er seine persönliche Realität
  • Menschen reagieren nicht auf Ereignisse an sich,
    sondern auf die eigenen inneren Interpretationen der Ereignisse

 

Diese Liste mit konstruktivistischem Gedankengut könnte weiter fortgesetzt werden.
Jedem NLPler sind diese Sätze bekannt.

 

Wenn man sie ernst nimmt, könnte man daraus ableiten, dass in Kommunikationssituationen unterschiedliche Welten miteinander in Kontakt kommen. Soll es in diesem Kontakt um Verstehen der subjektiven Realitätskonstruktionen des Gesprächspartners gehen
– und dies gilt insbesondere für den Beratungs- und Therapiekontext – müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

 

  • man braucht Interesse, und die Offenheit der Sinne, die andere Person in ihrer
    Individualität, mit ihren Werten, Überzeugungen und Kompetenzen kennen zu lernen
  • man braucht eine wertschätzende Grundhaltung, in der die subjektiven Landkarten
    des Anderen akzeptiert und gewürdigt werden
  • man braucht die Bereitschaft, sich auf eine Weltsicht einzulassen, die anders ist als die eigene, in der es andere Assoziationen gibt, und in der Assoziationen anders miteinander verknüpft sind als in der eigenen

 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können entsprechend den Vereinbarungen und Verträgen, unterstützende Angebote für gewünschte Veränderungen gemacht werden.

 

In der erickson`schen Therapie gibt es einen zentralen Begriff: UTILISATION

 

Utilisation bezeichnet eine zieldienliche Nutzbarmachung von Aspekten aus dem Klientensystem.
Im NLP ist dieser Ansatz aufgegriffen worden in der Idee des Pacing/Leading.

 

Utilisation bezieht sich auf:

 

  • die Haltung des/der KlientIn (Körperhaltung, Gesten, kinästhetische Anker)
  • die Werte und Überzeugungen des/der KlientIn
  • Was er/sie mag und was nicht
  • Denk- und Fühlmuster
  • Strategische Aspekte (Mikro und Makro)
  • Die systemische Dynamik
    (wie ein/eine KlientIn eingebunden ist in systemische Zusammenhänge)
  • Ressourcen und Kompetenzen

 

Die von Ericksson dokumentierten Fälle sind verwurzelt in diesem Utilisationsansatz.
Was immer du an Informationen hast, erlaube es, dir sie zu nutzen …

 

Für Jeff Zeig ist dieser Ansatz

 

eine Philosophie der Effizienz.

Sie macht die Therapie experimentell und erfinderisch und ist die Grundlage für Lösungen.
Wir sagen den Menschen nicht, was sie denken, fühlen und tun sollen.

 

Im NLP gibt es reichhaltiges Repertoire von Utilisationsmethoden.

 

Nur – was hat das mit PROGRAMMIEREN zu tun ?

 

Meiner Meinung nach ist dieses PROGRAMMIEREN irreführend, weil es die Methodenfülle und die darin enthaltene Vielseitigkeit und Kreativität in den Dienst eines einseitigen Leading – Prozesses stellt. Die schöpferischen Möglichkeiten wirken dadurch ärmlich kanalisiert und gebremst.

 

In den letzten Jahren haben sich im Übrigen viele Kollegen mit der offiziellen Übersetzung dieses P schwer getan. Bei einigen wird es übersetzt als PROZESSARBEIT, in meinem Institut hat die Übersetzung PSYCHOLOGIE seit einigen Jahren Bestand.

 

Am einfachsten allerdings haben es diejenigen, die NLPt anbieten.
NEUROLINGUISTISCHE PSYCHOTHERAPIE ist glücklicherweise von diesem PROGRAMMIEREN befreit.

In sich hinaus (Haltungen in der Hypnotherapie)

In sich hinaus
(Wege und Haltungen in der Hypnotherapie)

 

Hypnose – Klischees

 

Wer kennt sie nicht, die Szenen aus alten amerikanischen Krimis,
in denen ein bösartiger Hypnotiseur seine Kunden zur Verwirklichung eigener egoistischer und meist materieller Ziele missbraucht,
indem er seinen Opfern posthypnotische Aufträge erteilt …

Wer kennt nicht die alten Hypnose-Formeln, die Schlaf induzieren und Heilung „wie im Schlaf“ versprechen:
… und Ihre Augenlider werden immer schwerer, schwer wie Blei, und Sie haben jetzt schon das Bedürfnis, Ihre Augen zu schließen,
um in einen angenehmen schläfrigen Zustand hineinzugleiten … und wenn Sie wieder aufwachen, dann sind Ihre Probleme gelöst …
In meiner eigenen psychotherapeutischen Praxis begegne ich fast täglich den gängigen, alten Klischees von Hypnose.
Diese sind oft gepaart mit sehr hohen Erwartungen an ein Expertentum, das die volle Verantwortung für die Symptomatik übernimmt.

 

2 (Klienten)- Haltungen sind hierbei relevant:

  • Der Klient glaubt, dass er selbst für seine Heilung nichts tun kann.
    Das Problemerleben „geschieht ihm“ und wird als nicht beeinflussbar oder veränderbar wahrgenommen.
    Er sucht also einen Experten auf in der Hoffnung, dass dieser eine professionelle Verantwortung dafür übernimmt und das Problem beseitigt.
  • Der Klient glaubt, dass er selbst nichts zu tun braucht.
    Er hofft, dass nach einem vom Therapeuten erzeugten hypnotischen Schlaf die Probleme gelöst sind und
    er (wohlgemerkt ohne Probleme) sein Leben so weiterführen kann wie bisher.

Einen „Haken“ hat diese Einstellung allerdings:

Je mehr Verantwortung der Klient abgibt, um so mehr wächst auch seine Angst vor dem Unbekannten, vor dem, was während er „schläft“, eine andere Person mit ihm macht, und vor dem, was aus den Tiefen seiner Seele aufsteigen könnte, das ihn vielleicht nachhaltiger beschäftigt als das Ausgangsproblem.
Diese brisante Ambivalenz aus einem tiefen Wunsch, endlich mal keine Verantwortung mehr tragen zu müssen und der Angst vor Manipulation und den eigenen „Dämonen“ schafft eine Ausgangssituation, in der hypnotherapeutisches Arbeiten erst einmal erschwert ist.
Woher kommen nun diese Hypnose – Klischees ?

