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Ausbalancieren von Persönlichkeitsanteilen

Ausbalancieren von Persönlichkeitsanteilen

 

Die Disney-Strategie ist eine Variation von Zielbestimmung.
Sie benutzt die Persönlichkeitsanteile des Träumers, Machers und Kritikers in der benannten Reihenfolge. Ausgehend von einer Vision dessen, was der Klient erreichen will, werden realistische und realisierbare Schritte erkundet, um die Vision umzusetzen.
Aus einer beobachtend reflektiven Position heraus wird dann erforscht:

Was ist gut an den bisherigen Schritten ?
Was fehlt noch ?
Was kann ich verbessern ?

Die neuen Zusatzinformationen werden dann in den Traum, die Vision integriert.
Der Traum verändert sich dadurch und wird realistischer.

Die strategische Abfolge sieht wie folgt aus:

 

Abfolge
In einem hypnotischen Prozess wird die Abfolge Träumer / Realist / Kritiker anhand eines positiv formulierten Ziels vertieft. Die Wahrnehmungsbausteine verschmelzen miteinander und werden Teil des intuitiven Wissens.

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Für eine erfolgreiche Durchführung der skizzierten Sequenz sollten allerdings 2 wichtige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • die Bereitschaft der Persönlichkeitsanteile, miteinander zu kooperieren
  • die Ausgewogenheit des Kräfteverhältnisses der Teile

 

Und genau da liegt meist eine große Schwierigkeit.
Bei vielen Menschen, mit denen ich gearbeitet habe, liegt weder eine authentische Kooperationsbereitschaft, noch eine kräftemäßige Ausgewogenheit der Persönlichkeitsanteile vor.

 

Häufig habe ich erlebt, dass die Kritiker-Instanz eine ganz andere Bedeutung hat als die, die im Disney-Strategie-Setting Voraussetzung ist.

 

Der innere Kritiker wird oft assoziiert mit einem Elternteil und wird gleichgesetzt mit einer internalisierten Autorität.

 

Diese Instanz nutzt vorwiegend Du-Botschaften und enthält Wertehaltungen, Glaubenssysteme und Zuschreibungen von wichtigen Bezugspersonen.

 

Viele Klienten haben von ihren Bezugspersonen eher Negatives über sich oder die Welt gehört.
Sie beschreiben dann innere Dialoge, in denen sie sich verunsichern oder abwerten bzw. in unadäquater Weise mit sich selbst sprechen.

 

In-Frage-stellen oder boykottieren von Zielsetzungen sind da noch eher harmlose Varianten.
Im schlimmsten Falle treten hier massiv einschränkende Überzeugungen und heftige Angriffe auf der Identitäts- und Zugehörigkeitsebene auf.

 

Was nutzt uns nun diese doch eher ernüchternde Sichtweise ?

 

In erster Linie geht es darum, dem, was beim Klienten ist, gerecht zu werden, ihn da abzuholen, wo er ist, und die Themen, die anstehen, zu bearbeiten.
In zweiter Linie geht es darum, eine Kritiker-Instanz zu ermöglichen, die wohlwollend unterstützend und positiv beratend wirken kann, was wiederum eine wichtige Voraussetzung zur Durchführung der Disney-Strategie ist.

 

Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine wohlwollende Berater-Instanz eher einem Erwachsenen-Ich entspricht, während die verurteilende Kritiker-Instanz oft aus der Position des Kindes wahrgenommen wird, das sich der verurteilenden Autorität eines Elternteils gegenüber sieht.

 

Mit anderen Worten: wenn eine negative innere Kritik aktiv wird, so liegt meistens eine spontane Regression des Klienten zugrunde.

 

Über diesen Gedankengang sind wir nun beim Eltern – Kind – Verhältnis angekommen.

 

 

Die Grundstruktur der Familie ist die Triade, also Mann, Frau und Kind.Wenn wir mit einem Familiensystem arbeiten, ist der Fokus der Aufmerksamkeit darauf gerichtet,

  • wie die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander beschaffen sind,
  • welche Konflikte es gibt,
  • ob Allianzen oder Koalitionen vorhanden sind.

Als Allianz wird eine enge Beziehung bezeichnet.
Als Koalition wird ein (meist geheimes) Bündnis zweier gegen einen Dritten bezeichnet.
Verdeckte oder offene Konflikte werden in Koalitionen oft umgeleitet, so dass das Kind in die elterliche
Auseinandersetzung mit einbezogen ist.
Dann spricht man von Triangulation.