Tatsächlich ist es so, dass bis zum heutigen Tag in vielen Schulen und Praxen ein „autoritärer Ansatz“ praktiziert wird.
Charakteristisch für diesen Ansatz sind folgende Faktoren:

  • Der Therapeut ist „wissend“, der Klient ist „unwissend“
  • Der Therapeut als Hypnotiseur hat Macht über den Klienten
  • Das Unbewusste ist eine Art „tabula rasa“, in die Suggestionen von außen eingepflanzt werden
  • Die Heilung kommt von außen

Man muss wissen, dass dieses Denken ein altes Denken ist und seine Wurzeln in feudalistischen Zeiten hat.
Zu diesem Denken gehört auch der (Aber-) Glaube, dass nur der Therapeut in der Lage ist,
die Symptomatik des Klienten aufzuheben.
Dies tut er eben mit Suggestionen, die er an die Adresse des „Unterbewusstseins“ schickt, in der Hoffnung, dass sie dort ihre heilende Wirkung tun.
Eine kompetenzorientierte Sicht fehlt hier vollständig.
Die Einzigartigkeit des Klienten und die Fähigkeit, Veränderungsprozesse autonom gestalten zu können, werden nicht berücksichtigt.

Ein keineswegs zu unterschätzender Faktor für die Angst des Klienten vor Hypnose ist die weit verbreitete, auf Sigmund Freud zurückgehende Konzeption des „Unbewussten“:
Freud hat im Unbewussten den Sitz verdrängter neurotischer Triebhaftigkeit gesehen, eine Art
„Sondermülldeponie für seelische Auslagerungen“.
Die Frage sei hier erlaubt, wer sich freiwillig gerne auf eine mit Befürchtungen und von Angst besetzten „Unterwelt“ einlassen mag. Aus der heutigen modernen Sicht ist es allzu verständlich, dass es angesichts eines solchen Glaubens Widerstände beim Klienten gibt.

 

Hypnose aus heutiger Sicht

 

Orientiert an den Erfahrungswerten Milton Ericksons und seiner Schüler steht heute ein kooperativer Ansatz im Vordergrund, gekennzeichnet durch das Wissen, dass sowohl der Therapeut, als auch der Klient,
als auch die Beziehung zwischen beiden autonome Systeme sind,
die gemeinschaftlich in größtmöglicher Transparenz zusammenwirken.
In diesem Verständnis entwickelt sich Trance aus einem Erleben zwischenmenschlicher Begegnung,
auf der Basis von Vertrauen und entsprechend den getroffenen Vereinbarungen.

Erickson begründete durch seine Arbeit eine neue Sicht, die der von Freud widersprach:
Das „Unbewusste“ ist nun nicht mehr der Bereich für verdrängtes Material, sondern ein Bereich,
der dem „Bewusstsein“ weit überlegen ist und die Gesamtheit der Lernprozesse,
Ressourcen und persönlichen Kompetenzen beinhaltet.
„Wie eine liebevoll fürsorgliche Mutter“ steuert das „Unbewusste“ nicht nur alle unwillkürlichen physiologischen
Prozesse des Menschen, sondern auch die seelischen Prozesse und deren Wechselwirkung mit körperlichen Abläufen.

 

Einige Grundüberzeugungen von Milton Erickson:

  • Jede Person ist einzigartig. Darin liegt ihre Würde.
  • Jede Person hat Entwicklungsressourcen.
  • Trance stärkt und erweitert die Ressourcen.
  • Trance ist ein natürliches Phänomen.
  • Zukunftsimaginationen sind hilfreich, wenn sie in Bezug zu Bedürfnissen in der Gegenwart stehen.
  • Fokussierung von Aufmerksamkeit auf das gewünschte Erleben (Future Pace) unterstützt die Effektivität des Prozesses.
    Dabei hilft besonders die Aktivierung von unwillkürlichem Erleben.
  • Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrungen.
  • Der bewusste Verstand ist sehr klug und weise, doch das Unbewusste ist um ein vielfaches weiser.
  • Das Unbewusste ist ein Hersteller von Informationen, das Bewusstsein ist ein Verbraucher,
    Trance ist ein Vermittler zwischen ihnen.

Der kooperative Ansatz beruht auf der Flexibilität, sich auf jeden Menschen neu einstellen zu können und
therapeutische Intervention an den Bedürfnissen und Zielen des Klienten auszurichten.

Ein zentrales Prinzip der Erickson´schen Hypnotherapie ist das der „Utilisation“:
Man versteht darunter die zieldienliche Nutzbarmachung von hilfreichen Aspekten
aus dem subjektiven „Modell der Welt“ des Klienten.

 

Utilisation bezieht sich auf eine Vielzahl von Aspekten aus dem Bezugsrahmen des Klienten:

  • die Haltung
  • die Denk- und Fühlmuster
  • Die Lebens – Kontext – Bedingungen, die Beziehungen
  • Sternstunden, Stärken, Erfolgserlebnisse, Fähigkeiten, Qualitäten
  • Werte und Überzeugungen
  • Selbstbilder
  • Erfahrungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit

 

 

Was ist nun eigentlich Trance ?

Viele Bücher sind in den letzten Jahrzehnten darüber geschrieben worden, kontrovers oder sich ergänzend.
In den 90er Jahren hat der Amerikaner Beahrs vergleichende Studien in der Hypnose – Literatur angestellt.
Es ging ihm darum, herauszufinden,
welche Beschreibungen von Trance – Phänomenen in allen Ausführungen übereinstimmen.
Er kam zu dem Ergebnis, dass Trance – Phänomene sich dadurch auszeichnen, dass
„Es geschieht“ – ganz unwillkürlich, (im Gegensatz zu dem „Ich mache“ – willkürlich – auf der bewussten Ebene).

Trance ist also

  • ein Prozess der systematischen Fokussierung von Aufmerksamkeit, vor allem auf der unwillkürlichen Ebene.
  • ein aktiver Prozess unbewussten Lernens (im Gegensatz zu bestimmten Auffassungen der Hypnose als eines passiven und regressiven Zustands, in dem der Klient ein Automat unter
    der Kontrolle des Hypnotiseurs ist).

Das Sich – hinein – begeben in einen Trance – Zustand geschieht durch eine Veränderung der Wahrnehmung: von willkürlich zu unwillkürlich.

Das Ziel von hypnotherapeutischer Arbeit ist es, die als problematisch erlebten Verhaltens- und Erlebensmuster
(auch blockierende Programmierungen im Sinne von Überzeugungen, Zuschreibungen, Selbstverurteilungen usw.)
auf effektive Weise entsprechend den Bedürfnissen und Zielen des Klienten zu verändern.

Hierbei hat der Klient die Autorität für die Lösungsdefinition.
Man geht davon aus, dass jeder Mensch ein reichhaltiges Repertoire von Denk-, Fühl- und
Verhaltensmöglichkeiten erlernt hat. Potentiale für Veränderung müssen nicht erst neu gelernt werden,
sondern sind bereits aufgrund vielfältiger Erfahrungen gespeichert.
Das Hauptaugenmerk einer lösungsorientierten hypnotherapeutischen Arbeit liegt nicht auf Diagnostik von
pathologischen Phänomenen, sondern auf der Frage,

  • wie Veränderung gelingen kann
  • wie vorhandene Ressourcen / Kompetenzen genutzt werden können und
  • wie Potentiale zieldienlich vernetzt werden können

Lösungserleben ist assoziiertes Erleben, also Erleben mit allen Sinnen.

Legt man die Vergleichsstudien von Beahrs den weiteren Betrachtungen zugrunde,
so stellt man fest, dass die gleichen Kriterien, die für Trance – Phänomene benannt sind,
auch für die Erlebnismuster gelten, die Klienten als problematisch beschreiben.

 

Symptome werden vom Klienten oft erlebt als nicht beeinflussbar und nicht steuerbar:

  • Es“ (das Problem) geschieht ganz unwillkürlich.
  • Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Problemerleben und seine Peripherie absorbiert so viel Energie,
    dass der Klient keine Möglichkeit sieht, aus eigener Kraft da raus zu kommen.
  • Und es gibt einen entscheidenden Eskalationsfaktor: das als „Problem“ identifizierte Erleben wird vom Klienten und
    auch von äußeren Instanzen (z.B. durch pathologiebezogene Diagnostik) interpretiert und beurteilt.
  • Diese Interpretationen sind meist wenig förderlich für einen Heilungsprozess.
  • Sie wirken eher problemstabilisierend, in dem sie die Aufmerksamkeit immer wieder auf das „Problematische“ und Ungelöste richten.
  • Sie wirken wie eine professionelle Trance – Induktion.

 

In den 80er Jahren haben die Erickson – Schüler Steven Gilligan und Gunter Schmidt den Begriff der „Problemtrance“ geprägt.
Danach werden Probleme als Trance – Phänomene beschrieben, da sie das Kriterium der unwillkürlich
Aufmerksamkeitsfokussierung und der Assoziation in das Problemerleben erfüllen.

 

 

„Problemtrancen“

Man kann davon ausgehen, dass im „Unbewussten“ alle biographischen Erfahrungen und die persönlichen Bewertungen
dieser Erfahrungen gespeichert sind.
Sie dienen dazu, die Gegenwart zu beurteilen, oder anders formuliert:
zur Interpretation gegenwärtiger Erfahrung werden die „Landkarten“ der Vergangenheit zu Hilfe genommen.
Das Unbewusste liefert mittels Innerer Filme und der entsprechenden Inneren Dialoge die notwendigen Zutaten für
das Erleben und dessen emotionaler Bewertung.

Man weiß heute, dass innere Bilder und Gedanken nicht nur emotionale Auswirkungen haben, sondern eine innere
physiologische Wirklichkeit schaffen.
Die Auswahl der inneren Bilder und Kommentierungen kann als eine Art selbsthypnotischer Prozess verstanden werden
und ist Bestandteil einer hoch – komplexen menschlichen Wahrnehmung.
In Bezug auf die Auswirkungen, hängt es davon ab, welche Bilder und welche Gedanken dominant sind.

 

2 Beispiele möchte ich an dieser Stelle anführen:

  • Wenn ein Klient sich innerlich eine katastrophale Zukunft ausmalt,
    ist die emotionale und physiologische Reaktion offensichtlich. Angst ist die Folge.
  • Ein Klient, der den Glauben in sich trägt, nichts wert zu sein, wird in unterschiedlichen Kontexten entsprechende innere Kommentierungen aktivieren, die den Glauben bestätigen.
    Es wird eine „Wirklichkeit“ mit weit reichenden persönlichen und sozialen Auswirkungen geschaffen.

 

 

Lösungsansätze

Die Klienten haben meist die Absicht, ihr Problem in den Griff zu kriegen, es zu beseitigen,
den inneren Automatismus von Problem – Sequenzen zu stoppen …
Dies wird versucht durch bewusste (und willkürliche) Einflussnahme, was selten gelingt.

 

Auf professioneller Ebene hat man jahrzehntelang die Haltung vertreten, dass die bewussten Instanzen mit all ihren exzellenten Beurteilungsmechanismen angesichts eines Lösungsprozesses eher störend wirken.

 

Man hat also Techniken entwickelt (z.B. „Konfusionstechniken“), die den bewussten Verstand beschäftigen sollten,
so dass ein „ungehinderter“ Kontakt zum „Unbewussten“ möglich wird.

 

Allerdings ist diese Vorgehensweise nicht gerade wertschätzend, da ja eine Instanz des Klienten (das „Bewusstsein“) ausgeschaltet wird, um mit einer anderen Instanz des Klienten (dem „Unbewussten“) kommunizieren zu können.

 

Das wäre ungefähr so, als wenn man in einer Paartherapie den einen Partner auffordert, Mathematikaufgaben zu lösen, und seine ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten, während man mit dem anderen Partner „ungestört“ über die Beziehungsproblematik spricht. Hier ist Parteinahme am Werk.

 

Im hypnotherapeutischen Setting hat diese Arbeitsweise einen entscheidenden Nachteil.
Das „Ausschalten“ des Bewusstseins würde für den Klienten einen Kontrollverlust bedeuten,
was wiederum Widerstand hervorrufen könnte.
Man müsste also besonders trickreich und raffiniert vorgehen, so dass der Klient (und sein bewusster Verstand) es gar nicht merkt, dass er gerade „hintergangen“ wird.

 

In der systemischen Therapie wird der Grundsatz der „Allparteilichkeit“ propagiert.
Damit ist eine wertschätzende Haltung allen beteiligten Instanzen gegenüber gemeint.

 

Legt man diese Idee zu Grunde und sieht sowohl das „Bewusste“ als auch das „Unbewusste“
als innere Instanzen oder als Persönlichkeitsanteile an, so kommt man zu dem Schluss,
dass eine wertschätzende Kooperation zwischen dem bewussten Denken und Handeln und den
unwillkürlichen Prozessen sinnvoll ist.

 

Der „kooperative Ansatz“ beinhaltet somit die Kooperation zwischen Therapeut und Klient und
die Einladung zur Kooperation zwischen den inneren Anteilen.

 

Das „Unbewusste“ / der Organismus / die Intuition / die innere Weisheit … wird zum Kooperationspartner des bewussten Verstandes.

 

Angesichts von „Problemtrancen“ ist es für den Klienten sehr hilfreich, erst einmal aus diesem Erleben herauszukommen, einen emotionalen Abstand zu haben und eine Beobachter – Position einzunehmen. Eine Einladung zu einer solchen Dissoziation wirkt de – hypnotisierend.