Es ist anzunehmen, dass Erwachsene die Beziehungsmuster in ihren Familien wiederholen, die sie als Kinder in
Beziehung zu ihren Eltern gelernt haben.

 

Verinnerlichte Elternfiguren und Beziehungsmuster tragen maßgeblich zur Gestaltung der inneren Landkarten für „Beziehung“ bei.

 

Sie finden ihren sinnesspezifischen Ausdruck in visuellen, kinästhetischen und auditiven Wahrnehmungsbausteinen.

 

Die Triade von Träumer, Realist und Kritiker ist mit ihren Sinnespräferenzen (visuell, kinästhetisch und auditiv, in dieser Reihenfolge) eine Grundtriade der Wahrnehmung.

 

Die Frage ist: Wie sind die Entsprechungen zwischen der Disney – Triade und einer Familientriade ?

 

Im vorangegangenen Text wurde schon angedeutet, dass die Kritiker-Position meistens mit einem Elternteil assoziiert wird.

 

Die Träumer – Position ist oftmals mit dem Kind – Ich, der Realistenanteil mit dem zweiten Elternteil assoziiert.

 

Ein erster wichtiger Schritt in der Arbeit mit diesen Persönlichkeitsanteilen ist immer zuerst eine Ausbalancierung der Teile, bzw. der Introjekte, mit dem Ziel einer guten Zusammenarbeit.

 

Dafür braucht es eine sorgfältige Analyse der gegenwärtigen Situation und dann ein Verhandlungs – und Klärungsprozess zwischen den Anteilen.

 

Beispiel:

Ein Teilnehmer legt für die Disney – Positionen Gegenstände als Anker im Raum aus.
Er wird gebeten, genau nachzuspüren, wie diese Anteile miteinander in Beziehung stehen und das durch die Anordnung der Raumanker zu verdeutlichen.

 

Er legt folgendes Bild:

 

TMK1
Der Teilnehmer (TN) schaut sich die Konstellation aus der Meta – Position heraus an und spricht über Nähe und Distanz zwischen den Teilen. Auf die Frage , wie in diesem System Dominanz, Größe, Macht aufgeteilt sind, formuliert der TN das Machtverhältnis wie folgt:

 

T 10 %
M 20 %
K 70 %

 

Um auf der Beziehungsebene noch mehr Informationen zu bekommen, wird der TN eingeladen, Personen aus der Gruppe auszuwählen und den entsprechenden Positionen zuzuordnen.
Der TN wählt für den Träumer-Anteil einen jungen Mann, für den Macher-Anteil eine Frau und für den Kritiker-Anteil einen zweiten Mann aus. Nun werden die Machtverhältnisse dargestellt:

 

Der T – Stellvertreter sitzt,
die M – Stellvertreterin sitzt etwas höher,
der K – Stellvertreter steht erhöht.

 

Die Blickrichtung der 3 Anteile ist wie folgt:
TMK2
Der TN erhält die Aufgabe, für jeden Stellvertreter einen charakteristischen Satz zu formulieren.

 

Die Stellvertreter wiederholen ihre Sätze und werden gefragt, wie es ihnen geht:

 

T: Ich kann mir alles mögliche vorstellen, aber ich fühle mich klein und alleine.
M: Ich mache viel, fühle mich oft hilflos und überfordert.
K: Ich trage die Verantwortung, muss alles unter Kontrolle haben. Das ist alles sehr anstrengend.

 

Die Stellvertreter werden eingeladen, aus dem Gefühl in der Position heraus weitere Sätze zu formulieren und ins Gespräch mit den anderen Anteilen zu kommen.

 

Der TN äußert aus der Beobachter – Position heraus, dass ihn diese Gespräche sehr an seine Herkunftsfamilie erinnern, dass da die gleichen Interaktionsmuster ablaufen. Was die Rollen betrifft, so sieht TN in

 

  • T sich selbst als Kind,
  • M seine Mutter,
  • K seinen Vater.

 

Es wird deutlich, dass der Sohn in Allianz mit der Mutter ist, die Mutter ihrerseits in ihrer Hilflosigkeit auf den Vater ausgerichtet ist, dem wiederum alles zuviel ist, der aber dem Zwang unterliegt, alles unter Kontrolle haben zu müssen.