 

Bei dem Prozess der De – Hypnotisierung ist der Weg von „unwillkürlich“ nach „willkürlich“.
Das kann ein Verstehen der Zusammenhänge, ein Anschauen von prägenden Erfahrungen und signifikanten Ereignissen bedeuten.
Entscheidend ist hierbei, dass dies in einer wertschätzenden Haltung geschieht,
in der sowohl die „Lernprozesse“, die zum Problemerleben geführt haben, als auch die dahinter stehenden Bedürfnisse und positiven Absichten berücksichtigt werden.
Auch ist die Erkundung der Frage von großem Interesse, wofür bzw. in Bezug worauf das Problem
einen Lösungsversuch darstellt.

 

Darüber hinaus ist die Dissoziation von der „Problemtrance“ eine wichtige Voraussetzung,
um wieder in Kontakt mit dem eigenen Entwicklungspotential zu kommen.

 

Das Nutzbarmachen (Utilisation) von Kompetenzen und Ressourcen des Klienten ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Entwicklungsprozesses.

 

Beim Entwurf von Lösungsszenarien sollte dann unbedingt darauf geachtet werden,
dass mögliche Lösungen auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft werden,
und welche Auswirkungen sie im sozialen Umfeld haben.

 

Aus diesen Erwägungen heraus wird die „Lösungstrance“ entwickelt, in dem der Klient zu assoziiertem Lösungserleben eingeladen wird.

 

Und wie Milton Erickson schon sagte:
Menschen verändern sich vor allem durch Erfahrung.

Teil 2:

Im folgenden finden Sie eine Zusammenstellung von Problemtrance – Phänomenen,
die der amerikanische Psychotherapeut und Begründer der Quantenpsychologie Stephen Wolinsky in
seinem Buch „Die dunkle Seite des inneren Kindes“ beschreibt.

 

Die Altersregression

  • das Gefühl jünger zu sein, als man ist – bildet den Eckstein des verletzten inneren Kindes.
    Das Bild eines Vorfalls aus der Vergangenheit wird innerlich festgehalten und auf die Erfahrungen
    der Gegenwart trance-feriert.
    Bei Altersregression hat das innere Kind das Ruder übernommen und wird zum Hypnotiseur des Erwachsenen-Ich.
  • Wenn man als Kind, gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte zu unterdrücken, um den Eltern zu gefallen,
    weiß man später selbst nicht mehr, was man will. Es entsteht Ärger und Wut. In Folge dessen zwingt man andere dazu,
    ihre natürliche und emotionale Energie zu unterdrücken. (E-motion bedeutet: etwas hinausbewegen).
    Oder das Gefühl der Wut wird gegen die eigene Person gerichtet.
  • Die „Ich bin nicht klug“ – Trance ist weit verbreitet.
  • Bei der „Du bist schlecht“ – Trance wird die Stimme einer ehemals äußeren Person zur Stimme des inneren Kindes.
    Die Aufgabe des äußeren Hypnotiseurs übernimmt das innere Kind. Das daraus resultierende negative
    Selbstwertgefühl ist Bestandteil der Trance.

Fragen und Anregungen::

  • Wo im physischen Körper ist das innere Kind wahrnehmbar?
  • Welche Emotionen sind mit dem inneren Kind verbunden?
  • Gegen welche Erfahrung wehrt sich das innere Kind?
  • Geben Sie dem inneren Kind einen Namen, so daß Sie in der Beobachterrolle
    bleiben können.

Die Selbstbeobachtung darüber, wie das innere Kind funktioniert, führt zu Bewusstsein.
Es stehen jetzt die Ressourcen des Erwachsenen zur Verfügung, die dem Kind nicht zugänglich waren.
Die De-Hypnose rückt die Erinnerung in den Hintergrund, die Gegenwart in den Vordergrund.

 

Die Zukunftstrance

Drei Aspekte seien hier genannt:

  • Wenn der Geist in die Zukunft wandert, entsteht oft Angst vor imaginären Ereignissen (Siehe Beispiel oben).
    Charakteristisch für diese Zukunftstrance ist das assoziierte Erleben z.B. in den Schmerz angesichts einer
    katastrophalen Zukunft.
    Gedanken an die Zukunft beginnen oft mit „Was, wenn…“
    Wir unterstellen, daß es die Katastrophen der Vergangenheit sind, die hier auf die Zukunft projiziert werden.
  • Kinder schützen sich manchmal vor aktuellem Streß in der Familie dadurch,dass sie sich in ihre Phantasie zurückziehen,
    um sich dort ein angenehmes Erleben zu holen.
    Es ist der Versuch, äußeres Chaos durch eine Trance der Fantasie zu berichtigen. Die Fantasie hat dann den Charakter von
    „Weg von“ und bleibt ohne Feedback von der gegenwärtigen Wirklichkeit.
  • Viele Menschen hängen der „Gewinnen – durch – Verlieren – Trance“ an.
    Hier wird für die Zukunft Abrechnung, Rache usw. geplant.
    Wenn ein Kind glaubt, etwas Falsches getan zu haben, plant es für die Zukunft, als Vermeidung einer Strafe,
    eine Rechtfertigung.
    In der Trance sind nun sowohl die Vorstellung einer Katastrophe als auch die Maßnahmen gegen das
    drohende Verhängnis enthalten.

 

Die Trance der Trennung

  • Sie tritt auf, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, die familiäre Situation zu bewältigen, wenn man ihm verbietet, wütend zu sein,
    oder Zuneigung zu zeigen. Die Folge ist, daß dieser Teil abgespalten wird.
  • Die Trennungs – oder Dissoziations – Trance kann sich auf innere Persönlichkeitsanteile, auf Teile des physischen Körpers
    oder auf den ganzen Körper beziehen. Trennung tritt dann auf, wenn die äußere Wirklichkeit bedroht ist.
  • Um Trennung zu vermeiden, kann ein Kind auch die Trance der Verschmelzung nutzen.
    Verschmelzung ist ein Trancezustand, bei der sich das Kind mit einem Familienmitglied überidentifiziert und mit diesem verschmilzt, um diesem Familienmitglied zu helfen und selbst zu überleben.
    Diese beiden gegensätzlichen Trance – Zustände der Trennung und der Verschmelzung ergänzen sich oft.
    Ein Problem kann ohne eine Trance nicht existieren.
    Diese Art von Trancezuständen ist wie Leim, der die Probleme zusammenhält.

Fragen und Anregungen:

  • Identifizieren Sie die Art der Trance … Trennung oder Verschmelzung ?
  • Wo im Körper ist z. B. die Trennung fühlbar ?
  • Achten Sie darauf, daß Sie Beobachter dieser problematischen Zustände sind.
  • Wenn unterschiedliche Identitätsanteile existieren, z.B. ich bin wie Vater (Verschmelzung) und ich bin ich und muß Vater
    bekämpfen (Rebellion), bleibt der innere Konflikt hypnotisch erhalten.

 

Die „Du mußt – oder Du sollst – Trance“

 

„Du mußt – oder Du sollst“ gelten linguistisch als Modaloperatoren der Notwendigkeit im Inneren Dialog und sind die
verinnerlichten Stimmen ehemals äußerer Personen, wie Vater, Mutter …

Fragen und Anregungen:

  • Erkennen Sie die Sollte – Stimme.
  • Aus welcher Richtung kommt die Stimme?
  • Erkennen Sie, um wessen Stimme es sich handelt.
  • Spielen Sie mit der Stimme durch Submodalitäten – Veränderung (Veränderung des Klanges, der Tonhöhe usw.)
  • Die Schönheit des Beobachters besteht darin, daß er keine Urteile fällt.
  • Oft sind die Botschaften innerer Stimmen darüber, wer oder was wir sind, Introjektionen der elterlichen Stimmen,
    die im Inneren Kind gespeichert sind.
  • Der innere Dialog setzt sich zusammen aus einer Reihe von Interaktionen von Eltern zu Kind.
  • Aufgezeichnete Stimmen werden in die bestehenden Glaubenssysteme eingebaut. So werden Suggestionen
    als die eigenen angenommen.

 

Die Trance des Abblockens

 

Abblocken ist ein Trance – Zustand, der darin besteht, nicht zu hören, was auditiv hörbar ist und nicht zu sehen,
was visuell sichtbar ist.
So verschwinden z.B. Bilder eines sexuellen Mißbrauchs in einer Nebelwand.
In schweren traumatischen Fällen kann sogar der eigene Körper im Nebel verschwinden und dadurch abgeblockt werden.
Bei Alkohol- und Drogenkonsum hilft die jeweilige Substanz, das Abblocken zu verstärken.

 

Die Trance der Illusion

  • Wenn gegenwärtige Erfahrungen durch Bilder, Gefühle oder Stimmen aus der Vergangenheit gestört oder
    unterbrochen werden, sprechen wir von selektiven Trance – Zuständen.
    Vergangenes kann auf diese Weise über die Gegenwart oder über die Zukunft gestülpt werden.
  • Manchmal geschieht es auch, daß bestimmte Gedanken einfach größer gemacht werden.
    So wird z.B. auch in der Therapie aus einer problematischenErfahrung ein winziges positives Element
    herausgefiltert und dann größer gemacht.
  • Das selbe tun Klienten oft in umgekehrter Richtung. Sie filtern einennegativen Bestandteil einer Erfahrung heraus,
    machen diesen Teil größer und können so die Gesamterfahrung als negativ bewerten.
  • Im ersten Fall befinden sich Therapeut und Klient in einer Trance, die der Therapeut einsetzt, um sich produktiv zu fühlen.
    Im zweiten Fall liegt ebenfalls eine Trance im Sinne einer Illusion vor.
    Intensiviert wird die Trance noch, wenn das illusionäre Erleben verallgemeinert und dadurch auf zukünftige
    ähnliche Situationen übertragen wird.
  • Bei einer Illusion wird die Wirklichkeit auf einen kleinen Teil zusammengeschrumpft.
    Dieser Teil wird dann vergrößert oder enorm verzerrt.
  • Viele Menschen stellen sich vor, Stars zu sein. Problematisch wird es, wenn sich die Illusion verfestigt, und
    interpersonelles Feedback unterbrochen wird. Das führt zwangsläufig zu Depressionen.
  • Beim Prozeß des Gedankenlesens werden die Vermutungen darüber, was ein Mensch fühlt oder denkt,
    als Wirklichkeit angenommen.

 

Die Trance des Positiven Denkens

  • Viele Menschen, die dem Phänomen des Positiven Denkens anhängen, investieren enorm viel Energie,
    täglich ihre Übungen zu machen, sich per positiver Gedankenkraft in einen künstlichen Zustand zu manövrieren,
    um das, was dahinter an Problemen in Bezug auf Selbstwert, Identität und Zugehörigkeit lauert,
    nicht mehr fühlen zu müssen.
  • Diese Art des konstruiert positiven Denkens ist der klägliche Versuch, mit Hilfe massiver auditiver
    Einflüsterungspropaganda eine Heile – Welt – Trance zu erschaffen, um die Trance der Depression und des
    Versagens zu überlagern.
    Leider gelingt das nicht all zu häufig.
  • Die lebensgeschichtlichen Themen, die nach Bearbeitung und De-Hypnotisierung drängen,
    nehmen sich früher oder später wieder ihren Raum und zeigen sich z.B. als Konversionssymptome
    auf der körperlichen Ebene.
    Oder die Person gibt irgendwann auf und fällt wieder zurück in den alten depressiven Zustand.

 

Die Trance der Identitätsträume

  • Träume haben manchmal den Zweck, eine bessere Welt im Innern zu schaffen, um den Schmerz der
    Außenwelt zu bewältigen.
    Sobald dieser Traum auf Automatik geschaltet ist, läuft der Traum weiter, als ob er real wäre.
  • In Paarsitzungen ist es häufig ein Problem, wenn einer von beiden den Traum des inneren Kindes träumt.
    So ist es nur konsequent, den Erwachsenen zu bitten, den Traum des inneren Kindes anzuschauen,
    anstatt den Partner ändern zu wollen.
  • Der idealisierte Traum wird über das, was ist, übergestülpt. Bei den meisten Menschen sind Trance – Träume
    auf Automatik geschaltet und Versionen von unerfüllten Kindheitsthemen.

 

Die Trance der Amnesie

  • Amnesie ist ein Verteidigungsmittel, eine Möglichkeit, wie der Beobachter dem Kind helfen konnte,
    die Umstände zu überleben,
    unter denen es aufwuchs.
  • Entsprechende Muster werden im Körper und im Atem festgehalten.
    Körperarbeit hilft, die vergessene oder verleugnete Erinnerung freizulegen.
  • Auch die Hypermnesie ist eine Verteidigungshaltung. Sich an alles erinnern zu können, ist gekennzeichnet
    durch Über – wachsamkeit. Amnesie und Hypermnesie sind Reaktionen auf familiäre Bedingungen.

 

Die Trance der Taubheit und Abgestumpftheit

Hier geht es um emotionale Wahrnehmungsverzerrung.
Sie ist ein Verteidigungsmittel, bei dem der Beobachter im Kind Taubheit und Abgestumpftheit verursacht,
so daß der Erwachsene nur schwerlich Zugang zu seinen Gefühlen hat.

Fragen an das innere Kind:

  • Was bist du bereit zu fühlen, was nicht?
  • Wann hast du dich entschlossen zu fühlen, oder nicht zu fühlen?
  • Vor welchen Erfahrungen schützt dich die Taubheit?