 

Die Beziehung zwischen M und K zeichnet sich aus durch große Enttäuschungen auf der Seite von M und durch die zwanghaften Versuche von K, alles im Griff zu haben.
T ist derjenige, der von M nicht das bekommt, was er braucht, weil M ja in ihrer Enttäuschung auf K fixiert ist. K seinerseits ist sehr streng und strafend.

 

Die Stellvertreter werden nun eingeladen, ihre Wünsche zu äußern, und zu formulieren, was ihnen am meisten fehlt.

 

Im Rollenspiel ist deutlich geworden, dass es unausgesprochene Konflikte zwischen M und K bzgl. Ihres Ehelebens gibt.

 

In Folge dessen wünscht sich K Entlastung durch M.
Er sagt: Ich kann es nicht alleine schaffen. Es ist zuviel für mich. Es wäre schön, wenn du mir hilfst.
M wünscht sich mehr Nähe und liebevolle Beachtung von K.
T wünscht sich mehr Beachtung und wohlwollende Unterstützung.
Nachdem die Stellvertreter ihre Wünsche geäußert haben, ist eine deutliche Erleichterung bei allen festzustellen.
Auch hat sich die Position der 3 Rollenspieler verändert. Die vormals große Distanz zwischen M und K ist aufgehoben.
Es hat eine Annäherung stattgefunden. Auch T hat jetzt einen Platz gefunden, an dem er sich mehr beachtet fühlt. Die Initiative für eine Balance in der Beziehungsstruktur ist ergriffen.

 

Die neue Konstellation zeigt sich wie folgt:
TMK3

 

 

Der TN wird nun eingeladen, in die Position von T zu assoziieren und sich zu erlauben, die neuen Gefühle zu erleben. Die Machtverhältnisse haben sich wie folgt geändert:

 

T 30 %
M 35 %
K 35 %

 

Dann werden die Stellvertreter aus ihren Rollen entlassen.
Der TN wird eingeladen, das Bild der Kooperation und des offenen konstruktiven Gespräches, sowie die erlebten Gefühle mitzunehmen.
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Im Grunde ist dieser Prozess ein Re-Imprinting im Rahmen einer Aufstellung der Grundtriade der Herkunftsfamilie.

 

Durch diese Neuprägung wird auf positive Weise Einfluss genommen auf die verinnerlichten Beziehungsmuster aus der Herkunftsfamilie.

 

Die inneren Persönlichkeitsanteile können auf neue Weise miteinander kommunizieren und kooperieren. Das braucht Übung. Und dafür ist die Disney – Strategie gut geeignet.
Dort gibt es dann eine Kritiker – Instanz, die mehr die Aufgabe eines aufmerksamen, reflektierenden und unterstützenden Beraters hat.

Die Bedeutung der Kommunikation

Die Bedeutung der Kommunikation in menschlichen Systemen

 

Indem Menschen miteinander Kommunizieren, stellen sie durch den Austausch von Informationen Beziehung her.

In menschlichen Beziehungen geht es darum, Freiräume für das Teilen und Entwickeln von Gedanken, Visionen und Gefühlen zu schaffen, in denen respektvolle und wertschätzende Begegnung und Erweiterung der persönlichen Horizonte stattfinden kann.

 

Das aus dem lateinischen stammende Wort communicare bedeutet:

teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen.

Mit dieser ursprünglichen Bedeutung ist eine Handlung in einem sozialen System gemeint,

in dem Menschen miteinander interagieren. Wesentliche Aspekte dieser sozialen Handlung sind zum einen Anregung durch Signalsetzung und zum anderen Teilhabe. Aus beidem kann etwas Gemeinsames entstehen. (lateinisch communio: „Gemeinschaft“, communis: „gemeinsam“).

 

Ein soziales System setzt sich aus Personen zusammen, die durch eine spezifische Interaktion miteinander in Beziehung treten und auf diese Weise soziale Strukturen und Gruppen- Dynamik schaffen. Diese Dynamik in der Beziehungsgestaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Persönlichkeit.

Je nach Qualität und Ausrichtung der Beziehungen und zirkulären Verknüpfungen entstehen aus dieser Dynamik positive oder negative Regelkreise, die das System entweder in sei­ner

Wei­terentwicklung fördern oder behindern.