 

Die Trance der Hypersensitivität

 

Es geht um eine Überempfindlichkeit, die sich bis hin zu der Neigung entwickeln kann, alles um sich herum
persönlich zu nehmen.
(Personalisierung)

 

Allen genannten hypnotischen Zuständen ist gemeinsam, daß ihnen prägende Erfahrungen zugrunde liegen,
die auf persönliche Weise interpretiert und bewertet werden. Die Bewertung von Erfahrung ist kein Akt logischer
und vernünftiger Gedankenprozesse, sondern die kinästhetische, d.h. körperliche und emotionale
Reaktion auf das Erleben. Das Korrelat dieser Bewertungen sind die inneren Überzeugungen,
die durch die Verallgemeinerung der Bewertungen entstehen, und maßgeblich Verhalten, Denken und Fühlen bestimmen.

Da die meisten „eingefleischten“ Überzeugungen außerhalb der bewußten Wahrnehmung angesiedelt sind,
wirken sie wie innere Hypnose – Programme und sorgen dafür, dass sie ständig durch Erfahrungen neu gespeist werden.
Alle Werturteile bezüglich der eigenen Person, bezüglich anderer Personen oder Situationen basieren auf Überzeugungen.

Den stärksten Einfluß auf die Persönlichkeit haben Überzeugungen auf der Identitätsebene.
Hier geht es um Selbstbild, Selbstbeurteilung und Selbstwert, aber auch um Selbstverachtung, Verzweiflung
und Wertlosigkeit.

Einschränkende, negative Überzeugungen lassen sich grob in 3 Kategorien einteilen:

  • Wertlosigkeit
    (die Überzeugung, daß man selbst nichts wert ist, und es nicht
    anders verdient hat)
  • Hilflosigkeit (die Überzeugung, daß man selbst nicht in der Lage ist,
    Veränderung zu erreichen)
  • Hoffnungslosigkeit (die Überzeugung, daß „alles“ keinen Sinn hat)

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Die therapeutische Intervention setzt da an, wo es um die ganz individuelle innere Repräsentation des Problems geht.
Die entsprechenden Informationen aus dem visuell – räumlichen, dem kinästhetisch – emotionalen,
und dem auditiven Bereich sind die Bausteine, aus denen sich das Problemerleben zusammensetzt (Komposition).

Wie bei einer musikalischen Komposition beeinflussen sich die Bestandteile gegenseitig und reagieren aufeinander.
Durch ihr Zusammen – Klingen bilden sie ein komplexes System individueller Wahrnehmung.

Um eine Lösung herbeizuführen, um etwas zu lösen, ist es sinnvoll da anzusetzen,
wo etwas auf unangenehme Weise verbunden oder verstrickt ist.
Das bedeutet auch eine Würdigung dessen, wie die Person auf „kunstvolle“ Weise ihre Bausteine der Wahrnehmung angeordnet hat.
Von da aus ist ein Gestaltungsraum offen, der Veränderung im Sinne einer Neustrukturierung einzelner Wahrnehmungsbausteine ermöglicht.

Entsprechend geht es nach dem Prozess der De – hypnotisierung darum, tieferliegende Ressourcen für die Lösung zu aktivieren.

Durch ressourcevolles Verändern des grundlegenden hypnotischen Zustandes entsteht eine Neu – komposition von Wahrnehmungselementen.
Und dadurch können sich wieder neue unterstützende, lebensbejahende und konstruktive Überzeugungen bilden.

So gesehen geht es in der Hypno – Dehypnotherapie darum, internale Rituale zu gestalten,
die das Konstruktive zum Inhalt haben.

Grundlegende Haltungen und Methoden

Grundlegende Haltungen und Methoden

 

 

Zu einer grundlegenden Haltung im Umgang mit NLPt gehört selbstverständlich, dass ein Therapeut Rapportfähigkeiten nutzt, um einen verständnisvollen und liebevollen Kontakt zum Klienten zu initiieren.

Voraussetzung hierfür ist ein gesundes, wohltuendes „Eigenpacing“. (s.o.)

 

Ein Angleichen (Pacing) an die subjektiven Realitätskonstruktionen des Klienten hat folgende Aspekte:

  • die Achtung und Akzeptanz des Klienten in seinem So – sein
  • die Würdigung des Status Quo (der aktuellen Situation)
  • das aktive Zuhören bei der Beschreibung von Problem – und Zielkomponenten
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von analogen körpersprachlichen Botschaften (Augenbewegungen, Gesten, Mimik usw.)
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von sinnesspezifischen Inhalten in der Sprache
  • Das Wahrnehmen und Utilisieren von formulierten Identitätsaussagen, Überzeugungen, Werten, Fähigkeiten und Verhaltensweisen
  • Das Stellen von offenen Fragen aus einer neugierigen Forscherhaltung heraus

Aus den formulierten Aufträgen des Klienten ergeben sich in einem behutsamen und transparenten Abstimmungsprozess die therapeutischen Angebote.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Begriff des „Leading“ hier ganz bewusst vermieden wird, weil er, wie ich finde, allzu sehr an direktiv – manipulative Praktiken erinnert.

Durch die NLP – Grundausbildungen ist der Therapeut geschult und erfahren im Umgang mit sprachlichen Formulierungen.
Er ist in der Lage, tilgende, generalisierende und verzerrende Äußerungen zu erkennen und zu hinterfragen.

 

Das Meta – Modell ist eine Sammlung von „klugen Fragen“.
Durch offenes Fragen wird dem Klienten die Möglichkeit eröffnet, Sprache wieder mit Erfahrung zu verbinden.

  • Das Meta-Modell ist ein hervorragendes Werkzeug, um
  • sinnlich konkrete Informationen zu sammeln von Ressource – und Problemaspekten,
  • hypnotisch wirkende Botschaften zu hinterfragen,
  • Bedeutungen zu klären,
  • Wahlmöglichkeiten zu erkunden.

Aus dem systemischen Denken weiß man, dass Verhaltensweisen und Symptome nicht nur als im Menschen ablaufende
Ereignisse zu sehen sind, sondern, dass sie immer auch eine Funktion in den wechselseitigen Beziehungsdefinitionen haben.

 

Das Zirkuläre Fragen ist hilfreich, um

  • Informationen über Beziehungsmuster zu sammeln,
  • Ideen über die Logik der Beziehungsdynamik und die bestehenden
    Spielregeln zu entwickeln

und ist eine hervorragende Ergänzung, um jenseits der Konkretisierung von subjektivem Erleben, Informationen über die
Auswirkungen und Reaktionen auf Verhaltensänderungen zu sammeln und die systemisch wirksamen Realitätskonstruktionen
in den therapeutischen Prozess einzubinden.