Wertehaltungen und Überzeugungen, die Menschen im Verlauf ihrer Sozialisation entwickeln, sind hierfür Gestaltungs- und Lenkungs- Mittel.

Lenkungsvorgänge sind Prozesse der Informationsaufnahme, -verar­bei­tung und -übermittlung.

Ein menschliches System ist jederzeit entwicklungsfähig: wenn es den beteiligten Personen gelingt,

  • ihre persönlichen Potentiale zu entwickeln, zu kommunizieren und für das Gemeinwesen (das System) nutzbringend zu realisieren
  • offen für die Haltungen anderer zu sein
  • flexibel mit den unterschiedlichen Standpunkten umzugehen
  • geschaffene bzw. bereits vorhandene Strukturen zu reflektieren
  • aktiv an der Entstehung eines gemeinsamen Lernfeldes mitzuwirken

Kein Mensch ist allein auf dieser Welt: Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster haben in menschlichen Systemen eine ordnungsgebende Funktion. Andererseits werden dem einzelnen Mitglied durch die Strukturen, die sich entwickelt haben, Beziehungs,- Kommunikations,- und Verhaltensmuster „angeboten“, die unterstützend oder einschränkend wirken können.

 

Kommunikation ist also kein linearer Prozess, sondern Teil eines zirkulären Geschehens, das getragen ist durch die Wechselwirkung in Beziehungen.

 

Was wird nun eigentlich kommuniziert ? … allgemein geantwortet: das, was Menschen wahrnehmen:

 

  • die äußere Welt in Form von Personen, Dingen, Orten, Informationen, Ereignisse
  • die innere Welt in Form von Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen, Erfahrungen

 

In Bezug auf die Wahrnehmung der äußeren Welt hat man früher geglaubt, Menschen könnten das, was sie im Außen beobachten, innerlich 1 zu 1 abbilden.

Jedoch ist diese Annahme, dass es eine objektive Art der Beobachtung und eine objektive Wirklichkeit gibt, wissenschaftlich nicht haltbar. Das wusste im Grunde schon der Grieche Epiktet, als er vor mehr als 2000 Jahren formulierte:

 

Erfahrung ist nicht das, was mit einem Menschen geschieht.
Sie ist das, was ein Mensch aus dem macht, was mit ihm geschieht, und wie er das Geschehene bewertet.

 

Gerhard Roth, ein namhafter Hirnforscher der Gegenwart formuliert neurobiologisch:

 

Die Sinnesorgane übersetzen die ungeheure Vielfalt der Welt in die ‘Einheitssprache’ der bioelektrischen Ereignisse. Bei diesem Übersetzungsprozess geht das “Original” verloren.

Die “Sprache” des Nervensystems selbst ist bedeutungsneutral.

Weil aber im Gehirn der signalverarbeitende und der bedeutungserzeugende Teil eins sind, können die Signale nur das bedeuten, was entsprechende Gehirnteile ihnen an Bedeutung zuweisen: Wahrnehmung ist Interpretation, ist Bedeutungszuweisung.

 

Gerade in sozialen Kontexten schafft die persönliche Bewertung und Bedeutungsgebung eine subjektive Wirklichkeit. Wahrnehmung ist also immer Ausdruck einer subjektiven Selbstkonstruktion oder anders ausgedrückt: Wahrnehmung ist das, was man als Beobachter auf ganz persönliche Weise als wahr annimmt.

Die Grundlage für Interpretation und Bewertung sind die biographischen Erfahrungen.

Aus diesen Erfahrungen und deren Interpretation bilden sich innere Haltungen in Form von Denk- und Fühl- Mustern, Werten und Überzeugungen heraus, die wiederum die Grundlage für spätere Interpretationen bilden.

 

Was bedeutet das nun für Kommunikationsprozesse ?

Wenn ich das, was mich innerlich beschäftigt (meine Gedanken, Gefühle, Vorstellungen …) in Worte fasse, so geschieht das auf der Grundlage der in meinem Leben lerngeschichtlich geprägten Muster. Diese Muster beinhalten meine persönlichen Erfahrungen und wie ich diese Erfahrungen emotional und gedanklich ausgewertet und welche Handlungs- Konsequenzen ich daraus abgeleitet habe.

Wenn ich das in Worte fasse, was ich in der Außenwelt wahrnehme, formuliere ich meine persönliche Sichtweise, basierend auf meinen persönlichen Überzeugungen und Wertehaltungen.