Gleichzeitig sorgt diese Einbindung für eine Transparenz der individuellen Landkarten in Bezug auf bestehende Überzeugungen, Werte, Meta – Programme usw.

Fragen dienen im therapeutischen Kontext als Werkzeug zum Sammeln von Informationen und gleichzeitig als Interventionsinstrument im Sinne einer Fokussierung der Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung.

Dieser zweite Aspekt gilt insbesondere für alle Arten von Hypothetischen Fragen.
Der Klient wird zu Gedankenexperimenten eingeladen, um bestimmte Optionen durchzuspielen und zu erproben.

Zudem dienen hypothetische Fragen und deren Antworten im Sinne von neuen Ursache – Wirkungs – Konstruktionen dazu,
alte Muster zu unterbrechen und eine gewünschte Realität zu gestalten.

 

Im Öko – Check, sei es im Zuge eines Future – pacing oder im Zuge eines Past – pacing werden hypothetische Fragen genutzt, um Vor – und Nachteile von Verhaltens-, Denk- und Fühlweisen zu klären,
mögliche Auswirkungen von Veränderungen zu erforschen (was würde passieren ,wenn …) und Assoziation in gewünschtes Erleben zu ermöglichen.

 

Bei der Ziel- und Lösungsfokussierung sind hypothetische Fragen hilfreich, um Erfahrungswerte im Rahmen eines „so tun als ob“ zu sammeln:

Stell dir vor … (oder angenommen …)

  • Dein Problem wäre gelöst …
  • du hättest dein Ziel bereits erreicht …
  • ein Wunder würde geschehen …
  • es gäbe eine Wunschmaschine …
  • eine Zauberfee gäbe dir die Möglichkeit …
  • es gäbe einen Test, der beweisen würde …

Woran würdest du merken … ?
Woran würden Andere merken … ?

 

Eine weitere Frageform sei hier kurz erwähnt: das dichotome Fragen:
Durch das Anbieten 2er oder mehrerer Alternativen wird der Klient im Rahmen von kreativen Such – und Finde – Prozessen angeregt,
seine innere Weisheit für eine hilfreiche Antwort zu nutzen.

 

 

Das Umkehrmodell des Meta – Modells ist das Miltonmodell der Sprache:
Durch die bewusste Nutzung von Tilgungen, Verallgemeinerungen und Verzerrungen in einem eher unspezifischen Sprachgerüst werden dem Klienten permissive Angebote auf der Prozessebene gemacht.

Die konkreten Inhalte des Erlebens wählt der Klient aus seiner eigenen
Erfahrungswelt.
Die Verwendung von Prozesssprache induziert und verstärkt Trance – Zustände, und unterstützt den Klienten dabei, eigene Ressourcen, ungenutzte Potentiale und Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

 

Die Definition von Trance – Phänomenen und hypnotischen Zuständen ist in der modernen Hypnotherapie und in der NLPt recht weit gefasst.

So geht man davon aus, dass alle Arten von Interpretationen und Bewertungen von Erfahrungen (sowohl gedankliche als auch emotionale Bewertungen) im Sinne von Eigensuggestionen trance – induzierend wirken.

Gemeinsame charakteristische Merkmale von Trance – Zuständen sind:

  • fokussierte Aufmerksamkeit
  • unwillkürliches Erleben („Es geschieht“ anstatt „Ich mache“)
  • Assoziation

Problemzustände werden von Klienten häufig so beschrieben, dass unwillkürliche Prozesse ablaufen, die sich den Steuerungsversuchen des Bewusstseins eher entziehen.

Es gibt also Trance – Zustände, die eher hilfreich sind im Sinne einer Aktivierung eigener Kompetenzen, und Trance – Zustände, die eher einschränken.

 

Man spricht auch von Lösungstrancen und Problemtrancen.
Die therapeutische Zielrichtung lautet hier:

  • De – hypnotisierung im Falle einer Problem – Trance (Dissoziation)
  • Induktion und Vertiefung im Falle einer ressourcevollen Lösungstrance (Assoziation)

Zum Grundhandwerkszeug des NLP – Therapeuten gehört es, dem Klienten angesichts von Problemtrancen
(und dies gilt vor allem in Bezug auf traumatische Erfahrungen, Phobien, und alle Arten von Angst-, Stress- und Schmerzsymptomatik) Dissoziation anzubieten.

 

 

Dissoziation ermöglicht es dem Klienten,

Sich selbst in dem gegenwärtigen Erfahrungskontext von außen zu betrachten

Überblick über das Geschehen zu bekommen

Das Geschehen aus einer anderen Perspektive zu reflektieren und angemessen zu bewerten

  • Missverständnisse zu klären
  • miteinander verknüpfte Reize zu entkoppeln (z.B. werden bei Phobien visuell – kinästhetische Verknüpfungen entkoppelt)

 

Assoziation ist immer dann sinnvoll, wenn es um ressourcevolles, bzw. gewünschtes Erleben geht.

Eine therapeutische Methode, die sich an Lösungen orientiert, zielt gerade angesichts von „Problemtrancen“ darauf ab,
Ausnahmen vom Problemerleben im Sinne einer Aktivierung von Kompetenzmustern erlebbar zu machen und diese mit
physiologischen Parametern zu verknüpfen. (Anker)

Es hat sich als sinnvoll und hilfreich erwiesen, die Kommunikation mit dem Klienten auf 2 Ebenen zu führen:

  • auf der Ebene des bewussten Verstandes und
  • auf der Ebene unwillkürlicher Kompetenz

Der bewusste Verstand kann an einem Entwicklungsprozess beobachtend und reflektierend beteiligt sein, während auf der Ebene des unwillkürlichen oder intuitiven Wissens bestimmte Prozesse in Gang gesetzt werden, die den Klienten dabei unterstützen, Ressourcen und Kompetenzen für eine gute Lösung zu aktivieren.

 

 

Arbeit mit einschränkenden Überzeugungen

Überzeugungen sind Teil der persönlichen inneren Landkarten eines Menschen und im therapeutischen Kontext zu verstehen als persönliche Bedeutungsgebung bzw. generalisierte Interpretation von Erfahrung, die das Verhalten, Denken und Fühlen bestimmt.

Einschränkende Überzeugungen werden von Klienten meistens formuliert als

  • Ursache – Wirkungs – Zusammenhänge oder komplexe Äquivalenzen,
    in denen verschiedene Einzelaspekte auf spezifische, komplexe Weise miteinander verknüpft sind.
  • Glaubenssysteme und Zuschreibungen von wichtigen Bezugspersonen, die im Verlauf der Sozialisation als Botschaften über sich selbst und die Welt gelernt und verinnerlicht wurden, und in ihrer negativen Wirkung Verunsicherung und Selbstabwertung zur Folge haben.

Überzeugungen sind nicht auf Logik aufgebaut, sondern auf konkreten Erlebnissen.
Prägende Erlebnisse können in der NLPt – Arbeit im Sinne einer De – Hypnotisierung aufgedeckt, analysiert und zu einer Lösung hin entwickelt werden.

In der NLPt gibt es eine ganze Sammlung von effektiven Methoden zur Ausbalancierung von negativ wirkenden Bewertungen (meist kinästhetischer Art) von früheren Erfahrungen und Traumata, genannt Re-imprinting.

 

 

Reparenting, assoziierte und dissoziierte Zeitlinienarbeit, sind nur einige Möglichkeiten aus einem großen Repertoire,
die therapeutisch genutzt werden, um Themen auf eine wertschätzende (und auch die Geschichte des Klienten wertschätzende) Art ressourcevoll aufzuarbeiten und in eine Lösungsrichtung zu entwickeln.

Zur persönlichen Geschichte des Klienten gehört neben dem aktuellen sozialen Kontext auch seine Herkunftsfamilie.
Ist nun das Thema so beschaffen, dass eine Leid erzeugende Familienstruktur prägend bis in die Gegenwart wirkt, so ist es auch sinnvoll, die Logik der systemischen Dynamik zu verstehen und in den Prozess einzubinden.

Menschen, die unter vergangenen Ereignissen leiden, regredieren oft spontan in frühere Lebensphasen.
Diese Spontanregression des Klienten kann mit Hilfe der kinästhetischen Anker utilisiert werden, um die Orientierung auf das Grundgefühl, das mit dem Problem verbunden ist, zu ermöglichen.

Ein reichhaltiges Repertoire steht hier für die Bearbeitung systemischer Konstellationen zur Verfügung:

  • Klassische Skulpturarbeit (Virginia Satir)
  • verschiedene Formen der Familienrekonstruktion
  • Strukturaufstellungen mit Repräsentanten
  • Kreative Arbeit mit Raumankern, Gegenständen, Symbolen
  • Hypnosystemisches Arbeiten

Wie schon erwähnt, lernen Menschen im Zuge der Reifung ihrer Identität im Rahmen eines Sozialisationsprozesses Überzeugungen,
Einstellungen, Verhaltensweisen von wichtigen Bezugspersonen. Man kann folglich annehmen, dass sich durch den Vorgang der
Internalisierung Instanzen bilden, die ihren spezifischen Platz in der inneren Psychogeographie einnehmen.

 

 

Das Modell der inneren Persönlichkeitsanteile zeichnet sich in der NLPt allerdings im Gegensatz zu anderen therapeutischen Disziplinen durch eine offene Architektur aus, die ohne festgelegte und vorbestimmte Ich – Zustände auskommt.

Therapeutisch sinnvoll ist oft die Externalisierung von internalen Instanzen im Rahmen eines kreativen Entwicklungsprozesses.
Strukturaufstellungen, die Arbeit mit Raumankern, Gegenständen und Symbolen, hat sich im Umgang mit inneren Systemen als ebenso
hilfreich erwiesen wie im Umgang mit äußeren Systemen.

 

Die Grundstruktur des Verhandlungsreframings erlaubt es dem Klienten, innere Konflikte (zwischen sich bekämpfenden Instanzen) auf eine beide Seiten würdigende Weise zu lösen.
Ein wichtiges Element in diesem Lösungsprozess ist die Würdigung der positiven Absichten (für das Gesamtsystem) beider Seiten.

 

Innere Landkarten bilden nicht nur die individuellen Überzeugungen und Einstellungen von wichtigen Personen ab, sondern auch die Interaktionsmuster im System und die entsprechenden Metaprogramme.

Metaprogramme sind dichotome Muster der Wahrnehmung und Informations- verarbeitung, die als einflussreiche Determinanten der Persönlichkeit Orientierung in der Welt ermöglichen.

Metaprogramme stellen ein Bindeglied zwischen den Logischen Ebenen Glauben/Werte – Fähigkeiten und Glauben/Werte – Identität dar.

Die Strukturierung von Meta – Programmen basiert auf den Untersuchungen C.G. Jungs zu den psychologischen Typen.

Die NLPtherapeutische Zielrichtung ist hier die Ausbalancierung einseitiger Programmierungen, bzw. die Entwicklung in die eher vernachlässigte Richtung, z.B.

  • von WEG VON (Problem) zu HIN ZU (Ziel, Lösung)
  • von NOTWENDIG (Zwänge, Druck, Stress) zu MÖGLICH (Wahlfreiheit)
  • von ENTWEDER – ODER zu SOWOHL ALS AUCH
  • von STATISCH zu BEWEGLICH, usw.

so dass durch die Balancierung dem Klienten wieder Wahlmöglichkeiten im Denken, Fühlen und Handeln zugänglich werden.

 

Mit inneren Wahrnehmungsbausteinen befasst sich auch die NLPt – Strategiearbeit.

 

Innere Strategien sind beschrieben als mentale Erfahrungsketten, die meist auf einer unbewussten Ebene ablaufen.
Durch den Vorgang des Elicitierens im Rahmen eines Interviews (s. auch oben: 2 Ebenen – Kommunikation) wird eine geordnete Reihenfolge der Aktivität der Repräsentationssysteme deutlich.

Entpuppt sich eine Strategie als Problemstrategie, so geht es darum, herauszufinden, welche Veränderungen gewünscht sind,
und wie diese ökologisch vertretbar integriert werden können.

Es sei auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass eine Problemstruktur ein vielleicht über Jahre und Jahrzehnte hin eingeübtes Muster ist, das als „Fähigkeit“ auch Würdigung braucht.

 

So gilt beim Verändern von Problemstrategien in Lösungsstrategien die einfache Grundformel: so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

NLPt befasst sich mit den individuellen und systemischen Konstruktionen der Realität.
Und hierbei wird von einer großen Kompetenz in Bezug auf Gestaltungsmöglichkeiten und Veränderungspotentiale beim Klienten ausgegangen.

„Alle Ressourcen für Veränderung sind bereits vorhanden“, lautet ein wichtiger NLPt – Grundsatz.

Therapeutisches Know how unterstützt den Klienten bei einer sinnvollen Neustrukturierung von Erfahrungs- und Wahrnehmungselementen auf einer sinnesspezifischen und sinnes – submodalen Ebene und initiiert einen aktiven, lebendigen Lernprozess, der eine Lösung zum Ziel hat, die für den Klienten anstrebenswert und auch realisierbar ist.

Da Menschen vor allem durch Erfahrung lernen, ist es das Ziel jeglicher NLPt – Arbeit, Lösungen erlebbar zu machen.

Zur Aufgabe des Therapeuten gehört es, entsprechende Rituale anzubieten, die dies ermöglichen und das Konstruktive zum Inhalt haben.