Vor vielen Jahren hab ich zufällig im Fernseher eines der letzten Interviews mit Ruth Cohn (Psychoanalytikerin und Begründerin der Themenzentrierten Interaktion) gesehen. Sie wurde gefragt, was denn die Essenz aus ihrer jahrzehntelangen therapeutischen und gruppenpädagogischen Arbeit mit Menschen sei.

Frau Cohn überlegte einen Moment und antwortete dreigeteilt; sie sagte:

  • alle Menschen sind gleich … (wenn man über Jahrzehnte mit 1000en Klienten gearbeitet hat, stellt man fest, dass es ein Repertoire an menschlichen Themen gibt und dass diese Themen sich wiederholen)
  • alle Menschen sind verschieden … (obwohl sich die Themen und die Sozialisationsprozesse ähneln, unterscheiden sich die Ausprägungen und deren Konsequenzen auf sehr persönliche Weise)
  • alle Menschen sind gleich und verschieden zugleich

Es verbindet ungemein, auf einen Menschen zu treffen, der ähnliche Werte und Überzeugungen vertritt und mit dem man Erfahrungen teilen kann.

2 menschliche Grundbedürfnisse werden dadurch gleichzeitig erfüllt:

zum einen erzeugt der Gleichklang ein Gefühl der Zugehörigkeit,

und zum anderen kann man sich in seiner individuellen Art verstanden fühlen.

Doch mögen die Gemeinsamkeiten noch so groß sein (wir nutzen ja schließlich auch eine gemeinsame Sprache …), auch die Unterschiede liegen auf der Hand.

Nehmen wir als Beispiel die Begriffe „Freiheit“ und „Glück“. Jeder kennt die Worte, aber die Bedeutungszuweisung und die Assoziationen werden wohl sehr verschieden sein.

 

Somit bin ich bei einem weiteren wichtigen Merkmal von Kommunikation angekommen:

Unterschiedsbildung ist ein zentrales Werkzeug zum Bewerten und Interpretieren von Dingen, Ereignissen und Informationen.

Unterschiede kontrastieren Gegensätze.

Im Spannungsfeld der Unterschiede entsteht ein Spektrum von Entwicklungs- Möglichkeiten, oder anders formuliert: im kommunikativen Austausch lernen wir voneinander, indem wir uns in den Gemeinsamkeiten bestärken, gemeinsame Ideen, Visionen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Und wir lernen voneinander, indem wir, was die Unterschiede betrifft, uns gegenseitig respektvoll zuhören (wozu auch ein Unterbrechen gehören kann anstatt Interesse vorzutäuschen) und uns vom Gesprächspartner und von seinen Gedanken und Sichtweisen inspirieren lassen. So kann in der Kommunikation ein einfühlsames Geben und Nehmen entstehen. Und der Kommunikationsprozess kann gleichermaßen genutzt werden, um sich in Authentizität (einem ehrlichen und klaren Ausdruck), Respekt und Mitgefühl zu üben.

 

In hierarchischen Gesellschaften kann man oft eine Art der Kommunikation beobachten, die

  • Eigenverantwortung leugnet
  • auf Fehlverhalten der Anderen fokussiert
  • moralisch urteilt und Vorwürfe macht
  • das eigene Denken für unumstößlich wahr und allgemeingültig hält.

 

Eine mehr lebensfördernde und respektvolle Art der Kommunikation ist getragen von persönlicher Präsenz und Verantwortungsbewusstsein und achtet die Werte, Gefühle und Bedürfnisse der Anderen.

 

Die bewusste Wahrnehmung des ICH und des DU ist eine wichtige Voraussetzung.

Jeder hat seinen Freiraum, den er/sie nutzen kann, den eigenen Impulsen zu folgen, das mitzuteilen, was gerade beschäftigt oder innerlich in Arbeit ist.

Aus dem Austausch über ein THEMA kann etwas Verbindendes, ein WIR entstehen.

Und all das (ICH, DU, WIR und das THEMA) ist eingebettet in das Wissen, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen, einer WELT sind, zu deren Gelingen oder Scheitern wir beitragen können.

 

Und es lohnt sich, über all diese Aspekte zu sprechen, sich auszutauschen und sich zu vernetzen.

 

Denn ein Text ohne einen Leser hat keine Bedeutung; erst die Beziehung zwischen einem Text und seinen Lesern lässt Bedeutung entstehen.